Niederlande schaffen die meisten Corona-Regeln ab

Verzicht auf Abstand und Masken in vollbesetzen gastronomischen Betrieben oder Fußballstadien: So stellt sich Niederlandes Ministerpräsident Mark Rutte die Corona-Zukunft vor - inklusive Corona-Pass.

Nach rund 18 Monaten machen die Niederlande in der Corona-Pandemie einen Schritt zurück zu Vor-Pandemie-Zeiten. Der verpflichtende Sicherheitsabstand von 1,5 Metern werde ab dem 25. September abgeschafft, kündigte Ministerpräsident Mark Rutte am Dienstagabend in Den Haag an.

Corona-Pass kommt

Zugleich wird aber ein sogenannter Corona-Pass, ähnlich wie in Frankreich, für Gaststätten, Sportveranstaltungen und Kultur eingeführt. Besucher müssen nachweisen, dass sie geimpft, getestet oder genesen sind.

Rutte: Nicht wie vor Corona

Rutte mahnte aber weiterhin zur Vorsicht. "Das ist nicht der Tag, an dem alles wieder so sein wird wie vor Corona, dafür gibt es noch zu viele Infektionen und es werden noch zu viele Menschen in Krankenhäuser eingeliefert." Die Unsicherheit über die Entwicklung im Herbst bleibe weiter groß, so der rechtsliberale Premier.

Nun sollen also die Abstandsregeln in den Niederlanden wegfallen. Kinos, Theater, Konzertsäle und Fußballstadien sollen wieder voll ausgelastet werden dürfen, genauso wie Bars und Clubs - wenn auch nur bis 24 Uhr. Die Maskenpflicht wird ebenfalls an vielen Orten aufgehoben und gilt dann nur noch im öffentlichen Nahverkehr.

Gastwirte kündigen Widerstand an

Die Einführung des Corona-Passes ist aber besonders für Gaststätten umstritten. Zahlreiche Gastwirte kündigten bereits an, dass die Kontrolle nicht machbar und zu teuer sei. Kommunen sollen Geld bekommen, um extra Kontrollen zu finanzieren. Durch den Corona-Pass hofft die Regierung auch, die Impfquote zu erhöhen. Zur Zeit sind etwa 63 Prozent der Niederländer geimpft.

Entspannte Situation an niederländischen Kliniken

Die Lockerungen sind mit der Einhaltung der 3G-Regel verbunden. Da es in den Niederlanden im Verhältnis deutlich weniger Testzentren als etwa in Deutschland gibt, sehen Kritiker darin eine Erhöhung des Impfdrucks. "Sich mal schnell vor einem Konzert testen zu lassen, geht nicht so einfach wie hier", sagte WDR-Korrespondent Ludger Kazmierczak.

Mehr wie Holland sein: NRW, die Niederlande und Corona WDR RheinBlick 16.09.2021 29:10 Min. Verfügbar bis 16.09.2022 WDR Online

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Möglich würden die Lockerungen aufgrund der hohen Impfquote, die man erreicht habe, wird mit Berufung auf niederländische Regierungskreise gemeldet. Derzeit liegt die Impfquote in den Niederlanden laut dem dortigen Gesundheitsministerium bei 65,1 Prozent. Auch die Lage in den Kliniken entspannt sich. So wurden am Montag im ganzen Land 31 Personen mit einer Covid-Erkrankung aufgenommen, davon kamen zwei in Intensivbehandlung.

Vergleich der Impfquoten: Drei Prozent mehr als bei uns

Zum Vergleich: Die Impfquote in Deutschland lag am Montag bei 62,2 Prozent. Nun klingen knapp drei Prozentpunkte Unterschied erst einmal nach nicht viel. Allerdings muss man auch die unterschiedlichen Bevölkerungszahlen und das Impftempo berücksichtigen. Gestern wurden in Deutschland rund 120.000 Menschen geimpft.

Wenn dieses Tempo beibehalten wird, bräuchte es über 20 Tage, um den Wert von 65,11 Prozent zu erreichen, an dem die Niederlande gerade stehen. Und die so genannte "Herdenimmunität", für die das RKI derzeit eine "Zielimpfquote" von mehr als 85 Prozent ansetzt, wäre erst Ende Februar 2022 erreicht.

Debatte in NRW über Abschaffung der Maskenpflicht

Und wie sieht's in NRW mit weiteren Lockerungen aus? Hier diskutiert die Politik darüber, ob die Maskenpflicht bei Großveranstaltungen wie Kirmes oder Weihnachtsmärkten abgeschafft werden sollte. Die FDP ist dafür. Der große Koalitionspartner CDU ist da skeptischer. Man müsse zunächst die weitere Entwicklung der Impfkampagne und die Belastung in den Krankenhäusern beobachten, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Peter Preuß.

SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty sagte, bei Veranstaltungen unter freiem Himmel sei ein Wegfall der Maskenpflicht durchaus vertretbar. Er warnte aber davor, dass auch für geschlossene Räume zu fordern. Der Grünen-Abgeordnete Mehrdad Mostofizadeh sagte, die bestehende Maskenpflicht bei Großveranstaltungen, wo man eng zusammensteht oder Schlange steht, sei vernünftig.

Deutsche Impfkampagne: Wurde zu wenig aufgeklärt?

Um die schleppende Impfkampagne zu beschleunigen, hat die Bundesregierung gestern die Aktionswoche #HierWirdGeimpft gestartet. Der Virologe Martin Stürmer sieht die Aktion allerdings eher skeptisch. Diejenigen Bevölkerungsgruppen, die man erreichen müsse, erreiche man so nicht, sagte er dem WDR. Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht Versäumnisse. So habe man zu sehr auf Appelle gesetzt und zu wenig medizinisch über die Impfung aufgeklärt.

Anm. der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde von einem niedrigeren Impftempo in Deutschland ausgegangen, da die entsprechenden Daten des RKI noch nicht aktualisiert waren. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

Kommentare zum Thema

  • Affentheater 16.09.2021, 09:25 Uhr

    Das ganze muss zeitnah aufgearbeitet und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Inzwischen liegen sämtliche Fakten auf dem Tisch und die Regierung macht einfach weiter weil sie gefallen an diesen Machtspielchen gefunden hat.

  • Volker Striebe 15.09.2021, 19:04 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • Brezelbub 15.09.2021, 13:17 Uhr

    Niederlandes Ministerpräsident, soso. WDRs Deutsch war auch schon mal besser.