Streitbare Theologin Uta Ranke-Heinemann ist gestorben

Streitbare Theologin Uta Ranke-Heinemann ist gestorben

Von Marion Menne-Mickler

Rastlos, zweifelnd, aufmüpfig bis zum Schluss: Uta Ranke-Heinemann, die weltweit erste Professorin für katholische Theologie, starb im Alter von 93 Jahren in ihrer Heimatstadt Essen.

In den vergangenen Jahren war es ruhiger um die streitbare Frau geworden, die sich in der Öffentlichkeit immer wieder in einem grünen Lederkostüm ("meine Erkennungsmelodie") und mit melierter Perücke zeigte.

Immer wieder Nein und Amen

Aber wenn sie sich zu Wort meldete, dann so scharfzüngig wie eh und je: Die Wahl des Argentiniers Bergoglio zum Papst sei "keine frohe Botschaft", schrieb sie. "Politisch repräsentiert Franziskus das Reaktionärste, was die katholische Kirche momentan zu bieten hat." Denn ändern werde sich mit diesem "Klon" des Papstes Benedikt gar nichts.

Uta Ranke-Heinemann war für ihre provokanten Formulierungen bekannt, an denen sie offenkundig selbst ihre Freude hatte. Den Papst nannte sie "sexistisch", den Klerus "frauenfeindliches Homosexuellen-Biotop". Und das Christentum war für sie eine "2000 Jahre alte Märchenreligion".

Auch an die biologische Jungfräulichkeit Mariens wollte sie nicht glauben, was sie die Lehrerlaubnis kostete. In Talk-Shows präsentierte sie sich witzig und mit komödiantischem Talent. Gern zeigte sie ihre Beine ("das Schönste an mir"). Ihre Kritiker nannten das "kabarettreif".

Bilder aus dem Leben von Uta Ranke-Heinemann

Rastlos, zweifelnd, aufmüpfig bis zum Schluss: Uta Ranke-Heinemann, die weltweit erste Professorin für katholische Theologie, starb im Alter von 93 Jahren in ihrer Heimatstadt Essen.

Uta Ranke-Heinemann auf ihrem mit Geranien geschmückten Balkon

Zu ihrem 80. Geburtstag im Jahr 2007 hatte sich die am 2. Oktober 1927 geborene Professorin auf ihrem Balkon ablichten lassen, natürlich nicht ohne Buch. Seit dem Tod ihres Mannes kreisten ihre theologischen Gedanken vor allem um dieses eine Thema: "Ein Wiedersehen mit den geliebten Toten." Zweifel, Liebe, Hoffnung - die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod hatte sie nie aufgegeben.

Zu ihrem 80. Geburtstag im Jahr 2007 hatte sich die am 2. Oktober 1927 geborene Professorin auf ihrem Balkon ablichten lassen, natürlich nicht ohne Buch. Seit dem Tod ihres Mannes kreisten ihre theologischen Gedanken vor allem um dieses eine Thema: "Ein Wiedersehen mit den geliebten Toten." Zweifel, Liebe, Hoffnung - die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod hatte sie nie aufgegeben.

Auch verletzlich und warmherzig

Aber wenn die Theologin Journalisten zum Interview in die kleine, mit Kitsch geschmückte Küche ihres Essener Hauses einlud, gab sie auch ihre verletzliche, warmherzige Seite preis.

Auf die Frage, was sie sich am meisten wünsche, sagte sie einmal, dass sie zu ihrem Mann wolle. Edmund Ranke, "die Liebe meines Lebens", der Vater ihrer zwei Söhne, ist im Jahr 2001 gestorben. Wenn es nach ihrem Tod ein Wiedersehen mit dem geliebten Mann gebe, dann sei ihr Leben sinnvoll gewesen. "Wenn nicht, war alles vergebens."

Uta Ranke-Heinemanns Leben war eines der Extreme: Schon als Kind war sie außergewöhnlich strebsam, las Bibelgeschichten, lernte Sprachen, wurde als einziges Mädchen am Burggymnasium Essen aufgenommen und machte Abitur mit Auszeichnung.

Dem Vater Gustav Heinemann war die Wissbegier der Tochter nicht geheuer. Er versprach der kleinen Uta damals 50 Pfennig für jede Fünf, die sie schrieb, und zehn Pfennig für ein "sehr gut". Verhindern wollte der strenggläubige Protestant aber vor allem die Liebe der Tochter zu dem katholischen Klassenkameraden Edmund Ranke - vergeblich.

Stand: 25.03.2021, 12:41

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