Muttermilch rettet Leben - braucht NRW eine Spendenbank?

Fläschchen mit Muttermilch in einer Muttermilchbank

Muttermilch rettet Leben - braucht NRW eine Spendenbank?

Für Frühchen ist sie lebenswichtig: Muttermilch. Doch was passiert, wenn eine Mutter ihr Kind nicht versorgen kann?

Dominik Schneider ist Chefarzt am Klinikum in Dortmund. Er ist verantwortlich für die einzige Muttermilchspendenbank in Nordrhein-Westfalen. In seiner Klinik gibt es Mütter von Neugeborenen, die Milch im Überschuss haben.

Die Frauen würden ihre übrig gebliebene Milch gerne spenden - und zwar den Neugeborenen, deren Mütter keine oder nicht genügend Milch produzieren. Und das kommt häufig vor - gerade bei den Müttern, deren Kinder viel zu früh auf die Welt gekommen sind und als Frühchen im Brutkasten nachreifen müssen.

Hohes Krankheitsrisiko

Neugeborenes wird mit Fläschchen gefüttert

Nur mit Formula - also künstlich hergestellter Milch - ernährt, ist die Gefahr einer lebensgefährlichen Darmerkrankung um ein Vielfaches höher als bei der Fütterung mit Muttermilch. Jahrelang hat der Dortmunder Arzt Schneider deshalb für die Einrichtung einer Milchspendenbank gekämpft und vor zwei Jahren endlich von der Oberaufsichtsbehörde, dem NRW-Verbraucherministerium, die Genehmigung erteilt bekommen. Diese Vertriebsgenehmigung gilt allerdings nur für das Klinikum in Dortmund.

Weniger Darmkrankheiten durch Muttermilch

Gut 70 Kilometer entfernt am Klinikum Leverkusen: Hier liegen auf der Neugeborenenstation drei Frühchen in ihren Brutkästen. In dieser Klinik gibt es keine Muttermilchspendenbank. Die Kinder bekommen Formula-Milch, wenn die Muttermilch nicht reicht oder gar nicht vorhanden ist. Ein großes Problem für Chefarzt Joachim G. Eichhorn. Dabei ließe sich das Risiko von entzündlichen, teils tödlichen Darmerkrankungen bei Frühchen "durch die Gabe von Muttermilch um den Faktor 13 reduzieren", so der Mediziner.

Grüne: Brauchen mehr Spendenbanken

Der Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Mehrdad Mostofizadeh, sitzt am 02.03.2015 in Nettetal in einer Pressekonferenz.

Grünen-Politiker Mehrdad Mostofizadeh

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Mehrdad Mostofizadeh fordert: "Wir brauchen mehr Muttermilchspendenbanken in NRW." Das Problem seien bisher nicht die Kosten, sondern vielmehr die komplizierten Genehmigungsverfahren. Sowohl die zuständigen Gesundheitsbehörden auf kommunaler Ebene, als auch das Verbraucher- und Landwirtschaftsministerium müssten gemeinsam entscheiden.

Ministerium gegen zentrale Stelle

Das NRW-Gesundheitsministerium will keine zentrale Stelle für NRW schaffen, denn: "Zum einen müssen bei der Lagerung von Muttermilch höchste Standards erfüllt sein - etwa bei der Hygiene, der Transportorganisation, der Lagertemperatur und der Dokumentation der Transportkette." Zum anderen seien die Kliniken am besten über die Bedarfe informiert - vor Ort neue Muttermilchbanken einzurichten, sei daher zu befürworten.

Die intensivmedizinische Behandlung eines erkrankten Frühchens übersteigt in Einzelfällen die Präventivmaßnahme mit der Muttermilch um ein Vielfaches. In Dortmund kostete die Errichtung der Milchspendenbank keine 10.000 Euro. Aber was natürlich viel wichtiger ist: Sie hat Leben gerettet.

Stand: 05.11.2017, 06:30