Debatte um Muezzinruf in Köln

Debatte um Muezzinruf Aktuelle Stunde 14.10.2021 24:25 Min. UT Verfügbar bis 21.10.2021 WDR Von Carsten Upadek

Debatte um Muezzinruf in Köln

Von Carsten Upadek

Köln erlaubt muslimischen Gemeinden, per Muezzin zum Freitagsgebet rufen zu dürfen. Kritiker sehen eine Machtdemonstration muslimischer Verbände - Oberbürgermeisterin Reker dagegen ein Zeichen des Respekts.

In einem Gebetsraum einer kleinen Moschee in Köln steht der Muezzin mit einem Mikrofon und ruft zum Mittagsgebet auf

Muezzinruf in einer kleinen Moschee in Köln

In einem Gebetsraum einer kleinen Moschee in Köln steht der Muezzin mit einem Mikrofon und ruft zum Mittagsgebet auf. Noch hört man ihn nur hier im Gebetsraum in einem Hinterhof der Keupstraße, in der viele Menschen mit türkischen Wurzeln leben. Bald aber könnte der Ruf auch draußen vor der Tür zu hören sein - übertragen per Lautsprecher.

Für den Vorsitzenden der Gemeinde, Ahmet Erdogan, ein gutes Angebot der Stadt: "Ich verstehe das als Geste für muslimische Mitbürger. Eine Geste der Akzeptanz und der Toleranz."

Kritik an Moscheevereinen

Die Stadt Köln erlaubt den Muezzinruf vor dem Freitagsgebet. Das hat heftige Kritik ausgelöst. Die Soziologin Necla Kelek beklagt, dass die Moscheevereine selbst nichts für die Integration der Muslima und Muslime täten und ein rückständiges Weltbild lebten.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker sieht den Schritt als Ausdruck des Respekts – geschützt vom Grundrecht auf Religionsfreiheit. Einschränkungen gibt es etwa bei der Lautstärke. Auch müssen die Nachbar vorher informiert werden.

Interesse, aber bislang keine Anträge

Noch hat bei der Stadt keine der 35 Moscheegemeinden einen Antrag abgegeben, aber einige schon Interesse bekundet. Auch der Träger der Zentralmoschee überlegt nach eigenem Bekunden.

Publizist: Propaganda-Erfolg der Ditib

Porträt des Publizisten Eren Güvercin

Der Publizist Eren Güvercin

Da gelte es besonders genau hinzuschauen, sagt der Publizist Eren Güvercin. Denn der Betreiber der Zentralmoschee in Köln ist die türkisch-Islamische Union, Ditib, die er als verlängerten Arm des türkischen Präsidenten Erdogan sieht. "Die werden natürlich diesen Muezzin-Ruf in Ankara als tollen Erfolg der Ditib verkaufen. Sie sagen: Wir sind wer in Deutschland, an uns kommt niemand vorbei und wir haben es geschafft, den Gebetsruf zu etablieren."

Güvercin sagt, Köln hätte im Gegenzug mehr Offenheit einfordern können. Aber den Gemeinden prinzipiell zu erlauben, per Muezzin zum Freitagsgebet zu rufen, sei richtig. Ein Zeichen für 100.000 Muslimas und Muslime allein in Köln: Eurer Glaube zählt genauso viel, wie jeder andere auch.

Stand: 14.10.2021, 13:28

Aktuelle TV-Sendungen