Streitbare Theologin Uta Ranke-Heinemann ist gestorben

Streitbare Theologin Uta Ranke-Heinemann ist gestorben

Von Marion Menne-Mickler

Teil 2/3 - Lesen Sie im zweiten Teil über die Liebe ihres Lebens

Die Liebe des Lebens gegen den Willen des Vaters

Uta Ranke-Heinemann und Edmund Ranke

Sie erzählte später immer wieder, dass sie sich den "intelligentesten, witzigsten und treuesten" von den 800 Gymnasiasten ausgesucht hatte. Der wollte Mönch werden, aber sie stimmte ihn um.

Edmund Ranke wurde schließlich Religionslehrer, kam aus dem Krieg krank zurück und kümmerte sich im Hause Ranke-Heinemann um die Kinder und den Haushalt.

Uta Ranke-Heinemann brüskierte ihren Vater – er war Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland – vor allem mit ihrem Übertritt zum Katholizismus.

Bis 1953 hatte sie evangelische Theologie in Oxford, Bonn, Basel und Montpellier studiert. Nachdem sie konvertiert war, studierte sie katholische Theologie in München, machte ihren Doktor und wurde schließlich 1969 die weltweit erste Professorin für katholische Theologie.

Als Konvertitin "vom Regen in die Traufe" gekommen

Uta Ranke-Heinemann schaut ihrem am Schreibtisch sitzenden Vater über die Schulter

Oft hat sie ihre Gründe für den Übertritt darlegen müssen. Angesichts des "überprotestantischen" Vaters seien ihr die Katholiken toleranter und als unterdrückte Minderheit vorgekommen, auf deren Seite sie sich schlagen wollte.

Zudem habe sie damals gedacht, der Katholizismus sei näher am Neuen Testament. Letztlich sei sie aber "vom Regen in die Traufe gekommen".

In ihrem Bestseller "Nein und Amen – Mein Abschied vom traditionellen Christentum" von 1992 kritisiert sie die "Verstandesfeindlichkeit der christlichen Kirchen": "Der Mensch wird von der Kirche zum Glauben gerufen, nicht zum Denken. Und so übt sich der Mensch ein Leben lang in der christlichen Gymnastik des Ja-und-Amen-Sagens."

An der Existenz Gottes hat die Theologin nach eigener Aussage nie gezweifelt. Sie wisse, dass Gott existiere, das müsse sie nicht glauben. Und dennoch sei ihr im Laufe der Jahre von dem Dreiklang Glaube, Liebe, Hoffnung der Glaube abhanden gekommen.

Ihr eigenes Credo lautete: "Die Bibel ist nicht Gottes-, sondern Menschenwort" und "Maria ist Jesu Mutter und nicht Gottesmutter".

Fernsehauftritt mit Folgen

"Ich kann auch nicht an die biologische Jungfräulichkeit glauben." Mit diesem Satz in einer WDR-Live-Sendung aus dem Marienwallfahrtsort Kevelaer hatte die Kirchen-Rebellin bereits im Jahr 1987 für Furore gesorgt. Ausdrücklich hatte sie sich eine Live-Sendung ausgesucht, in der ihre Aussage nicht herausgeschnitten werden konnte.

Die Reaktion der Kirchenoberen folgte wie erwartet: Der Essener Bischof Franz Hengsbach entzog seiner Theologie-Professorin, die damals an der Universität Essen Neues Testament und Alte Kirchengeschichte lehrte, die Lehrbefugnis.

Uta Ranke-Heinemann erhielt als Beamtin auf Lebenszeit einen neuen, kirchenunabhängigen Lehrstuhl für Religionsgeschichte.

Stand: 25.03.2021, 12:41

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