27 Personen in NRW als "divers" gemeldet

Vanja hält ein Plakat für eine dritte Option.

27 Personen in NRW als "divers" gemeldet

  • Ummeldung seit Jahresbeginn möglich
  • 27 Personen machten davon Gebrauch
  • Häufiger Umtragung zwischen "weiblich" und "männlich"

Intersexuelle machen in Nordrhein-Westfalen bislang erst zaghaft von der neuen Möglichkeit Gebrauch, ihre Geschlechtsangabe bei den Standesämtern in "divers" ändern zu lassen. Seit Jahresbeginn wollten nur 27 Personen ihre Geschlechtsangabe umtragen lassen. Das geht aus einer aktuellen Auflistung des NRW-Innenministeriums hervor, die am Dienstag (23.07.2019) bekannt wurde.

Männlich, weiblich oder divers

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 13.12.2018 05:30 Min. Verfügbar bis 13.12.2023 WDR 5

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Ärztliches Attest oder eidesstattliche Versicherung

Bis Mitte Juni gaben landesweit 16 Personen bei den Ämtern Erklärungen ab, um ihre Geschlechtsangabe von "weiblich" auf "divers" umtragen zu lassen sowie elf weitere von "männlich" auf "divers".

Der Bundestag hatte die Einführung der dritten Geschlechtsoption Ende 2018 beschlossen. Zur Änderung des Eintrags muss ein ärztliches Attest vorgelegt werden, aus dem hervorgeht, dass die Person wegen einer Variante der Geschlechtsentwicklung weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden kann. In Ausnahmefällen kann auf ein Attest verzichtet werden und eine eidesstattliche Versicherung reichen.

Von "weiblich" auf "männlich" am häufigsten

Insgesamt hätten 80 der 397 Standesämter in NRW mit Änderungen von Geschlechtsangaben zu tun gehabt, antwortete Innenminister Herbert Reul (CDU) auf eine Anfrage von drei fraktionslosen Landtagsabgeordneten.

163 entsprechende Erklärungen seien eingegangen und 106 beurkundet worden - davon in 18 Fällen bei Minderjährigen. 70 wollten ihren Geschlechtseintrag im Register demnach von "weiblich" auf "männlich" ändern lassen, 66 weitere von "männlich" auf "weiblich".

Bei intersexuellen Menschen sind die Geschlechtsmerkmale, also etwa Chromosomen, Hormone und Genitalien, nicht eindeutig ausgeprägt. Die Schätzungen zu ihrer Zahl gehen stark auseinander. Das Bundesverfassungsgericht hatte sich 2017 in seinem Beschluss zum Thema auf eine Quelle gestützt, der zufolge es circa 160.000 Intersexuelle in Deutschland geben könnte.

Männlich, weiblich – oder was? Leben mit dem dritten Geschlecht Menschen hautnah 04.07.2019 43:31 Min. UT Verfügbar bis 04.07.2020 WDR Von Franziska Ehrenfeld, Insa Rauscher, Hannah Reineke

Stand: 23.07.2019, 08:43

Kommentare zum Thema

10 Kommentare

  • 10 Angela Hoppe 24.07.2019, 11:50 Uhr

    Ich überlegte mir seit Einführung folgendes. Also. Es wird wie folgt geschrieben: Politiker*In. Wie wird das Sternchen ausgesprochen? Wohl nicht Politikersternchenin. Übernimmt man von den südafrikanischen San einen Klick- oder Schnalzlaut für das *? Und was macht man, wenn z.B. Religiöse auch gesondert genannt werden wollen? Wie viele Zeichen passen zwischen Politiker und In? Glauben Sie nicht, das ich das ironisch meine. Ich habe mir das wirklich schon Gedanken drüber gemacht. Obwohl wir mit Sicherheit Wichtigeres zu tun haben.

  • 9 Ich_bins 24.07.2019, 07:41 Uhr

    Es gibt Frauen und Männer. Alles andere ist eine Momentaufnahme über das in 5 Jahren niemand mehr spricht. Eigentlich gibt es weitaus wichtigere Themen mit denen sich Politik und die Menschheit auseinander setzen müssen.

