Youtube: Wie Jugendliche Nachrichten konsumieren

Youtube: Wie Jugendliche Nachrichten konsumieren

Bei einer Tagung in Bielefeld drehte sich am Donnerstag (07.06.2018) alles um Soziale Medien und Jugendliche. Medienexperte Kai Uwe Hugger sagt: Youtuber sind die neuen Newsanchor.

WDR: Man bringt Youtuber nicht unbedingt sofort mit News in Verbindung. Wer unter ihnen beschäftigt sich denn mit solchen Themen?

Kai-Uwe Hugger

Professor Kai Uwe Hugger von der Universität Köln

Kai Uwe Hugger: Bekannt ist zum Beispiel LeFloid. Er ist derjenige, der 2015 durch ein Interview mit Frau Merkel einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden ist. Dann gibt es MrWissen2go und eine ganze Reihe von anderen, darunter auch die Kölner Youtuberin ItsColeslaw. Alle befassen sich mit dem aktuellen Weltgeschehen und kommentieren es.

WDR: Und warum lassen sich Jugendliche von Youtubern wie Le Floid gern Nachrichten vermitteln?

Hugger: Junge Leute möchten echte Personen sehen – das Authentische ist das Reizvolle. Es muss eine Person sein, mit der man möglicherweise auch in der Freizeit zu tun haben will. Viele fragen sich aber dennoch auch, inwieweit die Formate inszeniert sind.

WDR: Haben Sie sich die Inhalte selbst angeschaut?

Hugger: Ja, wir haben dabei festgestellt, dass Youtuber sehr meinungsorientiert sind. Das sagen die Jugendlichen auch selbst. Die objektive, seriöse Berichterstattung ordnen sie eher Formaten wie der Tagesschau zu.

WDR: Wirkt denn Objektivität dann überhaupt noch anziehend?

Hugger: Jugendliche sind schon sehr pragmatisch. Sie sagen, dass sie zu den Nachrichten der etablierten Medien gehen, wenn sie sachliche Informationen haben wollen. Wenn sie aber eine echte Meinung hören wollen, dann schauen sie sich ein Youtube-Video von einem Influencer an.

WDR: Wie groß ist dabei die Gefahr, auf digitale Abwege zu geraten?

Hugger: Problematisch ist, dass vielen Jugendlichen nicht auffällt, dass sie bei der Nutzung von Algorithmen gesteuert werden. Die Vorschläge, die Youtube macht, werden nicht hinterfragt. Man nimmt sie als selbstverständlich hin. Das gehört aber zur Medienkompetenz dazu - hinterfragen zu können, warum man bestimmte Vorschläge bekommt und andere wiederum nicht.

WDR: Stehen die Nutzer den Youtube-Promis dennoch auch kritisch gegenüber?

Hugger: Durchaus. Vor der letzten Bundestagswahl hatten vier Influencer beispielsweise die Möglichkeit, Merkel zu befragen. Das war ein Format, das nicht geschnitten war und live auf Youtube gestreamt wurde.

Influencer - die Ästhetik der Glaubwürdigkeit

WDR 5 Scala - aktuelle Kultur | 15.11.2017 | 11:59 Min.

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Bei unseren Jugendlichen ist das nicht so gut weggekommen. Die Youtuber erschienen nicht mehr authentisch. Das war nicht das digitale Format, das sie gewöhnt waren – schnelle Schnitte und eine gewisse Unprofessionalität.

Das Gespräch führte Nina Giaramita.

Stand: 07.06.2018, 06:00

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