Grundrente: Wer bekommt, wer bezahlt?

Debatte um Grundrente WDR aktuell 04.02.2019 01:33 Min. Verfügbar bis 04.02.2020 WDR

Grundrente: Wer bekommt, wer bezahlt?

Von Nina Magoley

  • Sozialverbände jubeln über die Idee einer Grundrente
  • NRW-Landesregierung kritisiert das geplante "Gießkannenprinzip"
  • Sorge: Junge Menschen sollen die Rechnung bezahlen

Als Reinigungskraft in einem Bochumer Krankenhaus verdient Susanne Holtkotte 1.100 Euro netto. Seitdem sie nicht mehr als Altenpflegerin arbeiten kann, sind nicht nur ihre Einnahmen, sondern auch ihre Rentenbeiträge gesunken - und damit auch die zu erwartende Rente.

Für sie ist das Konzept der Grundrente, das Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) nun vorgestellt hat, eine Hoffnung.

Konzept zur Grundrente Aktuelle Stunde 03.02.2019 02:50 Min. UT Verfügbar bis 03.02.2020 WDR Von Thomas Görger

Demnach soll, wer in seinem Arbeitsleben wenig verdient und mindesten 35 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, künftig pauschal eine Rente von rund 900 Euro bekommen.

Es gehe um den "Respekt vor der Lebensleistung", sagt Heil. Drei bis vier Millionen Menschen sollen davon profitieren, vor allem werden das wohl Frauen sein.

Ehepartner mit guter Rente

NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hält den Vorschlag für "eine gute Diskussionsgrundlage". Im WDR forderte er allerdings am Montag (04.02.2019) eine Bedarfsprüfung. Etwa, wenn der eine Ehepartner lange in Teilzeit gearbeitet habe und der andere gleichzeitig eine gute Rente bekomme.

Ähnlich sieht es NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU): Die Große Koalition habe den Gedanken einer Grundrente "verabredet". Geld dürfe aber nicht "mit der Gießkanne verteilt werden". Den "Grundgedanken der Bedürftigkeit" auszuklammern, hält auch NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) für "fahrlässig".

Laumann: Vorschlag zur Grundrente ist gute Diskussionsgrundlage

WDR 2 04.02.2019 03:31 Min. Verfügbar bis 04.02.2020 WDR 2

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Jungen zahlen für Alte?

Ob mit oder ohne Gießkanne - in jedem Fall würden auch Millionen junge Menschen dafür zahlen, dass Ältere künftig mehr Rente bekommen. Ohne zu wissen, was eines Tages für sie selber übrig bleibt.

Das sei in Ordnung, sagt Eric Schley, Sekretär der DGB-Jugend NRW: "Junge Menschen haben Interesse daran, dass es ihren eigenen Eltern und Großeltern im Rentenalter gut geht." Allerdings fordere auch die DGB-Jugend eine Bedarfsprüfung nach den Kriterien der schon bestehenden Prüfung für eine Grundsicherung.

Anders sehen das die Jungen Liberalen in NRW: Bei einer Reform der Rente müsse man auch die jüngere Generation im Blick behalten. Es gehe nicht, dass die jetzt Jungen "am Ende des Tages die Rechnung bezahlen muss", sagt Sprecher Leon Beck.

Ihre Idee: Die staatliche Rente solle auf dem Niveau der Grundsicherung eingefroren werden. Gleichzeitig soll der Arbeitgeberanteil "zweckgebunden der privaten Vorsorge" dienen. Schon in der Schule sollten junge Menschen lernen, dass Rente "keine Belohnung ist, sondern ein Altersversicherungsanspruch, den man sich erarbeitet".

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Stand: 04.02.2019, 15:11

Kommentare zum Thema

24 Kommentare

  • 24 d.d. 05.02.2019, 20:45 Uhr

    werden auch die erziehungszeiten mit angerechnet also 1kind 10 jahre

  • 23 Grundrente 05.02.2019, 15:37 Uhr

    Sind denn jetzt Alle, die sich für Teilzeit entschieden haben und dementsprechend weniger verdienen, arm? Wie kann ich eine höhere Grundrente bekommen als mein Nettoverdienst ist? Könnte sich dann durchaus lohnen, dann nicht mehr zu arbeiten.

  • 22 Dieter Osbelt, Dortmund 05.02.2019, 15:07 Uhr

    Wer ausschließlich von einer kleinen Rente leben soll, sollte auch eine aufge-stockte Grundrente erhalten. Wer aber durch Ehemann, durch Mieteinnahmen, durch Tantiemen, durch Pensionen oder anderweitiges Vermögen bereits gut versorgt ist, sollte m.E. nicht berücksichtigt werden. Dies sind Hundertausende in Deutschland.

