15 Jahre nach NSU-Mord in Dortmund warten die Angehörigen weiter auf Antworten

15 Jahre nach NSU-Mord in Dortmund warten die Angehörigen weiter auf Antworten

Von Tobias Al Shomer

Fast zehn Jahre nachdem die Mordserie des NSU bekannt wurde, wird auch in diesem Jahr der Opfer gedacht. Viele Fragen der Angehörigen bleiben aber weiterhin unbeantwortet.

Ein Gedenkstein erinnert in der Dortmunder Nordstadt an Mehmet Kubaşik, direkt vor dem Ladenlokal, in dem er vor 15 Jahren kaltblütig hingerichtet wurde - mutmaßlich von den NSU-Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. 

Am Sonntag haben in Dortmund mehr als 300 Menschen gemeinsam mit der Familie von Mehmet Kubasik an ihn und die anderen Opfer des NSU und weiterer rechtsextremer Morde gedacht. Organisiert wurde das Gedenken von der Initiative "Tage der Solidarität". Sie fordern eine vollständige, umfassende Aufklärung der NSU-Mordserie.

Ali Şirin von der Dortmunder Initiative "Tag der Solidarität" sagt, dass noch immer viele Fragen ungeklärt sein.

Veränderungen sind kaum zu spüren

Für Şirin hat sich auch fast 10 Jahre nach Bekanntwerden der NSU-Mordserie wenig verändert. Rassismus bei der Polizei sei weiter ein Problem, wie zuletzt der Anschlag in Hanau und die rassistischen Chatgruppen bei der Polizei in NRW gezeigt hätten.

13 Untersuchungsausschüsse haben im NSU-Komplex teils fragwürdige Ermittlungen aufgearbeitet, die manchmal nur auf rassistischen Klischees beruhten.

Merkels Versprechen nicht eingelöst

2012 hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel deshalb den Hinterbliebenen versichert: "Als Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland verspreche ich Ihnen: Wir tun alles, um die Morde aufzuklären und die Helfershelfer und Hintermänner aufzudecken und alle Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen."

Dieses Versprechen wurde bis heute nicht eingelöst und sorgt bis heute für Enttäuschung bei den Angehörigen. Gamze Kubaşik war 21 Jahre alt als ihr Vater ermordet wurde. Sie wartet weiter auf Antworten zu ihren offenen Fragen: Warum mein Vater? Was ist passiert? War er ein Zufallsopfer? 

Warum hat Rassismus mit uns allen zu tun? WDR Teil 1 von 2 18.03.2021 01:28:46 Std. UT DGS Verfügbar bis 18.03.2022 WDR

Auch heute sind noch viele Fragen offen

Es muss Unterstützer an den Tatorten gegeben haben. Da sind sich Experten sicher. Zu präzise waren die Ausspähunterlagen, die bei den NSU-Terroristen gefunden. Zu abgelegen die Anschlagsziele, wie zum Beispiel ein Laden in der Probsteigasse in Köln. 

Fragen wirft auch der NSU-Mord an Halit Yozgat in Kassel auf. Yozgat wurde nur zwei Tage nach Mehmet Kubaşik ermordet, am 6. April 2006, auch durch gezielte Schüsse in den Kopf. Hier war ein hessischer Verfassungsschützer zur Tatzeit am Tatort. Was er dort gemacht hat, ist bis heute nicht umfassend aufgeklärt. Seine Aussagen waren so unglaubwürdig, dass er gleich mehrfach im NSU-Prozess in München aussagen musste.

Zwischen der rechtsextremen Szene in Dortmund und Kassel gibt es eine enge Verbindung. Aufklären könnte der hessische Verfassungsschutz. Doch der hält Akten zum NSU unter Verschluss. Frühestens 2044 sollen sie freigegeben werden. Dass Familie Kubaşik früher Antworten auf ihre offenen Fragen bekommt, scheint unwahrscheinlich.  

Stand: 04.04.2021, 20:26

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