Olympia und Menschenrechte: Drohung an die Sportler

Stand: 04.02.2022, 13:32 Uhr

Mit dem Start der Olympischen Winterspiele in Peking rückt nicht nur der Sport, sondern auch die Frage nach den Menschenrechten in den Fokus. Welches Risiko gehen Sportler ein, wenn sie sich kritisch äußern?

Die Olympischen Winterspiele in Peking werden durch Themen wie Menschenrechte, Einschränkung der Meinungsfreiheit und die Unterdrückung der muslimischen Minderheit in China, den Uiguren, belastet.

Das Internationalen Olympischen Komitee (IOC) sagt, dass Sport keine Politik betreiben sollte. Doch ist die Forderung nach Achtung der Menschenrechte Politik? Und müssen teilnehmende Athleten auf ihr Recht auf freie Meinungsäußerung verzichten, um keine Sanktionen der chinesischen Staatsmacht zu riskieren?

Kaum verhüllte Drohung an Athleten

Das jedenfalls befürchten Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch. Hintergrund sind kaum verhüllte Drohungen des hochrangigen Sportfunktionärs Yang Shu: Jedes Verhalten oder Äußerungen, die sich "gegen den olympischen Geist" richteten, könnten "mit einer bestimmten Bestrafung geahndet werden, insbesondere wenn sie chinesische Gesetze oder Regeln verletzen".

Johannes Herber lächelt bei einer Veranstaltung

Johannes Herber

Die Befürchtungen seien sehr berechtigt, erklärte Johannes Herber, Geschäftsführer von "Athleten Deutschland" und ehemaliger Basketball-Profi, am Freitag im WDR: "In der jetzigen Situation in China (...) haben wir den Athleten geraten, vorsichtig zu sein."

Der Zweck der Spiele für die chinesischen Machthaber sei, sich nach außen als florierende Nation zu präsentieren, während sie gleichzeitig Volksgruppen auf brutale Weise unterdrücken, meinte Herber. "Das ist mit den Olympischen Werten auf keinen Fall mehr mit in Einklang zu bringen."

Kempe: IOC kuscht vor den chinesischen Machthabern

Die Haltung des IOC passe nicht mehr in die Zeit, erklärte auch Robert Kempe vom WDR-Investigativteam "Sport Inside". Alles sei darauf ausgerichtet, sich "ja nicht mit der herrschenden Klasse Chinas zu verscherzen". Als Beispiel nannte Kempe den Umgang mit dem Fall Peng Shuai.

Der Fall der chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai sorgte auch bei den Australian Open für Schlagzeilen.

Peng Shuai

Die Tennisspielerin hatte Anfang November dem früheren chinesischen Vize-Regierungschef Zhang Gaoli vorgeworfen, sie zum Sex gezwungen zu haben. Der Beitrag wurde von den chinesischen Behörden zensiert, Peng selbst verschwand aus der Öffentlichkeit. Ende Dezember hatte Peng schließlich alle Vorwürfe gegen Zhang zurückgenommen.

Der IOC habe die Gelegenheit verpasst, sich klar hinter die Sportlerin zu stellen, so Kempe. Durch ihr zögerliches Verhalten habe sich die Organisation "zum Büttel der chinesischen Staatspropaganda" gemacht.

Kritik an Olympia: "Es braucht klaren Druck"

WDR 5 Morgenecho - Interview 04.02.2022 06:36 Min. Verfügbar bis 04.02.2023 WDR 5


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Hannawald: Risiko, dass ein negativer PCR-Test plötzlich positiv wird

Im WDR-Interview rief Skispringer-Legende Sven Hannawald die Sportler in Peking zur Vorsicht auf.

"Wenn ich noch aktiv wäre, würde ich mich mit meinen Äußerungen zurückhalten, bis ich wieder im Flieger zurück sitze." Sven Hannawald

Er habe die Befürchtung, dass es subtile Möglichkeiten des chinesischen Staats gebe, kritische Sportler zu bestrafen. Zum Beispiel, indem "ein negativer PCR-Test plötzlich positiv wird" und die Athleten wegen der angeblichen Corona-Infektion nicht an ihren Wettbewerben teilnehmen können. Diese Angst sei unter den Teilnehmern weit verbreitet.

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Schenk: Vergabe der Spiele an Peking schwerer Fehler

Die Vergabe der Spiele an Peking im Jahr 2015 ohne Blick auf die Menschenrechtssituation sei ein schwerer Fehler gewesen, erklärte die ehemalige Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer Sylvia Schenk, die heute als Sportberaterin von Transparency International tätig ist.

