Laschet erhält Orden "Wider den tierischen Ernst"

Ordensträger Armin Laschet und seine Frau Susanne auf dem roten Teppich

Laschet erhält Orden "Wider den tierischen Ernst"

  • Verleihung des Ordens an Ministerpräsident Laschet
  • Erster Aachener Ordensträger in 70 Jahren
  • Proteste von Braunkohlegegnern

NRW-Ministerpräsident Laschet ist am Samstag (08.02.2020) in Aachen mit dem Orden "Wider den tierischen Ernst" ausgezeichnet worden. Der Aachener Karnevalsverein (AKV) ehrte ihn als "pragmatischen und kompromissfähigen Politiker mit rheinischem Humor, der gelobt habe, die Fröhlichkeit stets zu verteidigen".

Nach 70 Jahren erster Ordensträger aus Aachen

Seit 70 Jahren verleiht der AKV den Orden an Politiker, Unternehmer, Botschafter, kirchliche Würdenträger und weitere Prominente, die sich nach Auffassung des Vereins durch besonderen Humor auszeichnen. Das Jubiläum ist laut AKV-Präsident Werner Pfeil "genau der richtige Anlass, erstmals einen Ritter aus Aachen auszuzeichnen". Die Laudatio hielt Vorjahresritterin und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU).

"Ich freue mich riesig über diese höchste karnevalistische Auszeichnung, die man als Politiker erhalten kann", hatte Laschet vor der Verleihung erklärt. Für ihn als Aachener gehöre die Festsitzung des AKV mit der Ordensverleihung "zur närrischen DNA".

Protest von Braunkohlegegnern

Demonstranten mit Papiertüten, auf denen Armin Laschets Gesicht gedruckt ist, auf dem Kopf. Sie tragen einen Sarg mit dem Namen Dorfes Keyenburg.

Demo gegen Laschet

Mehrere hundert Braunkohlegegner demonstrierten vor der Verleihung des Ordens an Armin Laschet gegen den NRW-Ministerpräsidenten. Vor der Veranstaltungshalle in Aachen sangen sie am Samstagabend ein Schmählied auf den CDU-Politiker und den Energiekonzern RWE.

Aus ihrer Sicht hat sich Laschet zu wenig für den Erhalt von fünf Dörfern am Braunkohletagebau Garzweiler eingesetzt. Auf Särgen standen die Namen der Dörfer, die für den Tagebau verschwinden sollen. Viele Teilnehmer trugen Papp-Tüten mit Laschets Konterfei.

Das Erste sendet am Montag (10.02.2020) eine Aufzeichnung der Karnevalssitzung, ab 20:15 Uhr. Im WDR-Fernsehen ist sie am 22. Februar zu sehen.

So viele Männer und sechs Frauen: Die Ordensritter aus Aachen

Von Sabine Tenta

Seit 70 Jahren wird der Aachener "Orden wider den tierischen Ernst" verliehen. Sechs Frauen haben es in die Ritterrunde geschafft. Ein Rückblick in Bildern.

Armin Laschet, Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen, zeigt bei der Bekanntgabe zum Aachener Karnevalsorden einen Vogelkäfig, auf dessen Spitze ein Vogel sitzt.

Heimspiel für Armin Laschet: Nachdem der Aachener CDU-Politiker jahrelang bei Ordensverleihungen im Publikum saß – ein Pflichttermin für alle, die in Aachen Macht und Einfluss haben (wollen) – darf er nun als Ordensritter am Samstag (08.02.2020) in den Narrenkäfig steigen. Bei der Zuerkennung der Ehre im November 2019 präsentierte Laschet ihn schon mal in Miniaturform. Im Gegensatz zu anderen, die nur einen Pflichttermin wahrnehmen, nimmt man Laschet die Freude am Karneval jederzeit ab.

Heimspiel für Armin Laschet: Nachdem der Aachener CDU-Politiker jahrelang bei Ordensverleihungen im Publikum saß – ein Pflichttermin für alle, die in Aachen Macht und Einfluss haben (wollen) – darf er nun als Ordensritter am Samstag (08.02.2020) in den Narrenkäfig steigen. Bei der Zuerkennung der Ehre im November 2019 präsentierte Laschet ihn schon mal in Miniaturform. Im Gegensatz zu anderen, die nur einen Pflichttermin wahrnehmen, nimmt man Laschet die Freude am Karneval jederzeit ab.

