Neues Verfahren zur Opferentschädigung bei der Katholischen Kirche

Rosenkranz in der Hand eines Geistlichen

Neues Verfahren zur Opferentschädigung bei der Katholischen Kirche

Von Frank Piotrowski

Die katholische Kirche will die Opfer sexualisierter Gewalt angemessener entschädigen. Kern des neuen Verfahrens ist eine unabhängige Kommission aus Experten.

Es geht um die Anerkennung des Leids und Entschädigung der zur Tatzeit minderjährigen Opfer sexualisierter Gewalt durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige. Deutschlandweit sollen die Fälle nun nach einem einheitlichen Standard abgewickelt werden.  Bisher gab es in den Bistümern unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe.

In den vergangenen zehn Jahren wurden 2.200 Anträge auf Entschädigung in den deutschen  Bistümern bearbeitet, so ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Bonn. Für die kommenden Jahre wird mit einer ähnlichen Anzahl gerechnet.

Unabhängige Kommission entscheidet über Anerkennungsleistungen

Über Entschädigungszahlungen entscheidet ab sofort ein von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetztes Gremium:  Die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA). Sie ist mit Fachleuten aus den Bereichen Medizin, Recht, Psychologie und Kriminologie besetzt. Die Mitglieder stehen in keinem Anstellungsverhältnis zu einer Diözese oder einer anderen kirchlichen Einrichtung und arbeiten weisungsunabhängig.

Anträge müssen auch künftig bei Bistümern gestellt werden

Die Missbrauchsopfer müssen ihre Anträge auch künftig bei den Bistümern stellen. In Nordrhein-Westfalen sind dies die Bistümer Aachen, Köln, Essen, Münster und Paderborn. Laut der deutschen Bischofskonferenz läuft das verfahren so ab:

  • Die unabhängigen Ansprechpersonen in den Bistümern führen ein Gespräch und können beim Ausfüllen des Antragsformulars unterstützen.
  • Der Antrag wird von der Ansprechperson oder der Diözese an die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) weitergeleitet.
  • Die Unabhängige Kommission legt eine Leistungshöhe fest und weist die Auszahlung an Betroffene an.
  • Die Geschäftsstelle der Unabhängigen Kommission informiert die betroffene Person sowie die zuständige Diözese und zahlt die festgelegte Summe direkt aus.

Entschädigung bis zu 50.000 Euro - in schweren Fällen mehr

Bis zu 50.000 Euro betragen die Zahlungen. Bei besonders schweren Härtefällen sind höhere Leistungen oder anderweitige Unterstützungen mit Zustimmung des zuständigen (Erz-)Bistums möglich. Außerdem werden durch die Diözesen die Kosten für Therapie und Paarberatung übernommen.  Das neue Verfahren mit der Beteiligung der Unabhängigen Kommission soll eines garantieren: Die Höhe der Entschädigung soll nicht davon abhängen, welches Bistum für den Fall zuständig ist.

Es können sich auch Missbrauchsopfer melden, die schon einmal eine Entschädigung erhalten haben. Denn diese dürfte in der Vergangenheit deutlich geringer als nach den neuen Richtlinien ausgefallen sein.  Auf eine erneute Prüfung , ob der schon einmal geschilderte Tathergang plausibel ist,  soll in der Regel verzichtet werden. 

Wann immer es möglich ist, soll der Täter nach Zahlung an das Opfer für die Rückerstattung des Betrags an die Kirche herangezogen werden. Es wird auch gezahlt, wenn die Tat nach dem staatlichen Recht bereits verjährt oder der Täter schon verstorben ist. 

Bistümer informieren auf Webseiten

Alle Bistümer haben ausführliche Informationen auf Ihren Webseiten. Im Bistum Essen wurden bereits alle bekannten Betroffenen angeschrieben und über das neue Verfahren informiert. Das Bistum finanziert die Entschädigungen durch den Verkauf von Immobilien.

Das Bistum Münster verweist darauf, dass sich Betroffene auch an die Unabhängige Beratungsstelle Zartbitter e.V. oder den Weißen Ring wenden können.

Das Erzbistum Paderborn teilt mit, dass es bereits erste Anfragen von Betroffenen gibt und alle angeschrieben werden, sobald die neuen Formulare vorliegen. Dies wird spätestens am 15. Januar der Fall sein.

Das Bistum Aachen rechnet mit ungefähr 160 Anträgen. Zwei Mitarbeiter kümmern sich um die Bearbeitung.

Im Erzbistum Köln will man sicherstellen, das in den Schaukästen aller Kirchengemeinden die Informationen ausgehängt werden, um auch ältere Menschen ohne Internetkenntnisse zu erreichen. Das Geld für die Entschädigungen stamme nicht aus Kirchensteuern sondern aus dem Vermögen des Erzbischöflichen Stuhls.

Stand: 01.01.2021, 06:00

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