  • 21 Einherjer 05.02.2019, 14:16 Uhr

    Europawahl steht an! Anders kann ich mir dieses unausgegoren Politikergeplapper nicht erklären. Es gibt so viele Alternativen zu unserem Rentenauslaufmodell! Ich denke da in erster Linie an ein Umlage finanziertes Modell, also ALLE zahlen ein, incl. derer die nur noch "Ihr" Kapital arbeiten lassen; gekoppelt mit einem zu definierenden Rentenfestbetrag. Oder siehe das Bedingungslose Grundeinkommen - wäre mal eine ernsthafte Berechnung wert. Stattdessen wird von der politischen Kaste irgendeine Flickschusterei betrieben, so dass unsere Rentenversicherung eher einem Flickenteppich gleicht als einem tragfähigem System. Live Long and prosper

  • 20 Leser 05.02.2019, 13:32 Uhr

    Die Parteien vornehmlich die Oberen sind nur Nickesel.Das Volk muss nur bezahlen .

  • 19 Sumpfhopf 05.02.2019, 13:30 Uhr

    Ja wer arbeit wird bestraft - wie viele Studenten etc. haben mit 25 Jahre noch keinen Cent in Die Rente eingezahlt - genau die schreien im Alter. Ich habe mit 16 in die Rente eingezahlt - darf aber erst mit 65 in Rente gehen - fast 50 Jahre eingezahlt und was bekomme ich? Ein Drückeberger fordert aber das Gleiche was ich geleistet habe - Aber das will keiner Sehen und wer faul ist hat halt im Alter Pech gehabt.

  • 18 Rentner 05.02.2019, 13:27 Uhr

    Die Regierung hat meine Rente verballert und zweckentfremdet verwendet. Über 40 Jahre eingezahlt - alle und wenn dann alle in Rente gehen wurde in Vorkasse die Rente eingezahlt. Wer 2000 € Brutto verdient zahlt ( inkl. AG -Anteil ) rund 400 € in die Kasse ein - Monat für Monat. Das männliche Durchschnittsalter liegt bei 82,5 Jahre bzw. ca. 17 Jahre als Rentner. Also 940€ Rente ( ohne Berücksichtigung der Zinseszinsen ) Doch wer nie gearbeitet hat,fordert Gleiches! In den 90ziger Jahren wurde der Vorschuss durch den Staat mit 12% verzinnst. Bei so einem Zinssatz hätte ich nach 40 Jahren nur von den Zinsen meine Rente ( 1200€ ) aufgebaut ohne staatliche Hilfe. Den Rest hätte man vererben können.......... Spätestens jetzt sieht man wie die Rente durch den Staat vernichtet wurde bzw. nicht im Sinne des Rentner verwaltet!

  • 17 Horst Necker 05.02.2019, 13:07 Uhr

    Das System Arbeit, Lohn und Rente ist am unteren Ende aus dem Ruder gelaufen. SPD und Grüne haben mit der Agenda die Weichen in die falsche Richtung gestellt. Das ist egal für wohlhabende Grünen-Wähler aber es erklärt die Bedeutungslosigkeit der Sozialdemokratie, nicht nur in Deutschland. Ich sehe nicht, wie man das innerhalb der EU ohne Protektionismus wieder reparieren kann. Wieder mehr Lohn und Rente ruiniert die Wettbewerbsfähigkeit im EU-Wettbewerb der niedrigsten Löhne und Renten; anders formuliert aber das ist die Position der CDU. Dazu kommt, wenn weniger Arbeitsstunden gebraucht werden bräuchte man Arbeitszeitverkürzung, wenn das nicht zur Verarmung führen soll bei vollen Lohnausgleich. Auch das im gemeinsamen Markt nicht lösbar; also wird Arbeitszeit durch Zwangsteilzeit ohne Lohnausgleich verkürzt oder Verkürzung der Arbeitszeit bis auf Null bei Arbeitslosen, die nicht immer gezählt werden. Im Denken der Etablierten kommt man nicht aus der Abwärtsspirale am unteren Ende.

  • 16 P und S 05.02.2019, 12:22 Uhr

    Die Anhebung ,finde ich gut ,aber nur für die ,die nachweißlich keine anderen Einkommensquellen besitzen , als mein Vater ins Pflegeheim kam ,musste ich alles ,aber auch alles offenlegen !

  • 15 Lammerich 05.02.2019, 12:08 Uhr

    Was ist mit den krankheitsbwdungten Fruehrentner?

  • 14 Emscherhusar 05.02.2019, 12:05 Uhr

    Wenn die Union den derzeitigen Vorschlag von H. Heil gebracht hätte und die SPD hätte daraufhin gesagt, bitte nicht nach dem Gießkannensystem sondern erst nach der Prüfung der Bedürftigkeit, so hätte dieses meine Zustimmung. Es scheint zumindest so, dass die Union inzwischen sozialer eingestellt ist als die frühere Arbeiterpartei SPD. Der Niedergang der SPD wird sich so auch in Zukunft weiter fortsetzen, vielleicht sogar noch verstärkt.

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