Corona-Schutzverordnung: Wer blickt jetzt noch durch?

Stand: 17.01.2022, 15:51 Uhr

Mit der neuen Corona-Schutzverordnung wurden die Regeln noch einmal verschärft. Aber auch neue Ausnahmen gibt es - was die Sache nicht einfacher macht. Gastronomen verzweifeln langsam.

Von Nina Magoley

Jetzt wird es richtig kompliziert: Nach der neuen Corona-Schutzverordnung gilt überall dort, wo man keine Maske tragen kann, ab sofort die Regel 2G-plus. In der Gastronomie, im Freizeit-Bereich oder beim Sport zum Beispiel. Geimpft oder genesen muss man also sein und dazu einen aktuellen negativen Schnelltest vorlegen. Doch ganz so "einfach" ist es dennoch nicht - es gibt Ausnahmen.

Geboosterte müssen keinen Schnelltest vorlegen - ebensowenig Geimpfte, die zusätzlich genesen sind. Aber es gelten Bedingungen: Geimpfte Genesene können ihren Status mit einem positiven PCR-Testergebnis nachweisen, das aber mindestens 28 Tage und höchstens drei Monate alt sein darf, als Nachweis für den Genesenen-Status. Bei doppelt Geimpften muss der Impftermin mindestens 15, aber weniger als 90 Tage zurückliegen. Die entsprechenden Nachweise muss man mit dem Personalausweis zusammen vorzeigen.

Mitarbeiter einstellen nur für Kontrolle

Ziemlich viele Daten, die also am Eingang zum Beispiel eines Restaurants oder Fitnesstudios gecheckt werden müssen. Viele Gastronomen sehen sich damit in der ohnehin schwierigen aktuellen Lage schlicht überfordert. "Wir müssen Mitarbeiter zusätzlich abstellen, die ausschließlich an der Tür stehen und die Daten der Gäste haargenau nachvollziehen und sämtliche Ausweise überprüfen", beschreibt der Besitzer eines etablierten Cafés im Kölner Szeneviertel Ehrenfeld am Montag. Erst, wenn ein geprüfter Gast zum Platz geführt wurde, könne der nächste rein.

Auch für die Gäste werde es immer fraglicher, ob sich der Aufwand lohnt. Schon jetzt käme es zwischendurch zu Warteschlangen vor der Eingangstür, "manchmal wie beim Check-In am Flughafen". Viele hätten zuvor schon vor der Schnelltest-Station gewartet. "Dass Leute das auf die Dauer mitmachen werden, ist völlig utopisch", meint der Cafébesitzer, "für viele Gastronomen ist das ganz klar das Todesurteil".

Staatliche Hilfen: Wovon zurückzahlen?

Zwar verspricht der Staat weiterhin finanzielle Hilfen für die Gastronomie. Das sei zunächst "ein Strohhalm, an den wir uns klammern können", doch letztlich für die meisten auch eine "Schuldenfalle" - denn das Geld muss eines Tages zurückgezahlt werden. "Wovon?", fragt der Kölner Gastronom - nach zwei Jahren massiver Umsatzeinbußen.

Ohnehin sei es mittlerweile sehr schwierig, überhaupt Personal zu finden. Viele Betreiber müssten gerade eingearbeitete Kräfte jetzt wieder entlassen. Mit immer neuen Hiobsbotschaften auch zu neuen Virusvarianten sinke der Mut bei vielen Gastronomen derzeit rapide: "Je mehr Zeit vergeht, desto weniger sieht man einen Ausweg aus der Lage."

Freundlicher Verweis auf die nächste Teststation

Mitarbeiterin Jennifer Herrmann, Vabali, Düsseldorf

Noch gelassen: Jennifer Herrmann

Auch im Wellnessbad Vabali in Düsseldorf müssen die Mitarbeiter beim Einlass jetzt noch genauer hinsehen. Hier sind die Gäste aber offenbar eher bereit, sich entsprechend vorzubereiten - schließlich planen die meisten einen mehrstündigen Aufenthalt. Am Empfang behelfe man sich mit Listen, beschreibt Mitarbeiterin Jennifer Herrmann: Dort sind für jeden Kalendertag genau die Zeiträume ablesbar, in denen eine Booster-Impfung oder eine Genesung gültig ist.

Wer mit seiner Booster-Impfung nicht mehr im gültigen Zeitrahmen liegt, den verweise man freundlich auf das nächstgelegene Testzentrum. Die meisten Gäste sähen das ein, sagt Herrmann, "denn sie wissen ja, dass nicht wir die Beschlüsse machen". In den sozialen Medien informiere das Bad über die aktuell notwendigen Nachweise.

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