Zahlen und Fakten zum Klimawandel in NRW

WDR Thementag Klimawandel

Zahlen und Fakten zum Klimawandel in NRW

Nordrhein-Westfalen hat noch Luft nach oben beim Klimaschutz. Etwa ein Drittel aller deutschen Treibhausgas-Emissionen kommen aus NRW - kein Bundesland emittiert mehr. Woher kommt das?

Mit rund 260 Millionen Tonnen Treibhausgasen im Jahr 2018 ist Nordrhein-Westfalen unter den deutschen Bundesländern der größte Klimasünder. Rund 30 Prozent aller bundesweiten Emissionen kommen aus NRW. Die Haupttreiber sind die Stromproduktion, die Industrie, der Verkehr und die Haushalte.

Strom

Einen besonders großen Anteil an den Emissionen in NRW hat die Stromerzeugung. Das liegt laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz daran, dass NRW gut ein Viertel des bundesweit benötigten Stroms zuliefert. Ein Großteil dieses Stroms wird in Stein- und Braunkohlekraftwerken produziert, das sorgt für einen Ausstoß von mehr als 100 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten jedes Jahr (Stand 2018).

Verkehr

Im verkehrsreichsten Bundesland NRW verursachen allein Autos und Lkw jedes Jahr fast 30 Millionen Tonnen CO2 (Stand 2018). Ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen könnte die Treibhausgas-Emissionen laut Umweltbundesamt stark senken. Bei 130 km/h Höchstgeschwindigkeit lägen die bundesweiten Einsparungen bei fast zwei Millionen Tonnen CO2 jährlich.

Ernährung

Nutztiere verursachen in NRW jedes Jahr fast fünf Millionen Tonnen CO2-Äquivalente allein durch ihre Verdauung. Das sind fast zwei Prozent der jährlichen Gesamtemissionen in NRW - so das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW. Dazu kommen weitere Umweltbelastungen – zum Beispiel durch die Herstellung des Futters, das Kühlen der Milch und des Fleisches sowie den Transport. Jeder Deutsche könnte durch eine fleischärmere und weniger verschwenderische Ernährung jährlich etwa sieben Prozent der eigenen Gesamtemissionen vermeiden.

Wohnen

In den eigenen vier Wänden ist das Heizen der größte Klimatreiber. Gut 60 Prozent aller Emissionen von privaten Haushalten entstehen so. Auf Platz zwei folgt der Betrieb von Elektrogeräten. Diese sind zwar immer energiesparender, weil aber die Anzahl der Geräte pro Haushalt zunimmt, sind die indirekten Treibhausgas-Emissionen insgesamt weiter hoch.

Kleidung

Circa 90 Prozent der in Deutschland gekauften Kleidung stammt aus dem Ausland, mehr als 50 Prozent kommt aus China, der Türkei und Bangladesch. Ein T-Shirt kann bis zu 20.000 Kilometer zurücklegen, bevor es in einem deutschen Laden zu kaufen ist. Die Textindustrie ist Studien zufolge weltweit für mehr als eine Milliarde Tonnen CO2 pro Jahr verantwortlich.

Müll

Durch Müll entstehen in NRW vergleichsweise wenig Treibhausgas-Emissionen - pro Jahr sind es laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz 0,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Und trotzdem spielt Müll eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel. Denn Plastikabfall schadet zum Beispiel gleich doppelt. Er landet zunehmend im Meer und mindert so die Fähigkeit des Planeten, mit den Emissionen fertig zu werden. Denn die Ozeane binden einen großen Teil Kohlenstoffdioxid.

Folgen

Schon jetzt sind die ersten Veränderungen durch den Klimawandel zu spüren. Der Ablauf der Jahreszeiten hat sich in NRW in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Frühling, Sommer und Herbst beginnen mittlerweile früher und dauern insgesamt länger. Dafür ist der Winter kürzer geworden, so gibt es auch immer weniger Frosttage – durchschnittlich zwölf pro Jahr. Außerdem ist die Zahl der Schneetage auf dem Kahlen Asten in den vergangenen 60 Jahren um ein Viertel gesunken.

Im Sommer gibt es dafür immer mehr heiße Tage – durchschnittlich elf pro Jahr. Hitzesommer dürften in Zukunft also zur Normalität werden. Das ist ein Problem, denn die Städte in NRW verkraften Hitzewellen nur schwer. Schon jetzt ist es in unseren Städten wärmer als auf dem Land, 2050 könnte der Temperaturunterschied bei bis zu zehn Grad Celsius liegen. Das würde elf Millionen Menschen in den Städten NRWs treffen. Denn Hitze verursacht Stress und wirkt sich negativ auf den Kreislauf aus – insbesondere bei alten und kranken Menschen.

Pflanzen- und Tierwelt

Auch in der Pflanzen- und Tierwelt sind schon erste Veränderungen sichtbar. Es gibt laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz zum Beispiel immer weniger Tannenhäher oder Wintergoldhähnchen in NRW, weil diese Vogelarten eher kühlere Gegenden bevorzugen. Dafür steigt beispielsweise die Zahl der Grünspechte – eine Vogelart, die wärmere Gegenden mag. Pflanzen können mittlerweile zwei Wochen länger wachsen als noch vor 70 Jahren. Die Apfelblüte beginnt zum Beispiel schon Mitte April statt wie früher Anfang Mai.

Klimawandel in der Stadt und auf dem Land

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 24.02.2021 10:06 Min. Verfügbar bis 23.02.2022 WDR 5


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Stand: 24.02.2021, 15:41