Impfungen gegen Corona: Viele erscheinen nicht zum Termin

Ein Mann erhält in einer Arztpraxis eine Corona-Impfung mit dem Impstoff von AstraZeneca.

Impfungen gegen Corona: Viele erscheinen nicht zum Termin

Von Oliver Steuck

Seit die Hausärzte gegen Corona mitimpfen, hat das Tempo deutlich angezogen. Gleichzeitig erscheinen immer mehr Menschen nicht zu ihrem Termin im Impfzentrum - viele, ohne abzusagen.

Vielleicht wollen sie auf Nummer sicher gehen und haben zwei Impftermine gebucht - beim Impfzentrum und beim Hausarzt. Oder der Weg zum eigenen Arzt ist angenehmer als der in ein kreisweites Impfzentrum. Fakt ist: Immer häufiger bleiben angemeldete Impfpatienten ihrem Termin fern, ohne abzusagen - vor allem in den 53 Impfzentren im Land.

Fünf bis zehn Prozent der Termine bleiben "unbesetzt", teilt die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) mit. Es sei noch kein großes Problem, aber es störe Abläufe und Logistik.

Appell: Termine absagen und nicht blockieren

Ein Kalender mit dem Eintrag "Corona-Impfung", daneben liegt ein Impfausweis

Behörden appellieren: Keine doppelten Terminbuchungen

Dass man auf verschiedenen Wegen versuche, einen Termin zu buchen, sei absolut nachvollziehbar, sagt auch Mirko Braunheim, der Leiter des Impfzentrums im Kreis Mettmann. Aber: "Unser Appell ist, wenn der Termin an einer anderen Stelle als im Impfzentrum wahrgenommen wird, den Termin dann bei uns abzusagen, damit die Impfdosis für jemand anderen zur Verfügung steht."

So sagen Sie ihren Impftermin im Impfzentrum ab

Ein bereits vereinbarter Impftermin in einem Impfzentrum kann online wieder abgesagt werden. Dafür meldet man sich erneut über die Website des bundesweiten Terminservice oder die Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein mit seinen zugewiesenen Benutzerdaten an.

Wer bereits einen Termin hat, sieht diesen dann in der Übersicht. Dort gibt es die Möglichkeit, den Termin über die Schaltfläche „Termin absagen“ abzusagen. Wer bereits seine Erstimpfung erhalten hat, kann auf diesem Weg auch nur den Zweittermin einzeln absagen.

Solche Termine kurzfristig "nachzubesetzen", sei viel Mehrarbeit, heißt es im Kreis Gütersloh. Im Kreis Coesfeld gibt es den "kurzen Draht zum Kreisbrandmeister", der dann Feuerwehrleute zusammentrommelt, die die freien Impftermine übernehmen. Zeitgleich führt das Impfzentrum eine Warteliste etwa von Pflegebedürftigen, die zu Hause leben.

Notfallpläne für überschüssige Impfdosen

Symbolbild: Corona-Impfung

Jedes Impfzentrum hat Notfallpläne

Manchmal sind es über 100 Termine, die nachbesetzt werden müssten, heißt es auch in Münster. Aber noch habe man alle Vorräte verimpfen können. Jedes Impfzentrum hat seine Notfallpläne und führt Restimpfstoffbörsen im Internet - zum Beispiel der Kreis Borken oder auch die Stadt Münster.

Davon profitieren derzeit meist besonders gefährdete Berufsgruppen wie Rettungskräfte, Polizisten, Lehrer und Erzieher. Manchmal leiten Impfzentren überschüssige Dosen aber auch an die Hausarztpraxen weiter.

Impfzentren öffnen für Vorerkrankte

Unterdessen öffnen die Kassenärztlichen Vereinigungen die Impfzentren nun auch für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen - von Demenz über Krebserkrankungen bis hin zu Diabetes. Bislang wurden diese vornehmlich in den Hausarztpraxen geimpft.

Ab dem 30. April 2021 können sie – zusätzlich zu den Über-70-Jährigen - auch über die Buchungsplattformen der Impfzentren einen Termin vereinbaren. Beim Impftermin müssen sie dann eine entsprechende ärztliche Bescheinigung vorlegen.

Archivfoto: Corona Impfzentrum im WCCB Gebaeude in Bonn beim Testlauf Dezember 2020

Vorerkrankte können sich nun auch im Impfzentrum impfen lassen

Diese zusätzliche Möglichkeit könnte allerdings auch dazu führen, dass sich weitere Menschen vorsichtshalber doppelt mit Impfterminen eindecken, um zu schauen, wo es schneller und einfacher geht. Bitte keine Doppelbuchungen, so daher der dringende Appell der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO).

Impfangebot für alle in NRW bis Ende Juni?

Die KVNO zog heute auch Bilanz nach dreieinhalb Wochen Impfen beim Hausarzt. 90 Prozent aller Hausarzt- und fast 20 Prozent aller Facharztpraxen in Nordrhein-Westfalen bieten inzwischen Corona-Schutzimpfungen an. Gut jede dritte Impfung wird mittlerweile in den Arztpraxen verabreicht. Der Anteil am gesamten Impfaufkommen steigt stetig.

Und wenn – wie angekündigt - die Liefermengen für die Arztpraxen im Mai deutlich angehoben werden, dann gibt es gute Nachrichten. Jedenfalls laut einer Modellrechnung der KVNO: Bei durchschnittlich 100 Impfungen pro Praxis und Woche hätten schon Ende Juni alle impfbereiten Erwachsenen in NRW ein Impfangebot bekommen.

Aktuell sind landesweit 6,15 Millionen Menschen mindestens einmal geimpft (Stand: 29.4.2021), gut 1,3 Millionen haben bereits den vollen Impfschutz.

Stand: 30.04.2021, 07:35

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