Papst spricht Machtwort: Zölibat bleibt Zölibat

Studiogespräch: Thomas Sternberg, Präsident Zentralkomitee Deutsche Katholiken Aktuelle Stunde 12.02.2020 Verfügbar bis 19.02.2020 WDR

Papst spricht Machtwort: Zölibat bleibt Zölibat

  • Schlussdokument zur Amazonas-Synode
  • Kaum Raum für Revolution
  • Flammender Appell für Gerechtigkeit und Umweltschutz

Papst Franziskus hat am Mittwoch (12.02.2020) ein neues Dokument für mehr Gerechtigkeit und Umweltschutz veröffentlicht. Im Schreiben "Querida amazonia – geliebtes Amazonien!" ruft er Kirche und Welt dazu auf, den Schrei der Armen und zugleich der Erde zu hören.

Aber: Die in Deutschland vielfach erwartete Priesterweihe für verheiratete Diakone oder mehr Leitungsaufgaben für Frauen ermöglicht der Papst mit dem Schreiben nicht.

Papst blockt Forderung vieler Bischöfe ab

Maria 2.0 wird enttäuscht sein. Franziskus lockert weder den Zölibat für Priester, noch gibt er Frauen mehr Mitsprache. Damit weist er das Votum der deutlichen Mehrheit einer Bischofsversammlung vom letzten Oktober zurück.

Die Teilnehmer bei der sogenannten Amazonas-Synode hatten verlangt, dass "die Räume für eine wirksame weibliche Gegenwart in der Kirche noch erweitert werden". Frauen müssten "viel entschiedener Leitungsaufgaben innerhalb der Kirche wahrnehmen" (Schlussdokument 99 und 101).

Nicht geweiht - aber trotzdem wichtig

Außerdem hatten die Bischöfe der Versammlung den Papst aufgefordert, verheiratete Diakone zu Priestern zu weihen. Papst Franziskus verweist in seinem heutigen "nachsynodalen Schreiben" zwar empfehlend auf dieses Abschlusspapier.

Schritte zur Umsetzung der Wünsche unternimmt er jedoch nicht. Er betont lediglich die Wichtigkeit von nicht geweihten Frauen und Männern für die Organisation ihrer Gemeinschaften und die Verkündigung der christlichen Botschaft.

Katholische Sexualmoral bleibt starr

Dies wird in der Deutschen Bischofskonferenz und bei den derzeitigen katholischen Reformgesprächen mit dem Namen "Synodaler Weg" für große Enttäuschung sorgen. Auch dabei werden Leitungsrollen für Frauen, ein Wandel des Priesterbildes und der katholischen Sexualmoral gewünscht.

Als kleiner Fortschritt könnte lediglich die Feststellung von Papst Franziskus verstanden werden, Priester seien den anderen in der Kirche nicht übergeordnet.

"Die Erde blutet"

Blick auf einen Fluss, der durch einen Dschungel fließt. Der Wald reicht bis ans Ufer heran und scheint undurchdringlich zu sein.

Amazonas-Gebiet ist gefährdet

Freuen hingegen dürften sich die Anhänger der Fridays-for-Future-Bewegung, denn: Entscheidender Schwerpunkt des neuen Papstschreiben ist die päpstliche Kritik an einer globalisierten Wirtschaft. Sie beschädige schamlos den menschlichen, sozialen und kulturellen Reichtum im Gebiet des Amazonas.

Dabei greift der Papst auch zu deutlichen Worten: "Die Erde blutet und ist am Ausbluten. Die multinationalen Konzerne haben die Adern unserer Mutter Erde aufgeschnitten."

Greta kämpft auch in Rom fürs Klima

WDR 5 Morgenecho - Interview 18.04.2019 04:52 Min. Verfügbar bis 16.04.2020 WDR 5

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Stand: 12.02.2020, 11:52

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