Verliehen wird der "Orden wider den tierischen Ernst" vom AKV seit 1950 – also seit 70 Jahren. In der stattlichen Vereinsgeschichte ist Armin Laschet der erste Aachener, der ausgezeichnet wird. Aber als Mann fügt er sich in eine lange Tradition: Über Jahrzehnte waren die Herren an ihrer Ritter-Tafelrunde unter sich. Bis heute haben es nur sechs Frauen in die illustre Runde geschafft.

Bei der Preisverleihung an die Männer sorgten aber stets Frauen für den dekorativen Rahmen: Sie nahmen den jeweiligen Preisträger in ihre Mitte zum "Bützen", wie das Küssen auf Kölsch heißt. So bei Guido Westerwelle (FDP), der 2001 den Orden erhielt ….

… oder beim Schweizer Botschafter Thomas Bohrer (2002) ….

... oder beim Porsche-Chef Wendelin Wiedeking (2003) ….

... oder beim Schauspieler Ottfried Fischer (2012) ...

… oder bei Christian Lindner (FDP), der 2014 mit einer selbstironischen Ritter-Rede mit Anspielungen auf seine Haartransplantation punkten konnte: "Das Bambi hat die Haare schön!"

Erst 1988 brach mit der Literaturprofessorin und Unternehmensberaterin Gertrud Höhler die erste Frau in die Männerdomäne ein. Die CDU-Politikerin wurde damals immer wieder als Kandidatin für einen Kabinettsposten gehandelt, ging am Ende aber leer aus. 1994 gesellte sich dann die zweite Frau hinzu: Renate Schmidt (SPD), damals Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und SPD-Landesvorsitzende in Bayern.

1998 wurde Heide Simonis (SPD) ausgezeichnet. Sie war damals die erste und einzige weibliche Ministerpräsidentin in der Bundesrepublik. Aber auch mit ihrer schnörkellosen, direkten Art, über Politik zu reden, stach sie hervor.

Gloria von Thurn und Taxis wurde 2008 zur vierten Ritterin gekürt. Die schlagfertige, streng katholische Unternehmerin hatte Jahre zuvor mit ihrem Satz "Der Schwarze schnackselt gerne" einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Im Narrenkäfig reimte sie darum: "Denn auch, liebe Leut', beim Fettnäpfchen-Treten/ hab ich um Gleichberechtigung gebeten."

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat sich mit ihren Auftritten im saarländischen Karneval als "Putzfrau Gretel" aus dem Landtag einen Namen gemacht. Als saarländische Ministerpräsidentin wurde sie 2015 in den Aachener Ordensstand erhoben. Dass die Narrenfreiheit des Karnevals auch Grenzen hat, erfuhr die heutige CDU-Vorsitzende 2019, als sie in einer Büttenrede Witze über Intersexuelle riss - und dafür heftig kritisiert wurde.

Die vorerst letzte Frau, die vom AKV zur Ordensritterin geschlagen wurde, war 2019 Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Mit ihr im Käfig ist der Ritter aus dem Jahr 2018, Winfried Kretschmann (Grüne), zu sehen. Der baden-württembergische Ministerpräsident hat die Anzahl der ausgezeichneten Politiker mit grünem Parteibuch mit einem Ritterschlag verdoppelt. Denn vor ihm wurde nur Cem Özdemir (2013) ausgezeichnet.

Die Linke kann sogar nur einen einzigen Ordensritter in der Aachener Tafelrunde aufweisen. Als Gregor Gysi erfuhr, dass er 2017 den Orden erhält, schaute er noch etwas ungläubig. Später im Narrenkäfig sagte er dann: "Ich finde, Aachen muss es aushalten, dass alle hundert Jahre eine solche Ausnahme stattfindet, oder?"

Auch wenn Armin Laschet der einzige Aachener in der Schar der Ritter aus sieben Jahrzehnten ist, als konservativer Politiker ist er Teil einer satten Mehrheit. CDU und CSU stellen mit 24 Rittern die größte Fraktion, gefolgt von sieben Freidemokraten und sechs SPD-Politikern. Neben Spitzenpolitikern wurden vom AKV immer wieder Unternehmer, Diplomaten und kirchliche Würdenträger wie Kardinal Lehmann ausgezeichnet. Die ARD sendet eine Aufzeichnung der Preisverleihung an Armin Laschet am Montag (10.02.2020) ab 20.15 Uhr im Ersten. Sie ist auch im WDR-Fernsehen am 22. Februar ab 22.30 Uhr zu sehen.

Jet zo fiere — das Beste aus der Verleihung des Ordens "Wider den tierischen Ernst" Karneval 15.02.2020 01:58:37 Std. Verfügbar bis 15.02.2021 WDR Von Claus Schmitz

Stand: 08.02.2020, 21:26

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