Niederländer kommen wegen Gastronomie-Lockdown nach NRW

Zwei Frauen trinken Cocktails im Aussenbereich einer Bar.

Niederländer kommen wegen Gastronomie-Lockdown nach NRW

Der Corona-Lockdown in den Niederlanden wird gelockert. Das gilt aber nicht für die Gastronomie, weshalb es Niederländer vor allem an Wochenenden in der Grenzregion nach Deutschland zieht.

Geschäfte, Universitäten, Sportclubs und sogenannte Kontaktdienstleister wie Friseursalons dürfen in den Niederlanden erstmals seit knapp einem Monat wieder öffnen, wie die Regierung am Freitag mitteilte. Bars, Cafés und Restaurants bleiben dagegen geschlossen.

Niederländer vor allem in Grenzregion präsent

Die deutsche Gastronomie in der Grenzregion profitiert teilweise von diesem Lockdown, weiß Thorben Schroeder, Vorsitzender der Dehoga Nordrhein im Kreis Kleve und Küchenchef des Landgasthofs Westrich.

Er habe mit einem Kollegen gesprochen, der ein Lokal in umittelbarer Grenznähe betreibt. Der spüre die Auswirkungen am Wochenende: "Da hat er 90 Prozent Kunden aus den Niederlanden und nur zehn aus Deutschland. Sie haben ihm die Bude eingerannt", sagte Schroeder am Samstag auf WDR-Anfrage.

In der Woche ist die Gastronomie "tot"

Das sei für Betriebe im Grenzgebiet erfreulich, aber je weiter man sich von der Grenze entferne, desto geringer sei dieser niederländische Lockdown-Effekt. "Das ist der klassische Wochenendtourismus. In der Woche müssen alle schauen, wo sie ihre Kunden herbekommen", so Schroeder.

Mohammad Nazzal, im Präsidum der Dehoga Nordrhein für die Gastronomie zuständig, bestätigt dies: "An den Wochentagen ist die Gastronomie tot." Er betreibt in der Domstadt das Restaurant "Al Salam" und habe erst kürzlich für einen Tag geschlossen, weil lediglich eine Reservierung vorlag. Mittlerweile agierten Gastronome teilweise tagesaktuell.

Er habe derzeit eine 4-Tage-Woche, würde sie aber wohl auf zwei Tage reduzieren, wenn die Mitarbeiter nicht wären. Die kürzlich eingeführte 2G-plus-Regel, wonach jeder Gast einen negativen Corona-Test vorlegen muss, wenn er nicht geboostert ist oder innerhalb der vergangenen drei Monate seine zweite Impfung hatte, trage zur Verunsicherung bei.

Testpflicht verhindert Laufkundschaft

Schroeder und Nazzal sagen unisono, dass die Gäste sehr zögerlich seien. Zudem verhinderten die Schnelltests Spontanbesuche in der Gastronomie. "Die Laufkundschaft geht gen null", so Nazzal. "Wer ein Abendessen im Restaurant plant, kann sicher auch den dafür nötigen Test einplanen. Wer spontan ein Bier trinken oder Stück Kuchen essen gehen will, macht das eher nicht", sagt Schroeder.

Alles in allem seien niederländische Gastronomiebesucher ein Tropfen auf den heißen Stein. "Es ist ganz nett, ersetzt die Ausfälle aber nicht", so Schroeder. Letztere seien durch den erneuten Wegfall des Weihnachtsgeschäfts besonders groß. Nazzal spricht wegen der Corona-Pandemie von zwei "verlorenen Jahren".

Zudem seien die Besuche der Niederländer eventuell auch aus anderen Gründen wenig hilfreich. Nazzal weist darauf hin, dass sich die Politik vermutlich gut überlegt habe, die Gastronomie im Nachbarland geschlossen zu lassen. Er empfiehlt darüber nachzudenken, wie sinnvoll es ist, solche Beschränkungen einfach zu umgehen.

Gastronomie in der Krise

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 14.01.2022 13:05 Min. Verfügbar bis 14.01.2023 WDR 5


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Stand: 15.01.2022, 15:41

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