Grundwasser in NRW: Pegelstände sinken

Das Bild zeigt Sprudelwasser.

Grundwasser in NRW: Pegelstände sinken

  • 46 Prozent der Messwerte im Juni niedrig
  • Fichten vertrocknen
  • Trinkwasser nicht betroffen

Durch den trockenen Sommer und Herbst vergangenes Jahr fehlt in den unterirdischen Speichern das Wasser. Der Regen der vergangenen Monate reichte nicht aus, um sie wieder aufzufüllen. Das hat auch gravierende Folgen für Waldbäume wie Fichten und die Tierwelt.

Grundwasserstand sinkt derzeit landesweit

"Die Messwerte des Grundwasserstandes hängen immer davon ab, wie der jeweilige Boden beschaffen ist", sagt Wilhelm Deitermann, Sprecher des LANUV NRW. Die Messwerte in der Soester Börde mit ihren wasserspeichernden Lehmböden seien daher im Vergleich zur gesamten NRW-Fläche nicht ganz so niedrig.

Gebäude des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Essen

Das LANUV misst regelmäßig den Pegel.

Insgesamt wiesen 46 Prozent der 2324 Grundwasserstandsmessstellen in NRW einen niedrigen bis sehr niedrigen Messwert auf. In Welver-Stocklarn im Kreis Soest haben die Messtechniker den niedrigsten Pegelstand seit 1965 festgestellt.

Auch Messstellen im Sauerland verzeichnen einen sinkenden Grundwasserspiegel. Am stärksten betroffen sind sandige Böden wie im Münsterland oder Ostwestfalen-Lippe. Sie können Wasser nur sehr schlecht speichern.

Baumwurzel erreicht Grundwasser nicht

Christoph Hentschel vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW hat die Folgen tagtäglich vor Augen: "Wenn der Baum es gewohnt ist, in einer bestimmten Schicht sein Wasser zu beziehen und das Grundwasser jetzt tiefer sinkt als die Schicht der Wurzeln, dann hat der Baum das Problem, dass er nicht mehr an das Wasser herankommt."

Das habe für die einzelnen Bäume teilweise gravierende Folgen: "Man sieht es ja jetzt in Lippetal, dass die ganze Fichte abstirbt. Also bis zum Ende des Jahres wird keine Fichte mehr hier stehen, und in anderen Gebieten betrifft es die Buche."

Wasserwerke spüren das andere Klima

Auch Betreiber von Wasserwerken registrieren den sinkenden Grundwasserspiegel. "Wir sehen die Klimaveränderung", sagt Bernd Heinze von den Wasserwerken Westfalen. Sie versorgen Teile des Ruhrgebiets, des Münsterlandes und der Soester Börde mit Trinkwasser.

Die Staumauer der Möhnetalsperre

Auch aus der Möhnetalsperre kommt unser Trinkwasser.

Das Trinkwasser wird aus der Ruhr und den Talsperren wie der Möhnetalsperre gewonnen. Mit deren Wasserreserven wolle man künftig schonender umgehen. Wie das geschehen könne, darüber werde mit dem Ruhrverband gerade intensiv diskutiert.

Auch für die Tierwelt hat der niedrige Grundwasserspiegel Folgen: Vor allem Fischen bereitet er Stress, berichten Naturschützer. Niedrigstände in Bächen und Flüssen lassen ihren Lebensraum erheblich schrumpfen. "Vergangenes Jahr haben sich die Fische teilweise gegenseitig gefressen", heißt es bei der Biologischen Station in Bad Sassendorf.

Wird Trinkwasser knapp? Hart aber fair 15.07.2019 01:29 Min. Verfügbar bis 15.07.2020 Das Erste

Stand: 17.07.2019, 14:13

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