"Windelweicher" Abschluss der Klimakonferenz

Die Klimakonferenz in Madrid

"Windelweicher" Abschluss der Klimakonferenz

  • WDR-Experte von Abschlusserklärung enttäuscht
  • Australien, Brasilien und USA blockieren
  • Zivilgesellschaft und Firmen machen Hoffnung

Die Weltklimakonferenz in Madrid hat am Sonntag (15.12.2019) eine Abschlusserklärung vorgelegt, in der alle rund 200 Staaten an ihre Zusage erinnert werden, im nächsten Jahr ihre Klimaschutzziele für 2030 möglichst zu verschärfen. Detlef Reepen aus der WDR-Wissenschaftsredaktion ist von diesem "windelweichen Appell" enttäuscht.

Was ist von der Abschlusserklärung der Klimakonferenz zu halten?

Detlef Reepen

Detlef Reepen von Quarks

Detlef Reepen: Diese Abschlusserklärung ist eigentlich nur der Versuch, diese Konferenz nicht insoweit scheitern zu lassen, dass man mit offenem Ende auseinandergeht. Es bringt den weltweiten Klimaschutz nicht voran.

Entscheidende Punkte blieben in Madrid unberührt. Welche sind das?

Reepen: Es ging um die Ausführung eines wichtigen Paragrafen des Paris-Abkommens: Wie Staaten gemeinsam Klimaschutzmaßnahmen durchführen können, sprich: Reiche Industriestaaten finanzieren zusätzliche Maßnahmen in Entwicklungsländern, die dem Weltklima zugute kommen. Die Frage ist, wer sich das bei der Umsetzung seiner Klimaziele anrechnen lassen darf. Das sollte mit Leben gefüllt werden, wurde aber offiziell vertagt.

Regeln für "Klimagutschriften" wurden nicht aufgestellt. Wie sieht es mit Kompensationen für Klimaschäden aus?

Reepen: Das ist der zweite Punkt - unvermeidliche Klimaschäden wie Stürme, Hochwasser und Dürren, die nicht zu verhindern und auf den Klimawandel zurückzuführen sind - wie hilft man den armen Ländern, damit klarzukommen. Es gibt seit Warschau 2011 einen Beschluss, dass es einen Vertrag geben soll. Seit damals ist nichts passiert.

Hat man in Madrid Weichen für den Klimagipfel 2020 in Glasgow gestellt?

Reepen: In Glasgow sollen alle Länder stark verbesserte Klimaschutzpläne vorlegen. In Madrid sollten Zusagen dafür eingeholt werden. Das einzige, was passiert ist, ist Ursula von der Leyen, die EU und ihr Green Deal. Alle anderen Länder haben gar nichts gemacht. Australien, Brasilien und den USA haben sogar aktiv blockiert, in dieser Richtung weiterzuarbeiten.

Ziele sind keine formuliert worden. Was bedeutet das für den Klimaschutz?

Reepen: Wenn es keine positiven Signale gibt außer von der EU, passiert in den nächsten zwölf Monaten in den Ländern nicht viel. Die Aussichten sind wirklich nicht gut. Wenn die reichen Länder nicht bereit sind vorauszugehen, werden die wachsenden Emittenten auch nicht viel tun.

Woraus kann man nach Madrid noch Hoffnung schöpfen?

Reepen: Die Hoffnung ruht auf der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft. Es haben sich sehr viele Firmen verpflichtet, ihre Emmissionen bis 2030 minus 40, minus 50 Prozent zu reduzieren. Daran führt aus Rohstoff- und anderen Gründen kein Weg vorbei. Zudem ist die Investmentbranche im großen Stile aus den fossilen Energien rausgegangen. Sie betrachtet etwa Investionen in den Kohlebergbau als gefährliche Anlagen. Auch das macht Hoffnung.

Stand: 15.12.2019, 15:25

Aktuelle TV-Sendungen