Twitter sperrt Accounts der NRW-Polizei

Eine Warnmeldung über den gesperrten Twitter-Account

Twitter sperrt Accounts der NRW-Polizei

  • Polizei via Twitter nur eingeschränkt erreichbar
  • Mindestens elf Kreispolizeibehörden betroffen
  • Digitalexperte weist auf Macht Sozialer Medien hin

Die Twitter-Accounts von mindestens elf der 47 Kreispolizeibehörden in NRW sind seit Samstag gesperrt und für Nutzer nur noch eingeschränkt erreichbar. "Wir sind am Abend darauf hingewiesen worden, wissen aber nicht, woran es liegt", so Gerrit Weber, Pressesprecher des NRW-Innenministeriums, am Sonntag (15.12.2019).

Warnung vor "verdächtigen Aktivitäten"

Twitter-Nutzer erhalten beim Aufrufen betroffener Seiten eine Warnmeldung, dass von dem Account "verdächtige Aktivitäten" ausgegangen seien. Erst über den Klick eines Buttons konnte man sich die Tweets der jeweiligen Behörde trotzdem anzeigen lassen.

Weber sagte am Sonntag auf WDR-Anfrage, dass man alle 47 Behörden am Vormittag informiert habe. Letztlich müsse jede Dienststelle als Account-Inhaber den Kontakt zu Twitter suchen, um den Ursachen auf den Grund zu gehen. Gravierende Auswirkungen auf die Polizeiarbeit habe dies nicht, da "Twitter nur ein Kanal ist, über den die Polizei die Bürger informiert".

Experte für digitale Polizeiarbeit ist alarmiert

"Staatliche Kommunikation - nicht nur polizeiliche Kommunikation - verlagert sich immer mehr in den Bereich der Sozialen Medien und ist faktisch nicht mehr wegdenkbar", sagt Thomas Gabriel-Rüdiger von der Hochschule der Polizei in Brandenburg.

Daher betrachtet der Experte für digitale Polizeiarbeit den Twitter-Zwischenfall als Alarmsignal: "Was würde passieren, wenn gerade in diesen Stunden in dem Zuständigkeitsgebiet dieser Accounts ein Amoklauf oder Terroranschlag stattgefunden hätte und die Polizei nicht hätte über Social Media warnen und kommunizieren können?"

Schneller Draht zu Medien noch wichtiger

In diesem Fall war nur Twitter betroffen, aber Rüdiger betont, dass man dies durchaus als Anlass nehmen solle, um über die Macht der Betreiber Sozialer Medien zu diskutieren. Ungeachtet der Tatsache, ob es sich um ein technisches Problem oder einen gezielten Eingriff handele, wirft Rüdiger die Frage auf, ob man nicht darüber nachdenken müsse "große Soziale Medien als eine Art kritische Infrastruktur zu definieren und gesetzlich entsprechende Accounts vor Eingriffen zu schützen".

In NRW werde man den Zwischenfall in der kommenden Woche aufarbeiten, sagt Weber, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass die Polizei mit Blick auf Gefahrenlagen breit aufgestellt sei. Trotz der wachsenden Bedeutung der Kanäle im Internet, habe die Pressarbeit und der schnelle Draht zu den Medien immer noch die "größte Breitenwirkung". Im Notfall fahre die Polizei auch noch mit Lautsprecherwagen durch die Straßen, um zu warnen.

Wie Facebook und Co. Inhalte aussortieren

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 24.01.2019 24:13 Min. Verfügbar bis 23.01.2020 WDR 5 Von Matthias Becker

Download

Stand: 15.12.2019, 16:30

Aktuelle TV-Sendungen