Streitbare Theologin Uta Ranke-Heinemann ist gestorben

Streitbare Theologin Uta Ranke-Heinemann ist gestorben

Von Marion Menne-Mickler

Teil 3/3 - Lesen Sie im dritten Teil über das Verhältnis Ranke-Heinemanns zu den Päpsten

Bleibender Protest

Ranke-Heinemann zwischen Büchern in ihrem Haus

Die Gescholtene sagte später einmal, eine der größten Enttäuschungen ihres Lebens sei gewesen, dass Joseph Ratzinger – damals Präfekt der Glaubenskongregation, danach Papst Benedikt XVI. – ihr nicht geholfen habe und "selbst hinter den von mir bekämpften Tendenzen der Kirche steht".

Ratzinger war in den 50er Jahren ein Studienkollege von Ranke-Heinemann. Sie halfen sich gegenseitig, ihre Promotionsthesen ins Lateinische zu übersetzen.

Ihre Papst- und Kirchenkritik speziell in Sachen Sexualmoral gipfelte in dem Buch "Eunuchen für das Himmelreich" (1988), das in viele Sprachen übersetzt ein internationaler Bestseller wurde.

Aber den Papst ganz abschaffen? Das hat sie nie gewollt. Der Papst sei doch ihr bester PR-Agent, sagte sie. Genau so wenig dachte sie daran, aus der Kirche auszutreten. "Ich verstehe mich als bleibenden Protest in der katholischen Kirche", sagte sie.

Rebellisch auch als Friedensaktivistin

Uta Ranke-Heinemann war vor allem als Rebellin gegen die Kirche bekannt – und blieb bis zuletzt aufmüpfig. Sie warf der katholischen Kirche vor, an den Missbrauchsfällen in eigenen Reihen wegen strikter Geheimhaltung mit Schuld zu sein, und kritisierte Ratzinger und seinen "Klon" Bergoglio immer wieder.

Mit nicht weniger Energie engagierte sich seit den 70er Jahren in der Friedensbewegung, reiste nach Nordvietnam, Indien, Kambodscha und Moskau. Bei der legendären Bonner Hofgartendemo für Frieden und Abrüstung im Jahr 1981 rief sie ins Mikrofon: "Wir wollen den Völkern den Frieden erklären, um nicht miteinander zu sterben, sondern zu leben."

Einsatz für Frieden und Abrüstung

Ranke-Heinemann mit Jane Fonda

Vier Jahre später kandidierte sie erfolglos als Spitzenkandidatin der "Friedensliste" bei den nordrhein-westfälischen Landtagswahlen.

Wenig Aussicht auf Erfolg hatte auch ihre Kandidatur zur Bundespräsidentenwahl 1999, als sie von der PDS ins Rennen geschickt wurde. Am Ende gewann Johannes Rau, Ehemann von Christina Rau, der Nichte von Uta Ranke-Heinemann. Aber sie hatte mal wieder ein Zeichen gesetzt, diesmal für die Friedensbewegung.

Auf ihr fortschreitendes Alter angesprochen, sagte sie einmal, sie werde immer intelligenter. In dem Sinne, dass sie das Wort "Glauben" nicht mehr ausstehen könne und auch nicht mehr bete – denn das Beten sei ein Selbstgespräch, das bei ihr durchs Denken abgelöst worden sei.

So blieben der rastlos suchenden Theologin bis zum Schluss Zweifel, Liebe und Hoffnung. Aber sie hatte dennoch die für sie tröstliche Gewissheit: "Alle Wege führen zu Gott. Am Ende gelangen wir alle zu ihm, jeder auf seine eigene Weise."

Stand: 25.03.2021, 12:41

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