Kölner Raserprozess: Aufregung um einen Schöffen

Kerzen, Blumen und ein weiß bemaltes Fahrrad stehen in Köln am Strassenrand als Gedenkstätte für eine getötete Radfahrerin.

Kölner Raserprozess: Aufregung um einen Schöffen

  • Neuauflage des Kölner Prozesses um tödliches Autorennen
  • Schöffe ist möglicherweise befangen
  • Laienrichter soll Freund in der Raserszene haben

Die Neuauflage des Kölner Prozesses um ein illegales Autorennen mit tödlichem Ausgang startete am Mittwoch (06.12.2017) mit einem Paukenschlag. Ein Schöffe ist womöglich befangen.

Der Schöffe teilte den Richtern in einer Pause mit, dass er und einer der beiden Angeklagten einen gemeinsamen Facebook-Freund in der Raserszene hätten. Der Schöffe habe auch eine Gefährderansprache von der Polizei erhalten, es habe jedoch kein strafrechtliches Verhalten vorgelegen.

Befangenheitsanträge angekündigt

Die Verteidiger und der Nebenklage-Anwalt wollen nun Befangenheitsanträge stellen, über die das Gericht voraussichtlich am kommenden Mittwoch (13.12.2017) entscheidet. Sollte den Anträgen stattgegeben werden, müsste der Prozess mit einem neuen Schöffen von vorne beginnen, sagte eine Gerichtssprecherin.

Neu verhandelt wird am Landgericht jenes illegale Autorennen, bei dem im April 2015 in Köln eine 19-jährige Radfahrerin getötet wurde. Das Kölner Landgericht hatte die beiden Angeklagten 2016 wegen fahrlässiger Tötung zu Bewährungsstrafen verurteilt. Der Bundesgerichtshof (BGH) monierte die Aussetzung zur Bewährung, hob das Urteil teilweise auf und verwies den Fall zurück ans Landgericht.

Angeklagter bittet um Entschuldigung

Nun bat einer der Angeklagten die Familie des Opfers um Entschuldigung. "Ich gebe alles zu, was im Urteil steht, und bereue es zutiefst." Im ersten Prozess hatte er eine moralische Mitschuld eingeräumt, nicht aber eine strafrechtliche. Den Unfallwagen hatte der andere Angeklagte gefahren, der sich damals schon reuig gab.

Stand: 06.12.2017, 18:20