Tag gegen Gewalt an Frauen: Raus aus der Tabuzone

Frauenhass – Woher kommt die Gewalt gegen Frauen?

Planet Wissen 02.12.2020 58:04 Min. Verfügbar bis 03.09.2025 ARD-alpha


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Tag gegen Gewalt an Frauen: Raus aus der Tabuzone

Von Rihan Rodosthenous / Christian Wolf

Noch immer ist Gewalt an Frauen ein Alltagsproblem. Doch oft wird darüber geschwiegen. Mit Aktionen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen soll sich das ändern.

Jeden dritten Tag wird statistisch gesehen eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner in Deutschland getötet. Und jede dritte Frau wird in ihrem Leben mindestens einmal Opfer von Gewalt.

Doch oft wird darüber aus Scham oder Angst nicht gesprochen. Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen soll auf dieses Thema aufmerksam machen - raus aus der Tabuzone und an die Öffentlichkeit.

Lichtaktionen in NRW-Städten geplant

In NRW werden dazu am Abend zentrale Orte und Gebäude in Orange angestrahlt. Die Farbe steht symbolisch für Gewaltfreiheit. So soll anlässlich des "Orange Days" in Duisburg der Stadtwerketurm leuchten. In Köln erstrahlt das Reiterdenkmal auf dem Heumarkt und in Essen das Industriedenkmal Zeche Zollverein.

Mit der Aktion erhofft sich Bettina Mötting, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Köln, mehr Aufmerksamkeit - besonders im Pandemiejahr. "Die fehlende Möglichkeit, bei Bekannten unterzukommen, befeuert die Problematik der häuslichen Gewalt", so Mötting. Berichte von Beratungsstellen und Frauenhäusern zeigten eine "besorgniserregende Realität".

Hilfe für die Frauen am Hilfetelefon

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 25.11.2020 08:46 Min. Verfügbar bis 24.11.2021 WDR 5


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Gewalttaten werden oft nicht angezeigt

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) in NRW weist darauf hin: Auch wenn Paare im Teil-Lockdown viel Zeit miteinander verbringen müssten, bleibe häusliche Gewalt eine Straftat. Gewalt gegen Frauen werden aber oft nicht angezeigt.

Dass es sich um ein Alltagsproblem handelt, zeigen die Statistiken: Allein im Jahr 2019 starben 117 Frauen durch Partnerschaftsgewalt. Die Opferzahlen sind im vergangenen Jahr auf knapp 142.000 gestiegen.

Männer sollen sich angesprochen fühlen

Die Professorin für soziale Arbeit, Sabine Stövesand, hat das Projekt "Stadtteile ohne Partnergewalt" ins Leben gerufen. Gruppen aus der Nachbarschaft treffen sich, um offen über häusliche Gewalt zu sprechen.

"In Nachbarschaften, wo die Leute nicht davon ausgehen, dass Gewalt einfach Privatsache ist, gibt es signifikant weniger tote Frauen in Beziehungen." Und: Auch Männer hätten ein Interesse an gleichberechtigten und liebevollen Beziehungen und hälfen beim Projekt.

Gewalt gegen Frauen - hier gibt es Hilfsangebote

Für Betroffene, die Hilfe benötigen, gibt es zahlreiche Angebote:

  • Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" - Tel: 08000 116 016
  • Frauen gegen Gewalt e.V. Köln - Tel: 0221 56 20 35
  • Beratungsstelle Frauen-Notruf Münster e.V. - Tel: 0251 34443
  • Wildwasser Bochum e.V. - Tel: 0234 79 45 652

Einen Überblick über Frauennotrufe, allgemeine Frauenberatungsstellen und die Frauenberatungsstellen mit integrierter Stelle zu sexualisierter Gewalt finden Sie hier:

Stand: 25.11.2020, 15:51

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