Per WhatsApp gegen Einbrecher und andere Ganoven

Per WhatsApp gegen Einbrecher und andere Ganoven

Von Katja Goebel und Frank Menke

  • Nachbarschaften in NRW gründen WhatsApp-Gruppen
  • Ziel ist, vor möglichen Straftaten zu warnen
  • Behörden sehen diesen Trend mit Einschränkung positiv

Die Angst vor Einbruch ist bei den Bürgern in NRW groß, die Aufklärungsquote gering. Immer mehr Nachbarn gründen deshalb WhatsApp-Gruppen, um aufeinander Acht zu geben und sich frühzeitig vor potenziellen Straftätern in ihrem ummittelbaren Lebensumfeld warnen zu können. Nachbarschaftshilfe dieser Art gibt es schon in Elten bei Emmerich, in Brüggen im Kreis Viersen oder in Münster-Hiltrup.

Schilder zur Abschreckung

Der Trend kommt aus den Niederlanden. Dort sind allein bei der Bürgerinitiative "WhatsApp Buurtpreventie" nach eigenen Angaben mehr als 8.500 solcher Gruppen registriert. Nach dem holländischen Vorbild haben auch Mitglieder deutscher Gruppen Schilder in ihren Gärten aufgestellt, um potenzielle Straftäter abzuschrecken. Darauf steht beispielsweise "WhatsApp Warnen & Helfen" oder "Achtung WhatsApp Nachbarschaftsschutz".

Stadtverwaltung Emmerich "zwiegespalten"

Was halten die Behörden in NRW von bürgerschaftlicher Kriminalitäts-Prävention via Kurznachrichtendienst? "Wir sind zwiegespalten und beobachten diese Aktivitäten", sagte Tim Terhorst, Sprecher der Stadt Emmerich, dem WDR am Dienstag (18.09.2018). Grundsätzlich begrüße man eine wachsame Bürgerschaft. Diese dürfe aber keine Dynamik entfalten, Polizeigewalt ausüben zu wollen.

Besonders wichtig sei, im Ernstfall verdächtige Personen nicht anzusprechen oder gar Selbstjustiz zu üben, sondern unverzüglich Kontakt mit der Polizei aufzunehmen. Nicht genehmigt hat die Stadt den Nachbarschaftshilfe-Gruppen, ihre Warnschilder im öffentlichen Raum aufzustellen.

Polizei Viersen berät Gruppen

Die Kreispolizeibehörde Viersen arbeitet eng mit WhatsApp-Gruppen zusammen. "Wir haben nichts gegen sie. Einige Nachbarschaften haben sich von den Kollegen der Kriminalprävention beraten lassen", sagte Polizeisprecher Wolfgang Goertz dem WDR.

Allerdings sollten die Gruppen nicht der Polizei ins Handwerk pfuschen: "Wer etwa Fotos von scheinbar Verdächtigen veröffentlicht, macht sich schnell selbst strafbar."

Reul: "Das kann helfen"

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) lobte diese Form der Nachbarschaftshilfe schon im Oktober 2017: "Niemand kennt Wohngegenden so gut wie die Menschen, die dort leben. Wenn sich Nachbarn zum Beispiel in WhatsApp-Gruppen auf dem Laufenden halten, kann das helfen. Denn die Täter kommen oft tagsüber und nutzen auch kurze Gelegenheiten, um Beute zu machen."

Aber auch Reul lehnt eigenständiges Eingreifen im Stil einer Bürgerwehr ab: "Es ist wichtig, sofort die 110 zu wählen, wenn jemandem etwas auffällt."

Stand: 18.09.2018, 16:37

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