Zahl der Mehrfachjobber in NRW steigt weiter

Zahl der Mehrfachjobber in NRW steigt weiter

Von Jörn Seidel

  • Zahl der Menschen mit Nebenjob steigt weiter an
  • Mehr als die Hälfte der Nebenjobber bekundet finanzielle Not
  • Eines der anderen Motive: Selbstverwirklichung

Sie arbeiten als Pflegekraft oder Erzieher, aber auch als Polizist oder Wissenschaftler. Im Nebenjob gehen sie putzen, sind Fußballtrainer oder halten Vorträge. Die Motive und Lebenslagen von Nebenjobbern sind vielfältig. Die meisten von ihnen tun es aus finanzieller Not.

Mehr Nebenjobber als im Vorjahr

Seit Jahren nimmt die Zahl der Nebenjobber zu. Ende Juni 2019 gab es bundesweit rund 3,54 Millionen sogenannte Multijobber oder Mehrfachbeschäftigte - 3,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Die Zahlen stammen von der Bundearbeitsagentur, infolge einer Anfrage der Linken im Bundestag. Dem WDR teilte die Behörde mit: In NRW stieg die Zahl der Nebenjobber, die mindestens eine sozialversicherungspflichtige Anstellung haben, im selben Zeitraum um rund 11.000 Menschen auf 702.000 an.

Zahl mehr als verdoppelt

Seit 2003 hat sich die Zahl sogar mehr als verdoppelt - damals waren es noch 270.000 solcher Multijobber. Allerdings stieg seitdem auch die Gesamtzahl der Beschäftigten an - und die Hartz-IV-Reformen erleichterten es, Minijobs nachzugeben.

Viele Befragte nennen finanzielle Not

Fest steht jedenfalls: Für gut die Hälfte dieser Nebenjobber (53 Prozent) sind finanzielle Schwierigkeiten und Nöte ausschlaggebend. Das geht aus einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung (HBS) aus dem vergangenen Jahr hervor.

Ein Viertel der Befragten an, keine Vollzeitstelle zu finden. Besonders auffällig ist auch, dass Nebenjobber meistens Frauen und Ausländer sind und im Hauptjob ein besonders niedriges Einkommen haben. Das geht aus einer Studie des Forschungsinstituts IAB der Bundesarbeitsagentur hervor.

Mehr als 60 Stunden pro Woche

Nebenjobs wirken sich teilweise drastisch auf die Arbeitszeit aus. So arbeiten laut HBS-Studie mehr als die Hälfte der Befragten 50 Wochenstunden und mehr. Etwa ein Drittel arbeitet sogar 60 Stunden und mehr.

Kritik vom DGB

Für den Deutschen Gewerkschaftsbund NRW sind diese Zahlen alarmierend. "Viele Multijobber plagen Geldsorgen, weil sie in ihrem regulären Job nicht genug verdienen, um anständig davon leben zu können. Das ist ein Skandal", sagte deren Vorsitzende Anja Weber dem WDR.

Als Grund dafür nennt sie unter anderem, dass Unternehmen aus der Tarifbindung fliehen. Dagegen müsse auch die Politik mehr durchgreifen, so Weber. Eine ihrer Forderungen: Öffentliche Aufträge sollten nur an tarifgebundene Unternehmen vergeben werden.

Stand: 21.01.2020, 20:29

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen