"One Billion Rising" - der Tanz für Frauenrechte

One Billion Rising 2018: Schild

"One Billion Rising" - der Tanz für Frauenrechte

  • Aktionstag für Frauenrechte in vielen NRW-Städten
  • Britta Costecki ist Mitorganisatorin in Oberhausen
  • Weltweite Bewegung seit 2013

Die Bewegung "One Billion Rising" entstand in den USA. Eine Milliarde - das ist geschätzt die Zahl an Frauen und Mädchen weltweit, die in ihrem Leben Gewalt erleiden.

Seit 2013 wird am 14. Februar auf allen Kontinenten zum Protest dagegen aufgerufen - auch in zahlreichen NRW-Städten. Wir sprachen mit Britta Costecki, Mitorganisatorin und Gleichstellungsbeauftragte in Oberhausen.

WDR: Was macht das Besondere von "One Billion Rising" aus?

One Billion Rising 2018: Britta Costecki

One Billion Rising 2018: Britta Costecki

Britta Costecki: Es gibt ja auch den Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November. Da wehen überall Fahnen und es gibt inhaltliche Veranstaltungen. "One Billion Rising" ist eine kurzweiligere Form und stärkt die Solidarität untereinander.

Es wird gemeinsam getanzt zu einem eigenen Lied mit einer eigenen Choreographie. Es ist natürlich möglich, spontan mitzumachen. Die Schritte und die Armbewegungen sind nicht so schwer. Das Besondere ist, dass dieser Protesttag genau in dieser Form auf der ganzen Welt durchgeführt wird.

WDR: Und es kann jeder mitmachen, auch Männer und Tanzmuffel?

Costecki: Alle! Alle sind aufgefordert, natürlich auch gerne Jungs und Männer. Die haben uns die letzten Jahre schon begleitet und das ist auch ganz wichtig.

Sexuelle Belästigung, Vergewaltigung, Prostitution, Zwangsheirat, häusliche Gewalt, Ehrenmord – das sind Themen, die fast ausschließlich Frauen treffen. Und da müssen auch Männer und Jungs für ein gewaltfreies Leben einstehen.

WDR: Wie hat sich die One-Billion-Rising-Bewegung in den letzten Jahren entwickelt?

Costecki: In Oberhausen werden es erfreulicherweise immer mehr. Gewalt an Frauen und Mädchen ist ein ganz schwieriges, ein trauriges und auch heftiges Thema. Es ist nichts, wo man sagt: 'Ich mache mir ein tolles Abendprogramm und höre was zum Thema häusliche Gewalt oder Genitalbeschneidung.'

"One Billion Rising" ist in den letzten Jahren weltweit gewachsen. Aber es ist nicht ausreichend. Wir werden nicht locker lassen und weitermachen, weil ja leider die Gewalt an Frauen und Mädchen auch nicht aufhört oder weniger wird.

WDR: Das Motto 2019 lautet: "Bewegen – erheben – leben." Was motiviert Sie ganz persönlich, sich zu erheben?

Costecki: Mich motiviert immer wieder das ungeheure Ausmaß der Gewalt, die Beschäftigung mit Einzelschicksalen und die Härte, die dahinter steckt.

Ich kann es einfach nicht akzeptieren, dass diese Gewalt in unserer Gesellschaft so präsent ist und so vielen Frauen widerfährt - quer durch alle Schichten und Kulturen.

Das Gespräch führte Sabine Tenta.

One Billion Rising 2018 in Oberhausen

One Billion Rising 2018: Plakat

Fröhliche Gesichter, ernstes Anliegen: Bei der weltweiten Kampagne "One Billion Rising" gingen am Mittwoch (14.02.2018) unter anderem in Oberhausen Menschen auf die Straße. Auf dem Altmarkt in der Innenstadt versammelten sich rund 100 Engagierte, um gegen Gewalt an Frauen zu demonstrieren.

Fröhliche Gesichter, ernstes Anliegen: Bei der weltweiten Kampagne "One Billion Rising" gingen am Mittwoch (14.02.2018) unter anderem in Oberhausen Menschen auf die Straße. Auf dem Altmarkt in der Innenstadt versammelten sich rund 100 Engagierte, um gegen Gewalt an Frauen zu demonstrieren.

Mitorganisatorin Britta Costecki von der Oberhausener Gleichstellungsstelle hatte viele Leute zum Mitmachen motiviert. Sie erinnert daran, dass 58 Prozent der Frauen bereits sexuelle Belästigung erlebt hätten. "Knapp die Hälfte dieser Frauen fühlte sich dabei ernsthaft bedroht und hatte Angst um ihre Sicherheit", so Kostecki.

Unter dem Motto "Erhebt euch! Widersetzt euch! Vereinigt euch!" hatten Schüler, Männer und Frauen zuvor einen Tanz einstudiert. Zu dem Lied "Break the Chains" wollen an diesem Tag weltweit Menschen tanzen.

Auch Frauen aus dem Oberhausener Frauenhaus waren auf dem Altmarkt dabei. Einige von ihnen wollten nicht fotografriert werden - aus Angst vor ihren Männern.

Auch einige Flüchtlinge aus Afrika waren bei der Aktion dabei. Tanzlehrer Aettref (r.) hatte mit ihnen zuvor die Schritte eingeübt. "Ich hasse Gewalt gegen Frauen. Am liebsten würde ich jeder von ihnen helfen", so der Oberhausener.

Auf der Bühne sang die junge Sängerin Mariam Touve ein berührendes Lied.

Dann gab es unter blauem Himmel und viel Sonnenschein noch eine fetzige Tanzeinlage.

Auch einige Ensemble-Mitglieder vom Theater Oberhausen waren zur Tanzaktion auf den Platz gekommen. Schauspielerin Ronja Oppelt gab mit einer Kollegin einen Vorgeschmack auf das aktuelle Stück "Männer, die denken."

Geli Schiller tanzte unermüdlich in der ersten Reihe. Die Oberhausenerin hatte sich die Schritte zuvor selbst beigebracht. "Die haben den Tanz ja auf Facebook gepostet."  Die Tanzaktion findet am Mittwoch (14.02.2018) noch in vielen anderen NRW-Städten statt. Unter anderem in Düsseldorf, Köln, Bochum, Gladbeck und Ratingen.

Und auch in Bonn - hier tanzten rund 200 Frauen auf dem Münsterplatz gegen Gewalt.

Gewalt gegen Frauen Aktuelle Stunde 25.11.2018 02:29 Min. Verfügbar bis 25.11.2019 WDR Von Dorothea Schluttig

Stand: 14.02.2019, 06:00

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