NRW will Änderung der Opfer-Entschädigung

NRW will Änderung der Opfer-Entschädigung

  • Erlass ermöglicht Entschädigung für Amokfahrt-Opfer
  • NRW-Opferschutz-Beauftragte will bundesweite Regelung
  • Amokfahrt von Münster sei ein "Wendepunkt" für ihr Team

Ein Erlass der NRW-Landesregierung ermöglicht Opfern der Amokfahrt von Münster Hilfe nach dem Opfer-Entschädigungs-Gesetz zu erhalten. NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) will auf der nächsten Justizministerkonferenz der Länder anregen, dass diese Regelung bundesweit umgesetzt wird. Das fordert auch die NRW-Opferschutz-Beauftragte, Elisabeth Auchter-Mainz.

Wie wichtig ist es, dass NRW eine Opferschutz-Beauftragte hat?

Elisabeth Auchter-Mainz: Ich glaube, das ist sehr wichtig für NRW. Es ist ja das erste Mal, dass es eine solche Stelle gibt und die Erfahrungen der ersten Monate zeigen, dass wir sehr gut wahrgenommen werden von den Opfern.

Wie helfen Sie konkret?

Auchter-Mainz: Wir können helfen, indem wir zunächst einmal zuhören. Und wir lotsen die Opfer weiter an geeignete Hilfeeinrichtungen. Es gibt in NRW ein großes Hilfe-Netz, aber viele Opfer wissen es nicht.

Welche Hilfen waren nach der Amokfahrt in Münster nötig?

Auchter-Mainz: In der ersten Phase nach der Amokfahrt am 7. April haben wir zusammen mit dem Weißen Ring und dem polizeilichen Opferschutz viele Opfer an Trauma-Ambulanzen überstellt, ihnen Ansprechpartner genannt.

Das ist sehr gut angenommen worden. Manche waren nur einige Stunden da, manche sind immer noch dort, um den Schock zu überwinden.

Wie haben Sie den Kontakt mit den Opfern erlebt?

Politiker, Presse und Polizei an dem Tatort einen Tag nach der Amokfahrt

Gedenken am Tatort in Münster

Auchter-Mainz: Das war unterschiedlich. Ich war auch in Krankenhäusern zu sehr persönlichen Gesprächen. Viele waren froh, einfach mal erzählen zu können. Aber jedes Opfer ist anders. Manche sind sehr mitteilsam, andere wieder nicht. Und jedes Opfer leidet auch anders.

Haben Sie durch die Extrem-Lage in Münster etwas Neues gelernt?

Auchter-Mainz: Wir sind erst seit dem 1. Dezember im Amt. Für unser Team – ich habe drei Mitarbeiterinnen – war der 7. April ein Wendepunkt. Wir haben ganz neue Erfahrungen gemacht auch mit der Vielzahl der Opfer. Und dass ein Auto als Tatwaffe benutzt wurde, war eine besondere Situation.

Zwei Tage später hatte das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales entschieden, dass das Opfer-Entschädigungs-Gesetz (OEG) hier Anwendung findet. Denn für die Opfer ist die Möglichkeit, an Ersatzansprüche zu kommen, eine Heilbehandlung oder auch eine Rente zu erhalten nur über das OEG möglich.

Was wäre Ihre Forderung an die Politik?

Auchter-Mainz: Dass wir ein neues Opfer-Entschädigungs-Gesetz bekommen. Bislang ist es so, dass Opfer von Kraftfahrzeugen ausgeschlossen sind. Das muss gestrichen werden.

Das Interview führte Daniela Becker.

Stand: 27.05.2018, 06:00