NRW weiter Schlusslicht bei Organspende

Collage, wie Chirurgen auf Herz und Lunge schauen.

NRW weiter Schlusslicht bei Organspende

Von Jörn Seidel

  • Zahl der Organspender zum Vorjahr annähernd gleich
  • NRW ist Schlusslicht unter den Regionen
  • Bundestag stimmt am Donnerstag über Neuregelung ab

In keiner anderen deutschen Region gibt es weniger Organspender als in Nordrhein-Westfalen. Im vergangenen Jahr kamen hierzulande auf eine Million Einwohner 10,0 hirntote Spender, im Bundesdurchschnitt waren es 11,2 Spender.

Zahl zum Vorjahr annähernd gleich

Wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation am Montag (13.01.2020) bekannt gegeben hat, gab es in Deutschland insgesamt 932 Spender, in NRW 179. Nicht mitgezählt werden Lebendspenden.

Damit hat sich die Zahl annähernd auf dem Niveau vom Vorjahr gehalten, als 955 postmortale Organspender gezählt wurden. In NRW wurden damals etwas weniger als jetzt gezählt, nämlich 163 Spender.

Organspenden nach Hirntod
Bund 2018Bund 2019NRW 2018NRW 2019
Organspender955932163179
Organspenden31132.995494586
Transplantationen32643.192742780

Die meisten Spender sind Ostdeutsche

Die Stiftung unterteilt die Republik in sieben Regionen. Die mit Abstand meisten Spender sind in Ostdeutschland, einschließlich Berlin, zu finden. Dort kamen im vergangenen Jahr auf eine Million Einwohner 14,2 Spender.

Bundestag stimmt über Neuregelung ab

Am Donnerstag (16.01.2020) will der Bundestag über einen Gesetzesvorschlag zur Neuregelung von Organspenden entscheiden. Der Fraktionszwang ist dabei aufgehoben.

Eine Gruppe um Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den Kölner Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach (SPD) tritt für eine Abkehr von der jetzigen Entscheidungsregelung ein. Sie werben für die Widerspruchsregelung.

Organspende scheitert oft an kleinen Kliniken

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 12.08.2019 03:35 Min. Verfügbar bis 08.08.2020 WDR 5 Von Heinz Krischer

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Entscheidungs- versus Widerspruchsregelung

Danach soll jeder Mensch potenzieller Organspender sein, wenn er zu Lebzeiten nicht widerspricht. Eine anderer Entwurf einer Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock sieht vor, dass die Organentnahme wie derzeit nur bei ausdrücklicher Zustimmung möglich ist.

Kritik von Patientenschützern

Die in Dortmund ansässige Deutsche Stiftung Patientenschutz lehnt die geplante Widerspruchsregelung klar ab. "Denn Zwang wird das Misstrauen in der Bevölkerung eher verstärken", sagte Vorstand Eugen Brysch am Montag (13.01.2020) dem WDR.

"Nur mit Vertrauen in ein gerechtes System kann eine positive Stimmung bei der Organspende entstehen", so Brysch. Allerdings kritisiert er auch das jetzige System, das nur die Hälfte der Bevölkerung für gerecht halte.

Forderung: Mehr staatliche Lenkung

Seine Forderung: Die Kontrolle und Organisation der Organvergabe sollte in staatliche Hände gelegt werden. Außerdem brauche es eine neutrale Aufklärung und Beratung sowie eine Einbindung der Angehörigen.

Misstrauen nach zwei Fällen in Essen

Das Organspendesystem ist schon mehrfach in Verruf geraten. Zum Beispiel nach zwei Lebendspenden an der Uniklinik Essen 2009 und 2010. Damals war jeweils eine Niere transplantiert worden - die beiden Spender leiden bis heute unter chronischer Erschöpfung. Die Zahl der Organspender ging seitdem deutlich zurück.

Die Nachfrage indes ist weiterhin hoch. Bis Ende 2019 warteten etwa dreimal so viele Menschen auf eine Transplantation als durchgeführt wurden.

Stand: 13.01.2020, 12:14

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