Drei Monate nach dem Hochwasser: Das ist bisher passiert

Ein historisches Foto von der Fibergasse um 1900 ist auf einer zerstörten Straße zu sehen.

Drei Monate nach dem Hochwasser: Das ist bisher passiert

Drei Monate nach der verheerenden Flut in Teilen von Nordrhein-Westfalen ist die Grundversorgung in den betroffenen Gebieten weitgehend wiederhergestellt. Aber vereinzelt müssen sich Anwohner auf einen Winter ohne Gasheizung einstellen – ein Überblick.

Vor drei Monaten hat das Hochwasser in vielen Teilen NRWs eine Spur der Verwüstung hinterlassen und sogar Menschenleben gefordert. Insgesamt starben in NRW 48 Menschen, darunter vier Retter der Feuerwehr. In den betroffenen Regionen ist nichts mehr, wie es einmal war. Aufräumarbeiten und Reparaturen laufen seitdem auf Hochtouren.

Anträge für Wiederaufbau sind freigeschaltet

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) teilte am Mittwoch (13.10.2021) in Düsseldorf mit, das ab sofort die Online-Anträge für den Wiederaufbau der öffentlichen Infrastruktur in den nordrhein-westfälischen Kommunen freigeschaltet sind. Sowohl kommunale als auch nicht-kommunale Träger von Bildungs-, Kultur-, Sport- und sonstigen Einrichtungen können ihre Anträge bis zum 30.06.2023 über das Online-Förderportal der Landesregierung stellen.

Die Wiederaufbauhilfen können den Angaben zufolge bis zu 80 Prozent der Schadenssumme abdecken, in Einzelfällen auch bis zu 100 Prozent. Für Schäden am Inventar förderfähiger Vereine könne eine Pauschale von bis zu 15.000 Euro ausgezahlt werden. Privatleute und Unternehmen können bereits seit dem 17. September Förderanträge für den Wiederaufbau stellen.

Über 150 Millionen Euro Soforthilfen ausgezahlt

Etwa 154 Millionen Euro seien für die Anträge zur Soforthilfe bis zur Antragsfrist am 31.08.2021 an die Kommunen ausgezahlt worden, sagte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums dem WDR. Das Geld wurde insgesamt unter 152 Kommunen aufgeteilt. Zur Zeit werden die Beträge verrechnet, da einige Kommunen wohl weniger und andere mehr als gedacht benötigten. Erst Ende Oktober könne man nach Abrechnung mit den Bezirksregierungen endgültig Bilanz ziehen.

Stromversorgung größtenteils wieder hergestellt

Für alle der rund 130.000 vom Strom abgeschnittenen Menschen konnte die Stromversorgung bis zum Hausanschluss inzwischen wieder hergestellt werden. Ein Sprecher des Netzbetreibers Westnetz sagte dem WDR, es seien wieder alle Häuser, in denen Menschen wohnen, versorgt. Lediglich 100 baufällige Häuser oder Häuser, deren Besitzer nicht auffindbar sind, seien noch nicht an das Netz angeschlossen. Man kontrolliere mit besonderen Messgeräten die Situation und sorge weiterhin durch neue Kabel, Anlagen und Aggregate für eine Gewährleistung der Versorgung.

Besonders von Schäden betroffen waren Menschen in Bad Münstereifel und Euskirchen. In vielen Städten und Gemeinden müssen Rohre neu verlegt werden. Etwa 80 Haushalte haben deshalb noch kein Gas, etwa 20 wohl auch über den Winter nicht - die meisten davon in Bad Münstereifel. Weil viele Menschen im Winter statt mit Gas mit Strom heizen müssen, bauen die Stromanbieter vielerorts zusätzliche Verteilerkästen auf.

Internet, Handyempfang und Festnetz

Die Telekommunikationsunternehmen melden, dass etwa 90 Prozent ihrer Kunden wieder Festnetz und Mobilfunk nutzen können, teilweise noch besser als vor der Flut, weil beim Wiederaufbau schnelle Glasfaserkabel verlegt wurden. Erstaunlich: Einzelne Ortsteile, die vor der Flut kein oder nur ein sehr schwaches Netz hatten, wurden durch die Überbrückungsmaßnahmen laut Vodafone sogar dauerhaft aus dem Funkloch herausgeholt - etwa die Gemeinden Hoffeld, Schuld und Fuchshofen.

Abkochgebot für Wasser fast überall aufgehoben

In vielen Teilen Nordrhein-Westfalens hatte es infolge der Flutkatastrophe Warnungen über kontaminiertes Trinkwasser gegeben. Deshalb sollte das Wasser dort vor dem Trinken sicherheitshalber abgekocht werden. In Bad Münstereifel gilt das Abkochgebot weiterhin, da die Wasserversorger Verunreinigungen nicht ausschließen können.

Immer noch massenweise Müll zu entsorgen

Müllberge in Leverkusen nach Unwetter

Sperrmüll vor Wohnhäusern in Leverkusen nach der Flut

Jeder kennt die Bilder von den Aufräumarbeiten in den Hochwassergebieten - und den Müllbergen, die sich vor den Wohnhäusern auf den Straßen regelrecht auftürmen. Nach wie vor sind viele Abfallwirtschaftsbetriebe damit beschäftigt, die Massen an flutbedingtem Sperrmüll zu entsorgen. Alleine im Kreis Euskirchen sind bisher 80.000 Tonnen Sperrmüll entstanden. Bis Weihnachten soll der riesige Müllberg endlich abgetragen sein.

Eine Frau wühlt nach den Unwettern in einem Berg aus Sperrmüll

Nach dem Unwetter: Müllberge in Erftstadt

Doch nicht alle Abfälle, die durch das Hochwasser angefallen sind, lassen sich einfach verbrennen. Daher müssen Abfallwirtschaftsbetriebe auch "Freiräume" haben, um ihren Müll sortieren zu können. Dabei hilft beispielsweise die Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet (AGR), die an verschiedenen Deponiestandorten und im Abfallkraftwerk RZR Herten die Möglichkeit zur Zwischenlagerung von 15.000 Tonnen geschaffen hat, um betroffene Kommunen zu entlasten.

Autobahnen teils weiterhin gesperrt

Der 6,5 Kilometer lange Autobahnabschnitt bei Kreuz Bliesheim von A1 und A61 wird seit Dienstag (12.10.2021) in Richtung Venlo umfassend saniert. Nach Angaben der Autobahn GmbH des Bundes ist auf dem noch gesperrten Abschnitt die Fahrbahndecke durch die Flut beschädigt worden. Auf der Strecke zwischen dem Autobahnkreuz Bliesheim und dem Autobahndreieck Erfttal müsse vor dem Winter neuer Asphalt aufgetragen werden. Auch die A1 zwischen Autobahndreieck Erfttal und der Anschlussstelle Hürth ist aufgrund von Flutschäden noch nicht wieder befahrbar.

Stand: 13.10.2021, 17:02

Aktuelle TV-Sendungen