Ausbeutung in vietnamesischen Nagelstudios

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Ausbeutung in vietnamesischen Nagelstudios

Von Karin Bensch

  • Zoll fallen vietnamesische Nagelstudios auf
  • Häufig Kampfpreise und Bezahlung unter Mindestlohn
  • Zum Teil Minderjährige illegal beschäftigt

Ein Nagelstudio in der Kölner Innenstadt: Auf kleinen Tischen stehen UV-Lampen, Feilen und Nagellackfläschchen. Die Mitarbeiterinnen stammen aus Asien. Christine besucht das Nagelstudio "undercover" - im Auftrag des WDR.

Sie will sehen, wie dort wirklich gearbeitet wird. Fingernägel feilen, polieren und lackieren - alles für zehn Euro. Ein Kampfpreis. In anderen Nagelstudios bezahlt man dafür mindestens das Doppelte.

Nach knapp zwanzig Minuten verlässt Testkundin Christine das Nagelstudio. "Die Frau, die mir die Nägel gemacht hat, kommt aus Vietnam. Sie sprach etwas gebrochen Deutsch. Sie hat mir gesagt, dass sie den Mindestlohn von 8,50 Euro oder 8,53 Euro bekommt. Sie wusste nicht mehr so genau, wie hoch er ist", erzählt Christine.

Zoll stellt Verstöße fest

Der gesetzliche Mindestlohn liegt bei 9,19 Euro pro Stunde. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls hat bei der jüngsten Razzia im Großraum Köln, Bonn, Bergisch Gladbach und Leverkusen 27 Nagelstudios kontrolliert. Dabei wurden 26 Vietnamesen angetroffen, die sich illegal in Deutschland aufhalten. Darunter waren auch einige junge Vietnamesinnen, die gerade einmal 16 oder 17 Jahre alt sind.

Gegen sie und ihre Arbeitgeber wird nun ermittelt. Bei den Kontrollen falle auf, dass vor allem vietnamesische Nagelstudios häufig nicht den Mindestlohn zahlten, sagt Jens Ahland vom Hauptzollamt Köln.

Zahl der vietnamesischen Nagelstudios steigt

Laut der Fachzeitschrift für Nagelpflege "Prof Nail" gibt es schätzungsweise 60.000 bis 65.000 Nagelstudios in Deutschland, die einen Umsatz von 4,5 bis fünf Milliarden Euro im Jahr machen. Wie viele dieser Studios unter vietnamesischer Führung sind, lässt sich schwer sagen. Aber gerade die Zahl dieser Nagelstudios nehme in vielen deutschen Städten stark zu, sagt Terri Malon von "Prof Nail".

Der Einstieg ist einfach: Die Mitarbeiterinnen brauchen keine Berufsausbildung, eine Schulung reicht. Deutschkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich. "Es gibt genügend asiatische Studios, die sich Mädels aus Vietnam auf Besuchervisum holen und dann im Nagelstudio für 2,50 Euro arbeiten lassen", sagt Malon.

Nageldesign muss ein Ausbildungsberuf werden, fordert Branchenkennerin Terri Malon. Dadurch könne der Beruf professionalisiert und Arbeitsausbeutung unterbunden werden.

Stand: 11.07.2019, 06:30

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