Kühle Luft in Bus und Bahn? "Das ist illusorisch"

Fahrgäste in einem vollen Linienbus

Kühle Luft in Bus und Bahn? "Das ist illusorisch"

  • Bei immer mehr NRW-Verkehrsbetrieben sind Klimageräte Standard
  • Systeme können Temperatur um maximal 5 Grad senken
  • Anzahl der Kundenbeschwerden derzeit "im Rahmen"

Selbst bei der größten Hitze schaffen es moderne Auto-Klimaanlagen, die Luft im Fahrzeug in wenigen Minuten auf ein angenehmes Maß herunterzukühlen. Doch was im PKW längst Standard ist, ist in Bussen und Bahnen laut den Verkehrsbetrieben in NRW kaum zu schaffen.

Gründe seien die Körperwärme von vielen Menschen auf engem Raum sowie das ständige Öffnen der Türen. "Selbst wenn eine Klimaanlage auf Hochbetrieb läuft, wird man nie auf angenehme 20 Grad runterkühlen können", sagte ein Bogestra-Sprecher am Freitag (28.6.2019) dem WDR. Mit den vorhandenen Klimatisierungssystemen könne man das Wageninnere im Vergleich zur Außentemperatur um maximal 5 Grad absenken. "Alles andere ist illusorisch", so der Sprecher.

Außerdem können diese Temperieranlagen die Luftfeuchtigkeit nicht reduzieren, was häufig als unangenehm empfunden wird. Und wie alle Klimaanlagen arbeiten sie dann optimal, wenn Fenster und Türen geschlossen sind - in Bus und Bahn schlicht unmöglich.

Anzahl der Beschwerden "im Rahmen"

Diese technischen Limitierungen dieser Temperierungsanlagen seien den meisten Kunden durchaus bewusst, sagte der Bogestra-Sprecher weiter. Die Anzahl der Beschwerden hielte sich aktuell im Rahmen. Ähnliches berichtet ein Sprecher der Rheinbahn in Düsseldorf. Ohnehin sei es schwer, die unterschiedlichen Temperaturempfindungen aller Kunden gleichzeitig zu berücksichtigen: "Was dem einen zu warm ist, empfindet der andere als genau richtig", sagte der Sprecher.

In Gelsenkirchen und Bochum sind nach Angaben der Bogestra alle Busse sowie drei Viertel der Straßenbahnen bereits klimatisiert. Lediglich 20 Bahnen hätten kein Klimasystem. Diese werden allerdings bis Ende 2020 ausgetauscht.

Mit Klimaanlage steigt Verbrauch um 50 Prozent

Auch in Köln sei eine Temperierungsanlage bei Neuanschaffungen der Standard. Nach Angaben der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) sind dort ein Drittel der Busse sowie "fast 50 Prozent der Stadtbahnen" mit diesen Geräten ausgestattet. Diesen Komfort wolle man den Kunden bieten, auch wenn dieser mit höheren Kosten und einem höheren Energieverbrauch verbunden sei, sagte ein KVB-Sprecher. Laut KVB verbraucht eine Bahn mit Klimaanlage circa 50 Prozent mehr Strom als eine Bahn ohne Klimasystem.

Klimaanlagen in neuen Bahnen? Bonn überlegt noch

Kunden der Düsseldorfer Rheinbahn müssen sich dagegen noch gedulden. Dort werden erst in diesem Jahr Bahnen mit Klimaanlagen in Betrieb genommen. In den kommenden Jahren will man dabei eine Quote von "30 bis 50 Prozent" erreichen, sagte ein Sprecher. Was die Busse in Düsseldorf angeht, sei derzeit "weit mehr als die Hälfte" mit Klimasystemen ausgestattet. Tendenz: steigend.

In Bonn hingegen ist noch nicht entschieden, ob die neu anzuschaffenden Bahnen Klimaanlagen haben werden. Grund dafür seien wirtschaftliche Überlegungen, sagte eine SWB-Sprecherin dem WDR: "Klimaanlagen verursachen höhere Kosten und sind nur an relativ wenigen Tagen im Jahr im Einsatz."

Stand: 28.06.2019, 12:32

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