    Antworten (1)
    • Swiftwind 24.07.2019, 10:49 Uhr

      Es gibt Männer, Frauen und Menschen wie mich die von beiden Geschlechtern Merkmale tragen. Ich wurde unter falschen Vorwänden operiert und bin nun ein Leben lang auf Medikamente angewiesen und habe mit den Spätfolgen zu kämpfen. Weil eine Gesellschaft und der medizinische Apparat ähnlich ignorant und diskriminierend mit der Tatsache umgeht, wie du. Und Aussagen wie deine nehmen Ärzte zur Begründung ihr Operationen an gesunden intersexuellen durchzuführen, denn ohne OP sind wir ja ständig Diskriminierungen wie dieser ausgesetzt...Danke das du dich so tiefgehend damit auseinander gesetzt hast bevor du den Kommentar geschrieben hast. Ich hatte mal mehr Eier und das als eingetragene Frau ;)

  • 8 Heyo 23.07.2019, 15:27 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 7 Wahrheitsucher 23.07.2019, 12:43 Uhr

    Oh je, was habe ich denn beleidigt? Meine Meinung wurde zensiert und gesperrt. Ist das die Meinungsfreiheit des Zensor. Schade das sich andere Teilnehmer des Forums nicht mehr damit auseinandersetzten können. Es bleibt festzuhalten, das ich eine Meinung zu dem Thema habe, die offensichtlich nicht im Mainstream verankert ist.

    Antworten (1)
    • Thomas 24.07.2019, 11:39 Uhr

      Versuch noch mal zu schreiben Es gibt sie noch die freie Meinung

  • 6 Andreas Petschulat 23.07.2019, 12:42 Uhr

    Da hat sich der ganze Verwaltungsaufwand ja gelohnt. Von 18 Millionen Bürger 27 Meldungen. Wahrscheinlich wurden mehrere Hundert Millionen für Toilettenneubauten, Änderungen in Amtssprache und Formularen - wie in Dortmund usw. versenkt. Das ist wieder ein Beispiel für die grenzenlose Hysterie in diesem Land, die hier von Interessengruppen veranstaltet wird und alle folgen dem vorauseilendem Gehorsam weil wir ja alle sooo tolerant sind.

    Antworten (1)
    • Swiftwind 24.07.2019, 10:54 Uhr

      Man hätte es auch einfacher haben können, von anfang an unisex toiletten, geschlecht aus anträgen raus. Keine großen Nummern, weniger Steuergelder als in Großbauprojekte ohne Sinn gesteckt werden. Überlege mal, das uns niemand sagen kann was es für Konsequenzen haben könnte den Personenstand zu wechseln, ich spiele selber mit dem Gedanken aber fürchte mich und muss mich damit abfinden als intersexueller auch wieder als Versuchskaninchen herzuhalten. Der Staat hat mich krank operiert, die Gesellschaft schweigt... Da muss sich mein Vertrauen durch die Erfahrungen der mutigeren Vorgänger mehren.

  • 5 Strahlende Sonne 23.07.2019, 12:13 Uhr

    Es ist sicherlich sehr schön für diese 27 Personen, dass sie nun ihr richtiges Geschlecht im Pass wiederfinden. Das ist eindeutig zu begrüßen!!! Zu verabscheuen, ein anderer Begriff fällt einem dazu nicht mehr ein, ist die politische Ausschlachtung dieses Thema durch rot-grün! Es wurde so getan, als ginge es um das Schicksal der Menschheit, wenn nicht gar des Universums! Wer der Ansicht war, dass das Thema auch mal etwas gelassener betrachtet werden soll, wurde gleich auf übelste angegangen. Für Rot-Grün war einfach nur wichtig, dass sie sich als gottgleiche Heilsbringer gerieren konnten......um damit vergessen zu machen, dass sie die Probleme der 99,9% der übrigen Bevölkerung nicht lösen können bzw. ihnen diese einfach egal sind! Ganz besoffen waren die von ihrer eigenen Gutherzigkeit!

