Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs 2020 sitzen in ihrem Kursraum im Joseph-König-Gymnasium.

Beim Wechsel von G8 auf G9 droht "Sitzenbleibern" der Schulwechsel

Stand: 11.02.2022, 19:05 Uhr

Die Neuntklässler an den meisten Gymnasien in Nordrhein-Westfalen könnten in der Oberstufe ein Problem bekommen. Im letzten G8-Jahrgang, der das Abitur nach zwölf Schuljahren anpeilt, droht ihnen im Falle des "Sitzenbleibens" ein Schulwechsel.

An eine Schule zu wechseln, in der man niemanden kennt und die man nur mit nervig langen Fahrten im Schulbus erreicht, kann Teenager belasten. Für die heutigen Schüler der 9. Klassen könnte das zum Schuljahr 2023/24 bittere Realität werden - zumindest, wenn sie in der Oberstufe ein Schuljahr wiederholen müssen.

80 Gymnasien bleiben übergangsweise bei "Turbo-Abi"

Das liegt daran, dass der nachrückende Jahrgang bereits im "G9-Modus" ist, sprich er absolviert ein zusätzliches Schuljahr in der Sekundarstufe I (Klasse 10). Für Wiederholer kann es nur an einer Schule mit G8-Angebot weitergehen, und die werden zum 2023 deutlich seltener.

Es gibt dann 80 Bündelungsgymnasien, die NRW in allen Kreisen und kreisfreien Städten des Landes eingerichtet hat, um die 2018 von CDU und FDP beschlossene Rückkehr von G8 zu G9, sprich zum Abitur nach 13 Jahren, stemmen zu können. "Bündelung" bedeutet, dass die Schüler an Gymnasien zusammengeführt werden, wo man sie bis zum Abitur begleitet.

Gesamtschule und Berufskolleg als Alternativen

Je nachdem, wie weit das nächste G8-Angebot entfernt ist, kann der Wechsel neben einem kompletten Austausch des sozialen Schulumfelds auch deutlich längere Fahrtzeiten bedeuten. Das Schulministerium wies am Freitag auf Rückfrage darauf hin, dass kein Schüler an seinen Kreis gebunden sei. Wenn ein Bündelungsgymnasium in der nächstgelegenen Stadt oder dem Nachbarkreis besser zu erreichen sei, könne er auch dorthin wechseln.

Wer bereits an einem Bündelungsgymnasium ist, dem bliebe der Schulwechsel im Falle des Wiederholens erspart. An allen anderen Gymnasien wird die Sache etwas komplizierter. Entweder müssen Schüler, die sich ihr Abitur mit einem unplanmäßigen Extra-Jahr holen wollen, auf das Bündelungsangebot zurückgreifen oder beispielsweise an einer Gesamtschule oder einem Berufskolleg ihr Abitur machen.

In Bielefeld gibt es auch künftig das "Turbo-Abitur"

Zudem hat das Schulministerium in dieser Woche mitgeteilt, dass "private Ersatzschulträger das Angebot des öffentlichen Bereichs durch zusätzliche Jahrgangsstufen in deren Gymnasien ergänzen können". Die Träger kirchlicher Gymnasien und der Privatschulverband haben angekündigt, "diese zeitlich begrenzte Aufgabe" zu übernehmen.

Es wollen übrigens nicht alle Schulen in NRW den längeren Weg zum Abitur gehen. So wird etwa das Max-Planck-Gymnasium in Bielefeld weiterhin als reguläres G8-Gymnasium geführt. Landesweit seien es aber nicht mal eine Handvoll, die sich auf eigenen Wunsch und mit der Zustimmung des Schulträgers für das schnellere Abitur entschieden hätten, so ein Ministeriumssprecher.

Angebot auch für Zugänge anderer Schulformen

Das Bündelungsangebot richtet sich nicht nur an "Wiederholer", sondern auch an Schüler anderer Schulformen, für die es anderenfalls keine Einführungsphase und somit in den darauffolgenden Schuljahren keine Qualifikationsphasen geben würde.

Wie bei den Wiederholern des letzten G8-Jahrgangs bedeutet ein Wechsel auch für die Zugänge aus anderen Schulformen ein neues Umfeld und gegebenenfalls lange Fahrzeiten. Sie haben lediglich den Vorteil, dass der Schulwechsel für sie die Fortsetzung eines erfolgreichen Schulwegs ist, während der eine oder andere "Sitzenbleiber" ihn nach einem schulischen Rückschlag als weiteren Dämpfer empfinden könnte.

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