Run auf Kleingärten - Corona treibt uns ins Grüne

Blick aus der Vogelsperspekktive auf eine Kleingartenanlage

Run auf Kleingärten - Corona treibt uns ins Grüne

Von Helmut Schaer

  • Raus aus der Wohnung - rein in den Kleingarten
  • Schrebergärten: Die kleine Freiheit in der Coronakrise
  • Covid-19 hat die Nachfrage nach freien Gärten verdoppelt

Als die Kontaktbeschränkungen uns zu Stubenhockern gemacht haben, waren die Kleingärtner in NRW fein raus. Kein Garten, kein Balkon, die kleine Wohnung im Mehrfamilienhaus, die Studentenbude, das möblierte Zimmer - da konnte einem die Decke schnell auf den Kopf fallen.

Die 118.000 Kleingärten in NRW waren dagegen die kleinen Paradiese in der Krise. Ruhrgebiet und Rheinschiene sind die Hochburgen des großen Glücks im kleinen Garten.

Der Gartenzwerg geht und die Spießigkeit gleich mit

Längst ist der Schrebergarten begehrter Zufluchtsort im Grünen. Die alten Vorurteile zählen nicht mehr. Städter, junge Familien, Studenten sind hier genauso glücklich wie Oma und Opa.

"Familie Rauscher" sitzt um das Jahr 1925 am Tisch vor ihrem Wochenendhäuschen im Schrebergarten

Schrebergarten - das hat Tradition. Im frühen 20. Jahrhundert ging es los mit der Gärtnerei.

Was früher peinlich und spießig war, was als Refugium der Rentner galt, ist angesagt und hip. Mit eigenem Schrebergarten kann man heute selbstbewusst im Mittelpunkt des Partygesprächs stehen. Was für ein Imagewandel!

Corona lässt die Wartelisten wachsen

Laut Umweltministerium haben wir in NRW 1.600 Kleingartenanlagen mit 118.000 Kleingärten und das reicht nicht annähernd. Wartelisten gibt es schon lange, aber jetzt geht der Bedarf durch die Decke: "Seit Ende März steht das Telefon nicht mehr still", berichtet Ursula Veldhüsen von den Gartenfreunden Essen-Holsterhausen.

Sie schätzt, dass sich der Bedarf seit dem Beginn der Corona-Krise verdoppelt hat. Wartezeiten ab drei Jahren aufwärts sind normal.

Gepachtet nicht gekauft - Gartenglück für kleine Kasse

Gartenlaube und Hollywood-Schaukel, Planschbecken und Sandkasten, Biertischgarnitur und Grill, Hochbeet und Mini-Gewächshaus. Für all das reichen 250 Quadratmeter völlig aus und sind mit etwa 190 Euro Jahrespacht in Essen-Holsterhausen absolut bezahlbar.

Allerdings fällt meist noch eine Ablösesumme an, schließlich wurde jahrelange Vorarbeit geleistet. Für manchen Kleingartenbesitzer könnte in Coronazeiten hier auch der Jahresurlaub stattfinden.

Stand: 01.06.2020, 17:00

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