Tag des Notrufs: Retter brauchen zu lange

Tag des Notrufs: Retter brauchen zu lange

  • Rettungskräfte brauchen häufig länger als acht Minuten zum Einsatzort
  • Zu wenig Personal, Nachwuchssorgen und fehlende Notfallsanitäter
  • Zahl der Notfalleinsätze steigt

Es geht um Menschenleben, Minuten zählen, wenn jemand beispielsweise einen akuten Herzinfarkt oder einen Schlaganfall hat. Dass Einsatzkräfte schnell vor Ort sein sollten, ist klar, gesetzlich geregelt ist das aber nicht. In NRW gilt lediglich eine Vorgabe von acht bis 12 Minuten. Diese Frist wurde in den 70er Jahren in einer Studie ermittelt und gilt tatsächlich bis heute. Am Ende kann jede Kommune aber selbst entscheiden, welche Hilfsfrist für sie gilt. Das heißt aber nicht, dass sie auch eingehalten wird.

Unterschiedliche Hilfsfristen

Eine umfangreiche WDR-Recherche zeigte 2018, dass viele Retter viel zu lange brauchen, um am Einsatzort zu sein: Nur zwei Städte in NRW hielten nach eigenen Angaben die Acht-Minuten-Frist in 90 Prozent der Fälle ein. Manche Kreise gaben auch eine Reaktionszeit von 12 Minuten an. Die Gewerkschaft der Feuerwehr bestätigt auf WDR-Anfrage, dass die Quoten häufig noch schlechter sind. Mancherorts brauchten die Einsatzkräfte auch bis zu 20 Minuten. Die Gründe sind vielfältig.

Der Nachwuchs bleibt aus

Mehr als eine Million Einsätze fahren NRW-Feuerwehrleute jährlich im Rettungsdienst. Der Großteil sind Notfalleinsätze. In vielen Städten fehle schlicht das Personal, erklärt Andreas Jedamzik, stellvertretender Landesgruppenvorsitzender der Feuerwehrgewerkschaft. Und das könnte künftig noch gravierender werden.

Umkleide mit Schränken

Feuerwehr: Bewerberzahlen rückläufig

Schon jetzt fehlen in Nordrhein-Westfalen Notfallsanitäter und deren Ausbilder. Die Bewerberzahlen sind in den letzten Jahren stark rückläufig. Ärgerlich auch: Eine unterschiedliche Besoldung. Ein Rettungssanitäter in Hamm verdiene weniger als einer in Dortmund.

Bedarfspläne bleiben unkontrolliert

Jede Kommune habe einen Rettungsdienstbedarfsplan, in dem geregelt sein sollte, wie viele Rettungskräfte oder Einsatzfahrzeuge eine Stadt braucht. Die Gewerkschaft fordert seit Langem, dass diese Pläne regelmäßig überprüft werden. "In vielen Städten hat man diesen Bedarfsplan seit 15 Jahren nicht angefasst", so Jedamzik.

Unnötige Einsätze

Einsatzkräfte der Feuerwehr

Über eine Million Feuerwehr-Einsätze pro Jahr

Eine dünne Personaldecke fällt vor allem dann ins Gewicht, wenn sich Notrufe häufen. So steigt die Zahl der Noteinsätze laut Gewerkschaft jährlich - auch wenn es eigentlich kein Notfall sei. "Da wird man auch schon mal wegen zu hohem Blutdruck gerufen und später stellt sich heraus, dass es jemand nicht zur Apotheke geschafft hat, um seine Medikamente abzuholen."

Bei echten Notfällen ergeben sich manchmal noch ganz andere Probleme. "Krankenhäuser sind häufig überbelegt. Dann müssen Sie mit einem akuten Notfall mehrere Häuser anfahren", berichtet Feuerwehrmann und Notfallsanitäter Jedamzik. Wertvolle Zeit, die beim nächsten Einsatz vielleicht fehlt.

Stand: 11.02.2019, 11:48

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