ZdK fordert neue Sexualmoral der katholischen Kirche

Katholische Kirche, sexsueller Missbrauch

ZdK fordert neue Sexualmoral der katholischen Kirche

  • ZdK fordert Konsequenzen aus Missbrauchsskandal
  • Aufarbeitung durch eine unabhängige Kommission
  • Zentralkomitee ist für Abschaffung des Pflichtzölibats

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist am Freitag (23.11.2018) im Zuge des Missbrauchsskandals mit klaren Forderungen an die Kirche herangetreten. Ende September hatte die katholische Kirche eine Studie zum sexuellen Missbrauch durch Priester und Ordensangehörige veröffentlicht, laut der allein in NRW rund 1.000 Fälle dokumentiert sind.

Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Der halbjährlich tagenden Vollversammlung gehören rund 220 Mitglieder an, darunter je drei Vertreter der 27 Bistümer, drei Delegierte für die Militärseelsorge und drei Vertreter der muttersprachlichen Gemeinden. 97 Mitglieder repräsentieren Organisationen, Verbände und geistliche Gemeinschaften. Zudem können alle vier Jahre von der Vollversammlung bis zu 45 Personen des öffentlichen Lebens ins ZdK gewählt werden. ZdK-Präsident ist seit 2015 der CDU-Politiker Thomas Sternberg.

Ermittlungen in NRW-Bistümern

Derzeit wird im Bistum Münster und im Erzbistum Köln durch Staatsanwälte ermittelt. In Paderborn und Essen teilten Ermittler mit, dass sich die Kirchenvertreter kooperativ verhielten. Im fünften NRW-Bistum, dem in Aachen, besteht seit 2010 eine Vereinbarung zwischen Strafverfolgungsbehörde und Kirche, nach der alle Übergriffe an die Justiz weitergeleitet werden.

Machtstrukturen müssten aufgebrochen werden

Die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals sei eine "Nagelprobe", die zeige, ob die Kirche diese moralische Krise bewältigen könne, hieß es bei der Vollversammlung, zu der sich die katholische Laienorganisation in Bonn traf. Machtstrukturen müssten aufgebrochen werden, und wer Täter gedeckt und Taten vertuscht hätte, müsste persönliche Konsequenzen ziehen. Außerdem forderte das ZdK eine unabhängige Kommission zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle und ein einheitliches Vorgehen der Bistümer.

Sexualmoral neu definieren

Strukturen innerhalb der Kirche, die Missbrauch Vorschub leisteten, müssten verändert werden, verlangte ZdK-Präsident Thomas Sternberg. "Wir wollen eine wirkliche Beteiligung von Männern und Frauen in allen Ebenen der Kirche und auch in den Ämtern." Zudem müsse die Kirche ihre Sexualmoral neu definieren. Die Laienorganisation fordert die Abschaffung des Pflichtzölibats.

In Zukunft müsse sich das Handeln der Kirche an den Opfern orientieren, so Sternberg. Fälle von Missbrauch seien künftig ausnahmslos der Staatsanwaltschaft zu melden.

Erste Reaktion auf ZdK-Forderungen

Eine erste Reaktion auf die ZdK-Forderung gab es auf der zeitgleich in Köln stattfindenden Fachtagung zur Prävention von sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann sagte, dass mehr Offenheit und Diskurs in der Kirche nötig seien. Das gelte auch bei den Themen Zölibat und Sexualmoral.

Ackermann bekräftigte, dass mehr Positionen in Leitungsgremien mit Frauen besetzt werden sollten. Was eine unabhängige Aufklärung der Missbrauchsfälle angeht, äußerte sich der Bischof ebenfalls unmissverständlich. "Wir brauchen die Hilfe von Experten. Alleine schaffen wir das nicht."

"Betroffenenbeirat" gegen Missbrauch in der Kirche WDR aktuell 23.11.2018 02:09 Min. Verfügbar bis 23.11.2019 WDR

Stand: 23.11.2018, 18:43

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