Mikroplastik: NRW-Kläranlagen werden aufgerüstet

Die Kläranlage Warstein

Mikroplastik: NRW-Kläranlagen werden aufgerüstet

Von Nina Giaramita

  • Pilotprojekte mit "vierter Reinigungsstufe" laufen bereits
  • Land will keine flächendeckende Einführung der Technik
  • Bundesumweltamt empfiehlt Ausbau der Anlagen

Zahlreiche Schadstoffe aus Mikroplastik landen ungefiltert im Abwasser, weil Kläranlagen dafür nicht ausgestattet sind. In NRW werden jetzt weitere Reinigungsstufen getestet. Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Wie wird Abwasser bisher gereinigt?

In den Kläranlagen gibt es bisher vor allem drei Reinigungsstufen. In der ersten wird auf mechanischem Weg - beispielsweise durch Gitter und Siebe - der erste grobe Schmutz entfernt. In der zweiten Reinigungsstufe, der biologischen, werden organische Stoffe unter anderem durch Bakterien abgebaut. Zuletzt werden Stoffe wie Phosphat und Schwermetalle entfernt - mittels chemischer Zusätze.

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Warum sollen Kläranlagen technisch nachgerüstet werden?

Die herkömmlichen Kläranlagen kommen an ihre Grenzen. Denn immer mehr chemische Stoffe müssen aus dem Abwasser beseitigt werden - Rückstände von Arzneimitteln, Unkrautvernichter oder Reinigungsmittel. Um diese besonders hartnäckigen Stoffe zu entfernen, reicht die bisher eingesetzte Technik nicht aus.

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Welche neuen Verfahren kommen zum Einsatz?

Bei einer vierten Reinigungsstufe können verschiedene Techniken angewandt werden. Ein häufiges Verfahren ist die Beimischung von sogenannter Aktivkohle in das Abwasser. Aktivkohle besitzt eine sehr große Oberfläche, die die Schadstoffe bindet.

Bei einem weiteren Verfahren werden die Spurenstoffe im Wasser durch Zugabe von Ozon in ihrer Zusammensetzung verändert. So sind die Stoffe weniger schädlich.

Sollen die Verfahren flächendeckend in NRW zum Einsatz kommen?

Elf Anlagen dieser Art sind in NRW schon in Betrieb, 19 weitere sind in Planung oder im Bau - von insgesamt 610 kommunalen Kläranlagen. Bei vielen dieser Anlagen handelt es sich um Pilotprojekte, die vom Land gefördert werden.

Eine flächendeckende Einführung einer "vierten Reinigungsstufe" ist für die Landesregierung "keine Option". Dies würde "drastische Gebührenerhöhungen" nach sich ziehen.

Welche Pläne hat der Bund?

Die Große Koalition hat im Koalitionsvertrag festgelegt, dass "die Abwasserabgabenregelung mit dem Ziel der Reduzierung von Gewässerverunreinigungen" entwickelt werden soll.

Die Abwasserbranche liest aus den Zeilen heraus, dass es zu einem flächendeckenden Ausbau kommen soll, so wie es das Bundesumweltamt empfiehlt. "Diese Option ist für den Bund auf keinen Fall vom Tisch", sagt Arnt Baer vom Wasserversorger Gelsenwasser.

Stand: 07.02.2019, 06:30

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