Wissenschaftler haben Fragen zur Heinsberg-Studie

Wissenschaftler haben Fragen zur Heinsberg-Studie

Von Sabine Tenta

  • Nach Vorstellung der ersten Teilergebnisse der Heinsberg Studie
  • Wissenschaftler hinterfragen Immunitätswert
  • Wirbel um wissenschaftliche Dokumentation durch Medienprofis

Als am Gründonnerstag (09.04.2020) Hendrik Streeck von der Uni Bonn erste Ergebnisse der Heinsberg-Studie zum Corona-Virus vorstellte, war es wie eine frohe Osterbotschaft: 15 Prozent der Bevölkerung in Gangelt im Kreis Heinsberg sei bereits immun gegen das Coronavirus!

Aber wie lassen sich diese Zahlen aus Gangelt auf NRW, auf Deutschland übertragen? Stimmen die Zahlen überhaupt?

Professor Michael Hallek von der Uniklinik Köln hält die Ergebnisse etwa nicht für repräsentativ. Er sagte am Freitag (10.04.2020) in der Aktuellen Stunde, dass die Datenlage nicht ausreiche, um daraus politische Konsequenzen zu ziehen.

Verwechslung mit anderen Antikörpern?

Christian Drosten, Virologe der Berliner Charité, sagte in einem Pressebriefing des Science Media Center: "Ich kann daraus nichts ableiten. Da wird einfach so wenig erklärt, dass man nicht alles versteht." Er wartet genauso dringend wie andere Fachwissenschaftler auf weitere Informationen.

So möchte er zum Beispiel wissen, wie genau die Immunitätsrate ermittelt wurde. Es könne zum Beispiel sein, dass die festgestellten Antikörper sich auf andere Corona-Viren beziehen als Sars-CoV-2. Und es sei wichtig zu wissen, ob diese immunen Personen in einem oder verschiedenen Haushalten leben. Auch das habe Einfluss auf die Bewertung der Daten.

Streeck sagte dazu gegenüber "Zeit Online", dass der in der Studie verwendete Test, mit einer gewissen Fehlertoleranz, zwischen einer Infektion mit Sars-CoV-2 und anderen Coronaviren unterscheiden könne.

Offene Fragen an eine wichtige Studie

Unter Hochdruck wird die Heinsberg-Studie erstellt, auf die ganz Deutschland blickt. Ungewöhnlich ist, dass Zwischenergebnisse vor einer wissenschaftlichen Publikation in einer Pressekonferenz verkündet wurden. Doch das Bedürfnis nach einer Entscheidungsgrundlage ist groß.

Die Ministerpräsidenten wollen nach Ostern über eine mögliche Lockerung der Beschränkungen entscheiden. Im Interview mit der Aktuellen Stunde betont Hendrik Streeck, dass es keinen Druck aus der Politik gegeben habe, die Studie möglicht schnell zu veröffentlichen.

Dass nun zahlreiche Fachleute konkrete Fragen an die Heinsberger Studie stellen, heißt nicht, dass die gesamte Arbeit zweifelhaft ist. Ganz im Gegenteil, Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe der Uni Hamburg, betont in der ARD, dass die Studie "ganz wichtig" ist.

Dokumentation von Medienprofis

Die Heinsberg Studie ist außergewöhnlich - in jeder Beziehung. So wird die wissenschaftliche Dokumentation von hochkarätigen Medienprofis übernommen. Die Firma Storymachine spendiert sie der Uni Bonn nebst journalistischer Begleitung auf Twitter und Facebook. Gegründet wurde Storymachine von Ex-Bild-Chef Kai Diekmann, Ex-Stern.de-Chef Philipp Jessen und dem Eventmanager Michael Mronz.

Die Landtagsabgeordnete Sarah Philipp (SPD) hatte veranlasst, im Parlament eine Kleine Anfrage an die Regierung zur Finanzierung der Studien-Dokumentation zu stellen. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) betont, dass kein Landes-Geld für PR-Maßnahmen geflossen sei.

Aus der Antwort des Gesundheitsministeriums auf die Anfrage geht hervor, dass die Landesregierung die Studie zwar mit 65 315 Euro unterstützt. Damit würden aber Corona-Tests und medizinische studentische Hilfskräfte finanziert.

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"Pro bono" - so heißen im PR-Jargon Aufträge, die den Kunden nichts kosten. Es ist die Kurzform von "pro bono publico", also "zum Wohle der Öffentlichkeit". Sehr oft dienen sie aber vor allen Dingen dem Wohle der Eigen-PR. Das ist Storymachine damit zweifellos gelungen.

Corona-Briefing #13 - Zurück in die Normalität

WDR RheinBlick 09.04.2020 25:51 Min. Verfügbar bis 09.04.2021 WDR Online

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Stand: 10.04.2020, 20:47

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