Ramadan-Fasten: Wie gehen Schulen und Jugendliche damit um?

Ramadan-Fasten: Wie gehen Schulen und Jugendliche damit um?

Von Solveig Bader

  • Viele Kinder und Jugendliche fasten zum Ramadan
  • Ärzte warnen vor gesundheitlichen Folgen
  • Koran sieht Ausnahmeregeln für Kinder vor

Seit dem Wochenende nimmt Balquis Zaatouri, Zwölftklässlerin an der Essener Gesamtschule Nord, nichts zu essen und zu trinken mit in die Schule. Am Sonntag (05.05.2019) hat für gläubige Muslime der Fastenmonat Ramadan begonnen.

Auch die 18-Jährige fastet aus religiöser Überzeugung, sagt sie. "Ich stehe nachts um 3 Uhr auf und esse Bananen, Datteln, Milch - Lebensmittel, die mich tagsüber satt halten - und viel Wasser. Die ersten Tage sind die schwierigsten, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran."

Von den rund 900 Schülern der Gesamtschule Nord beteiligen sich etwa 200 am Ramadan-Fasten, schätzt der Schulleiter Wolfgang Erdmann. Er hat einen Elternbrief verteilt, in dem er zu gegenseitigem Respekt auffordert. Denn besonders die jüngeren Schüler fasten demnach oft, weil sie zu den "Großen" dazugehören wollen.

Laut Koran gelten Ausnahmeregeln für Kinder

Häufig kämen geschwächte Schüler zum Sekretariat und klagten über Bauchschmerzen und Übelkeit. Manche Kinder meldeten sich sogar vom Schwimmunterricht ab, weil sie Wasser schlucken könnten und dadurch der Ramadan gefährdet sei, so Erdmann. Das seien aber Einzelfälle.

Für muslimische Kinder gebe es im Koran Ausnahmeregelungen, betont der Verband der islamischen Kulturzentren in Köln (VIKZ). Erst ab dem 14. Lebensjahr - in der Pubertät - hätten sie die religiöse Reife erreicht. Trotzdem könnten Eltern ihre Kinder schon früher an den Ramadan heranführen und sie ein paar Stunden am Tag fasten lassen.

Ärzte warnen vor gesundheitlichen Folgen

Der Deutsche Kinderschutzbund und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnen vor gesundheitlichen Folgen. Zu wenig Nahrung und Flüssigkeit könne zu Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafproblemen führen.

Eltern fastender Kinder sollten die Lehrer informieren, heißt es in einer Handreichung zum Umgang mit dem Fasten von Kindern und Jugendlichen. Umgekehrt sollten Lehrer eingreifen, wenn Kinder unter dem Fasten leiden.

Schulleiter Wolfgang Erdmann kontaktiert dann immer die Eltern und lässt die Kinder abholen. Die meisten Eltern seien einsichtig und rieten ihren Kindern, mit dem Fasten aufzuhören oder es einzuschränken.

Schulen passen Alltag dem Fastenmonat an

Wegen der vielen muslimischen Kinder hat Wolfgang Erdmann seinen Schulalltag während des Fastenmonats umgestellt. Größere Sportfeste finden nicht statt. Außerdem gibt es in der Oberstufe einmal ein gemeinsames Fastenbrechen mit Lehrern und Schülern.

Im kommenden Schuljahr fallen alle Abiturprüfungen in den Ramadan-Monat. Ali Omeirat macht dann auch seinen Schulabschluss. Fasten will er aber trotzdem. "Im Ramadan gibt mir Gott besonders viel Kraft, damit ich gut durch die Prüfungen komme".

Stand: 08.05.2019, 06:00

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