Vor Debatte um Widerspruchsregelung: So läuft Organspende ab 

Vor Debatte um Widerspruchsregelung: So läuft Organspende ab 

Vor Debatte um Widerspruchsregelung: So läuft Organspende ab 

  • Eltern geben Organe der Tochter nach Unfall frei
  • Franzi hatte sich früh mit Organspende beschäftigt
  • Zu wenig Organspenden in Deutschland
  • Bundestag entscheidet über sogenannte "Widerspruchslösung"

Franzi lacht viel in der Erinnerung von Susanne und Nikolaus Unterberger in Ruppichteroth im Oberbergischen. Ihre Tochter ist 21 Jahre alt geworden. Bei einem Verkehrsunfall im Juni 2014 erlitt sie schwerste Kopfverletzungen. Die Ärzte konnten nichts mehr tun, sie stellten den Hirntod fest.

Organspendeausweis in der Reisetasche

Die Eltern sitzen am Bett ihres Kindes in der Klinik, halten Franzis Hände. Die Ärzte erklären ihren Zustand. Es war Franzis Vater, der den Ärzten vom Organspendeausweis der Tochter erzählt. Franzi hatte sich schon vor Jahren mit Organspende auseinandergesetzt. Seit 2011 hatte sie einen Organspendeausweis. Als der Unfall passierte, steckte er in ihrer Reisetasche.

"Nachdem die Ärzte uns sagten, sie könnten sie nicht mehr retten, da erinnerte ich mich an ein Gespräch, das ich einige Monate vor ihrem Unfall mit ihr geführt hatte", sagt Susanne Unterberger. "Franzi sagte mir, wenn mir etwas zustoßen sollte, spendet meine Organe."

"So ein Gespräch vergisst man nicht"

Susanne Unterberger fragte damals noch einmal nach: "Ich bin deine Mutter - auch das Herz? Das ist ein emotionales Organ, das kann ich doch nicht einfach so weggeben?"

Die Tochter antwortete: "Doch, wenn es für mich nicht mehr reichen sollte, dann möchte ich anderen eine Chance geben." Es sei viel zu schade, wenn so wertvolle Organe nicht genutzt würden.

"Das vergisst man nicht, wenn man so ein Gespräch mit einer 21-jährigen Tochter führt", sagt Susanne Unterberger.

Sechs Organe - sechsmal die Chance auf Leben

Franzis Eltern: Susanne und Nikolaus Unterberger sitzen am Tisch. Zu wissen, wo die Organe ihrer Tochter hingehen, hat ihnen Kraft gegeben.

Franzis Eltern: Susanne und Nikolaus Unterberger. Zu wissen, wo die Organe ihrer Tochter hingehen, hat ihnen Kraft gegeben.

Nach einem Gespräch mit einem Seelsorger gaben die Mutter und der Vater die Organe der Tochter frei: sechs Organe, die kranken Menschen zwischen zwei und 64 Jahren eine Chance auf Leben schenken. Das Herz ging an einen Jungen in Rotterdam.

Als der Hubschrauber mit Franzis Herz abhob, standen die Eltern da und sahen zu. Das Wissen, dass Franzis Organe jetzt anderen helfen, gibt den Eltern Kraft.

Die Tatsache, dass die Tochter sich lange vor ihrem Unfall mit dem Thema Organspende auseinandergesetzt hatte, nahm den Eltern die Entscheidung ab. Ohne dieses Wissen, wäre sie womöglich schwerer gefallen.

Jeder soll potenzieller Organspender sein - bis er widerspricht

Am Donnerstag (16.01.2020) entscheidet der Bundestag über einen Gesetzesvorschlag zur Neuregelung von Organspenden. Nach der sogenannten Widerspruchsregelung soll jeder Mensch potenzieller Organspender sein, wenn er zu Lebzeiten nicht widerspricht. Der Entwurf hat nicht nur Befürworter.

Susanne und Nikolaus Unterberger aber hoffen, dass die Widerspruchsregelung kommt. Sie sehen nicht nur die Spenderseite, sondern auch die Empfänger. In Deutschland gibt es zu wenige Organe. Die Wartelisten sind lang, die Not ist groß.

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Natürlich sei Organspende ein unbequemes Thema. "Es tut weh. Es schürt Ängste. Niemand will sich gerne damit befassen. Deswegen ist es gar nicht so schlecht, wenn der Staat das bestimmt." Jeder habe die Möglichkeit Widerspruch einzureichen.

"Niemand wird entmündigt. Wir werden sozusagen nur dazu verdonnert, uns mit dem Thema auseinanderzusetzen. Mehr nicht", sagt Franzis Vater.

Welche Wirkung hat die Widerspruchslösung? Planet Wissen 26.04.2019 01:33 Min. Verfügbar bis 26.04.2024 WDR Von Eva Schultes

Stand: 15.01.2020, 22:04

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