Allerdings müsse man dem IOC zugute halten, dass die politische Entwicklung damals noch nicht absehbar gewesen sei. Immerhin verlange man inzwischen im Ausrichtervertrag von Olympia-Bewerbern die Achtung der Menschenrechte. "Damit lassen sich wichtige Prozesse anstoßen."

Kiesewetter: Boykott nicht Aufgabe der Sportler

Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter betonte am Freitag in einem Interview mit dem Deutschlandfunk, nicht die Sportlerinnen und Sportler sollten Olympia boykottieren. Vielmehr sollten sich die Politikerinnen und Politiker bewusst fernhalten.

"Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Bundesregierung hier etwas deutlicher positioniert." In Ländern wie China sollten keine Olympischen Spiele stattfinden, weil sie nicht zur Transformation und Offenheit führten, sondern zur Selbstdarstellung autoritärer Regime dienten.

Kommentare zum Thema

17 Kommentare

  • 17 Dietmar Kahl 05.02.2022, 15:54 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 16 Sk 05.02.2022, 14:38 Uhr

    Vergleich:. 2022 - 1936 Die Welt spielt wieder mit. Auch Sportler, bei allem Verständnis für sportlichen Vergleich, haben Verantwortung. Gerade heute, in einer Zeit, in der jeder auf Freiheit und seine Meinung pocht. Unglaublich dieses System noch so zu hoffieren.

  • 15 Adolf Putin 05.02.2022, 13:56 Uhr

    Wenn deine Menschenrechte in Deutschland nicht geachtet werden, dann gehe bitte nach China!!!

  • 14 Jürgen 04.02.2022, 23:23 Uhr

    Das Verhalten des IOC ist unerträglich. Das ist das eine. Wenn Sportler trotz der massiven Bedrohungen durch chinesische Behörden teilnehmen, statt zu boykottieren ist es ebenso unerträglich. Dem IOC geht es um Geld ,den Sportlern geht es um was? Geld

  • 13 George 04.02.2022, 20:55 Uhr

    Mein Beitrag: Fernsehboykott der Olympischen Spiele und der Fußball WM. Nach möglichkeit auf Produkte aus China verzichten.

  • 12 Anonym 04.02.2022, 20:50 Uhr

    Ein Land, welches selbst die Menschenrechte gerade massiv mit Füßen tritt, sollte nicht mit erhobenem Zeigefinger auf andere Länder zeigen.

  • 11 Bernd 04.02.2022, 19:39 Uhr

    Menschenrechte sind wichtig. In den Medien werden Menschen gezeigt die gegen die Olympiade in China sind. Ihr gutes Recht. Aber Handy s aus China oder mit chinesischen Teilen nutzt man gern. Soviel zur Kritik in Teilen der Bevölkerung.

  • 10 Tobias Gomm 04.02.2022, 18:58 Uhr

    Der olympische Gedanke wird und wurde von verschiedenen Diktatoren in der Vergangenheit und auch Gegenwart zur Selbstdarstellung missbraucht. Der eigentliche Skandal ist dabei, dass trotz aller Kritik, die öffentlichen Sender (finanziert durch Steuerzahler) immer mehr Geld für die Übertragung bieten. So wird das völlig korrupte System mit finanziert. Diese Scheinheiligkeit ist nicht mehr zu tolerieren. Gilt natürlich auch für die Fussball WM. So bleibt dem verantwortungsvollen Zuschauer nur der Fernsehboykott.

  • 9 Stefanie Hoskovec 04.02.2022, 18:47 Uhr

    Ich werde die Olympischen Spiele von Peking nicht gucken. So ein Land wie China was Menschenrechte mit Füßen tritt werde ich nicht unterstützen. Ich finde es auch nicht gut das die Paralympics auch dort stattfinden. Zumal China sich ihre Siege unehrlich erarbeitet vor allem durch Doping fällt dieses Land immer wieder negativ auf. Dieses Land ist es nicht wert das dort irgendwelche Spiele stattfinden.

  • 8 Mich@ 04.02.2022, 18:02 Uhr

    Es gibt keine Rechtfertigung für die Übertragung dieser Spiele gerade und ganz im besonderen die öffentlich- rechtlichen Sender verlieren an Glaubwürdigkeit. Geist der Spiele ? Wo bleibt der Geist der Courage? Egal ob Peking oder Qatar das Vorbild ist in der Tonne! Verträge scheiß auf die Verträge, auch ne Form von Nettikette. LG Möge die Ungerechtigkeit beginnen

  • 7 Michael 04.02.2022, 17:19 Uhr

    Mein persönlicher Boykott sieht so aus - ich schaue kein Olympia ob wohl einige wenige Sportarten mich wirklich intressieren. Am nächsten Tag steht das wichtigste in der Zeitung. Leid tun mir die Sportler und die Journalisten.....

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