    Antworten (3)
    • Loool 23.07.2019, 15:23 Uhr

      Seltsame Realitätswahrnehmung kann ich nur sagen... Ausgeschlachtet wurde das Thema von rechtskonservativen, die anlässlich des Themas gleich wieder den Untergang des christlichen Abendlandes an die Wand gemalt haben. Und die "Abschaffung der Geschlechter" im Zeichen des "Genderwahns". Wäre von dieser Seite (allen voran natürlich wie so häufig die AfD und ihre Anhänger) kein riesiges Drama draus gemacht worden, wäre das Gesetz verabschiedet worden und kein Hahn hätte danach gekräht. Das plumpe Umdrehen der Ursache-Wirkungskette ändert daran nix.

    • @LOOOL 23.07.2019, 17:28 Uhr

      @LOOOL: Wer für 27 Personen (natürlich sind es in Wirklichkeit mehr!) verlangt, dass in alle (Grund)schulen nun eine 3. Toilette eingeführt wird, während die Toiletten für die anderen beiden Geschlechter vergammeln, die Schulräume seit 25 Jahren nicht gestrichen sind und in den Großstädten jede Menge Schulplätze fehlen........dem geht es nicht um die Sache, sondern der will sich nur im Glanze seine (Schein)Heilgenscheins sonnen.

    • @LOOOL 24.07.2019, 08:11 Uhr

      Ihre Wahrhehmung sei ihnen unbenommen, ich habe das aber ebenso wie @Strahlende Sonne wahrgenommen. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass mich AfD &Co nicht interessieren und die lautesten Terroristen (und auch zahlenmäßig überlegenen) zur Zeit die Linksradikalen sind...

  • 4 Axt 23.07.2019, 10:19 Uhr

    Bei fast 18 Millionen Einwohnern in NRW reden wir hier also über einen Anteil von 0,00015 % aller BürgerInnen. Selbst wenn die Dunkelziffer um den Faktor 100 größer wäre, würden wir uns immer noch im Promille-Bereich bewegen. Umso interessanter, dass die (z.T. äußerst aggressiv geführte) Diskussion so extrem von diesem Randphänomen geprägt ist - bis dahin, dass alle 18 Millionen Menschen in diesem Bundesland ihre Schreibweise gendergerecht umstellen sollten. Irgendwie scheint uns allen in den letzten Jahrzehnten der Sinn für Relationen abhanden gekommen zu sein. Wir sollten meines Erachtens alle aktiv gegen Diskriminierung eintreten, aber da nicht alles auf einmal geht, sollten man mglw. mit quantitativ Notwendigerem beginnen.

  • 3 M36 23.07.2019, 09:56 Uhr

    Ganz ehrlich: Warum schaffen wir den Geschlechtsbegriff in Dokumenten nicht komplett ab? Ich bin jetzt 36 und nie wurden beim Vorlegen meines Personalausweises meine Genitalien geprüft. Seit Jahrzehnten schreien Massen nach Gleichberechtigung von Mann, Frau und allem dazwischen. Dann streicht doch einfach die Geschlechtsbezeichnung die (zum Glück) sowieso nicht bei Passvorlage beweispflichtig - und somit unnötig - ist. P.S.: Das meine ich ernst

    Antworten (2)
    • D 24.07.2019, 02:25 Uhr

      Geb ich dir Recht. Mein Genital geht niemand was an

    • Swiftwind 24.07.2019, 10:55 Uhr

      Beste Option.

  • 2 Wahrheitsucher 23.07.2019, 09:39 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er beleidigend ist. (die Redaktion)

  • 1 Atze 23.07.2019, 09:14 Uhr

    27 Menschen in 2019 in NRW mit dem offiziellen Eintrag " d " das ist schon eine erstaunliche Meldung. Flächendeckend fehlen sicherlich Tausende von passenden Toiletten, hoffentlich geschieht da bald etwas. Das ist ja fast schon unerträglich was sich dieses Land erlaubt.

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