Köln: Nach Tod eines städtischen Mitarbeiters äußern Kollegen heftige Kritik

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Köln: Nach Tod eines städtischen Mitarbeiters äußern Kollegen heftige Kritik

Von Jochen Hilgers und Markus Schmitz

  • Opfer fuhr völlig ahnungslos in den Einsatz
  • Angst in der Vollstreckungsbehörde
  • Kollegen fordern Warnsystem in der Stadtverwaltung

Nach dem gewaltsamen Tod eines 47-jährigen Vollstreckungsbeamten der Stadt Köln äußern Kollegen am Freitag (20.12.2019) heftige Kritik an der fehlenden Weitergabe von Daten und an ihren eigenen Arbeitsbedingungen. Der städtische Mitarbeiter, der eine Geldforderung bei dem 60-jährigen vollstrecken sollte, habe keine Ahnung gehabt, wie gefährlich der Mann war. Daher hätten er und seine Kollegin keinen Polizeischutz beantragt, obwohl dies möglich gewesen wäre.

Kein Hinweis auf Gewalttätigkeit

Dem WDR liegt das Vollstreckungsprogramm des getöteten Mitarbeiters vor, eine Anwendungssoftware für Kommunen, mit der alle Vorgänge rund um eine Vollstreckung erfasst und bearbeitet werden. Darin findet sich kein Hinweis, dass der 60-Jährige bereits im März dieses Jahres gegen eine städtische Mitarbeiterin gewalttätig geworden war. Mehr noch: Es findet sich überhaupt kein Hinweis auf mögliche Auffälligkeiten des 60-jährigen späteren Angreifers.

Für die Kollegen des Opfers ist der fehlende Hinweis ein Skandal, wie ein Mitarbeiter der Kölner Vollstreckungsbehörde dem WDR schildert. Er will anonym bleiben und sagt, seine Kollegen seien geschockt und bis ins Mark verängstigt. Sie hätten einfach Angst vor dem Außendienst. Vor jeder Tür, vor der sie stünden, fragten sie sich, ob sich so eine schreckliche Sache wie am vergangenen Freitag wiederholen könne.

Gewalttat schon im März

Im März hatte der 60-Jährige zwei Mitarbeiter eines städtischen Teams angegriffen. Eine Mitarbeiterin des Sozialamtes hatte einen Amtsarzt begleitet, der die Einweisung des 60-Jährigen in die Psychiatrie veranlasste. Die Frau wurde angegriffen und leicht verletzt. Der Amtsarzt war vorab über die Gefährlichkeit des Mannes unterrichtet und hatte deswegen Polizeischutz dabei. Die Beamten verhinderten Schlimmeres.

Im Gesundheits- und im Sozialamt der Stadt lagen offenbar genug Hinweise darauf vor, dass der Mann gefährlich werden könnte. In der Kämmerei aber nicht. "Wir fordern einfach, dass es ein stadtweites Warnsystem für alle Dienststellen gibt, nicht nur für die Vollstreckung, sondern auch für das Sozialamt, auch für das Jugendamt und im weitesten Sinne auch für das Jobcenter, wo auch städtische Mitarbeiter beschäftigt sind. Wo man im Zweifelsfall gucken kann, hat derjenige schon mal übergriffiges Verhalten gezeigt in der Vergangenheit", so der Mitarbeiter der Stadt Köln gegenüber dem WDR.

Stand: 20.12.2019, 10:09

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