Kölner Forscher entdecken neue Brustkrebs-Gene

Auf einer Mammographie-Aufnahme ist Gewebe mit einem kleinen roten Pfeil gekennzeichnet.

Kölner Forscher entdecken neue Brustkrebs-Gene

  • Forscher an der Uniklinik Köln entdecken weitere Brustkrebs-Gene
  • Bessere Risikoberechnung für Betroffene
  • Forschungsleiterin rät, was zu tun ist

Spätestens, seitdem sich die Schauspielerin Angelina Jolie vorsorglich beide Brüste amputieren ließ, wissen viele, dass es zwei Risiko-Gene gibt, die für die Entstehung von Brustkrebs verantwortlich sind. Forscher an der Uniklinik Köln haben nun 313 weitere solcher Risiko-Gene entdeckt.

Professorin Rita Schmutzler ist Direktorin des Zentrums Brust- und Eierstockkrebs an der Uniklinik Köln und koordiniert die Studie im Rahmen einer weltweiten Kooperation von Wissenschaftlern.

WDR.de: Wie kam es zu dieser Entdeckung?

Professorin Rita Schmutzler, Uniklinik Köln

Forscherin Prof. Rita Schmutzler

Prof. Rita Schmutzler: Zunächst wollten wir wissen, wie viele Frauen mit Brustkrebs von einer erblichen Form betroffen sein könnten. In einer NRW-weiten Studie haben wir 3.000 Erkrankte daraufhin untersucht, ob die Kriterien, die wir für erblichen Brustkrebs kennen, bei ihnen zutreffen.

WDR.de: Welche sind das?

Schmutzler: Mehrere Brustkrebs und/oder Eierstockkrebs-Fälle in einer Familie, ein frühes Erkrankungsalter und das zweimalige Auftreten bei einer Betroffenen. Diese Befunde sind bei 30 Prozent aller Frauen mit Brustkrebs erfüllt. Nur ein Viertel davon wiesen Mutationen in den bekannten Genen BRCA1 und BRCA2 auf. Das machte deutlich, dass es noch weitere Risikogene geben muss, die wir noch nicht kennen.

Mit der Entdeckung der neuen 313 Risikogene und –varianten erklären sich weitere knapp 20 Prozent der Erkrankungen. Jetzt können wir für mehr Betroffene genauere Vorhersagen zum Erkrankungsrisiko machen und darauf basierend ein sinnvolles klinisches Management besprechen.

WDR.de: Wie sieht das aus?

Schmutzler: In der Regel ist das eine engmaschige Vorsorge auch mittels MRT. Wir beobachten diese Frauen über die nächsten Jahre, um zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen und das Präventionskonzept spezifizieren zu können.

MRT

Zur Brustkrebsvorsorge ins MRT

Bei den bisher bekannten Risikogenen BRCA1 und BRCA2 liegt das Risiko, zu erkranken, bei 70 Prozent. Die jetzt neu Entdeckten sind aber überwiegend sogenannte moderate Gene. Das Erkrankungsrisiko liegt hier bei etwa 30 bis 40 Prozent.

WDR.de: Raten Sie jeder Frau, in deren Familie Brustkrebs häufiger auftritt, zu einer Genuntersuchung?

Schmutzler: Die Risiko-Kriterien kennt eigentlich jeder Gynäkologe. Sollte es Hinweise auf eine erbliche Belastung geben, kann man sich an eines der spezialisierten Zentren für erblichen Brust- und Eierstockkrebs wenden. Sie bieten auch eine Beratungs-Hotline an.

Vor einer genetischen Untersuchung soll eine umfassende Beratung erfolgen, auf deren Grundlage jede Patientin selber entscheiden soll, ob sie diese Untersuchung machen möchte.

Das Interview führte Nina Magoley.

Kampagne zu Brustkrebs - Kenn deine Zitronen!

WDR 5 Leonardo Top Themen 16.01.2017 05:15 Min. WDR 5

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Stand: 24.08.2018, 06:00

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