Musk-Spende gegen Welthunger: Wie viel hilft es wirklich?

Stand: 02.11.2021, 13:54 Uhr

Tesla-Gründer Elon Musk hat angekündigt, sechs Milliarden Dollar für den Kampf gegen den weltweiten Hunger spenden zu wollen. Doch wie viel würde das tatsächlich bringen?

Auf ein Jahr gesehen wäre das ein beträchtlicher Betrag. Im vergangenen Jahr hat das UN-Welternährungsprogramm insgesamt 8,4 Milliarden US-Dollar an Spenden gesammelt, Musks Spende würde diese Summe also fast verdoppeln. Bleibt jedoch die Frage, wo und wie das Geld genau eingesetzt würde. Genau das fordert Musk auch per Twitter von den UN-Organisatoren, die Verwendung seiner möglichen Spende transparent zu machen.

Was könnte die angekündigte Milliardenspende nachhaltig bewirken?

Auf längere Sicht gesehen, wäre sie wohl nur ein größerer Tropfen auf den heißen Stein. Nach Schätzung der Welthungerhilfe von Ende 2020 leiden weltweit fast eine Milliarde Menschen an Hunger und Mangelernährung oder sind davon bedroht.

Eine Studie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen kam im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass jedes Jahr 14 Milliarden Euro zusätzlich an Spenden nötig wären, um den weltweiten Hunger bis 2030 wirkungsvoll eindämmen zu können. Das wäre etwa eine Verdoppelung der aktuellen Spendensummen.

Welche Rolle spielen Geldspenden in der Hungerbekämpfung?

Elon Musk, Tech-Milliardär aus den USA, spricht auf einer Konferenz in Washington. Musk präsentierte den Prototypen eines Geräts seiner Firma Neuralink, das Informationen zwischen Neuronen und einem Smartphone übermitteln kann.

Sie helfen, um Ernährungsprogramme zu finanzieren und besonders bedrohte Regionen mit Lebensmitteln zu versorgen. Viele Probleme, die den weltweiten Hunger mit befördern, sind jedoch struktureller Art und lassen sich mit Geld kaum lösen. Zum Beispiel die zunehmenden bewaffneten Konflikte in Afrika oder dem Nahen Osten, die Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertreiben.

Ein weiterer Grund ist die ungleiche Verteilung von Land und Anbauflächen. Immer weniger Großgrundbesitzer besitzen immer mehr Land, oft zur Mais- oder Sojaproduktion für Tierfutter bzw. den Export. Das gefährdet die Existenzgrundlage von rund 2,5 Milliarden Menschen auf der Erde, vor allem Kleinbauern, die einen Großteil der globalen Nahrungsproduktion stemmen.

Funktioniert Hungerbekämpfung ohne Klimaschutz?

Ein wichtiger Punkt im Kampf gegen den Hunger wären außerdem mehr Maßnahmen für den globalen Klimaschutz. Zunehmende Extremwetterereignisse wie jahrelange Dürren, Starkregen und Überflutungen zerstören häufig landwirtschaftliche Flächen und damit die Lebensgrundlage vieler Betroffener. Das bedeutet, Geld müsste nicht nur in den von Hunger betroffenen Regionen, sondern auch in den Ländern investiert werden, die mit zum Klimawandel beitragen, unter anderem die Industrienationen Europas.

Was hilft Musks Spendenankündigung für den globalen Hungerkampf?

Mit der Ankündigung hat sich der exzentrische Multi-Milliardär wieder einmal große öffentliche Aufmerksamkeit gesichert, wie schon oftmals zuvor. Mit einem geschätzten Vermögen von rund 300 Milliarden US-Dollar wäre eine solche Spende für Musk leicht zu verschmerzen. Im besten Fall lenkt er damit aber den öffentlichen Fokus nachhaltig auf ein seit vielen Jahren bekanntes Problem, das nach vielen Jahren der positiven Entwicklung zuletzt ein Rückschlag erlebt hat, auch durch die Corona-Pandemie.

Kommentare zum Thema

6 Kommentare

  • 6 Haquinus 04.11.2021, 10:57 Uhr

    Meiner Meinung nach wäre es am besten, das in Aussicht gestellte Geld dafür einzusetzen, möglichst viel Fläche, z.B. im Amazonas, vor sämtlichen zivilisatorischen Maßnahmen zu schützen, sodass die Natur dort einfach wieder 'zu sich' kommen kann. Die macht das dann schon. Ergänzend wäre natürlich wichtig, Banden dingfest zu machen, die sich an dem Baumbestand zu schaffen machen, wie ja immer wieder in entsprechenden Dokumentationen zu sehen ist. Dem Raubbau Einhalt gebieten! Mit allen Mitteln. Da wäre seine Spende gut eingesetzt.

  • 5 Azrael 03.11.2021, 06:42 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 4 Nicole Jüngling 02.11.2021, 23:53 Uhr

    Krieg die Tür nicht zu. Ne Spende zur Hungerbekämpfung wird angeboten und ihr kommt mit Klimaschutz, euer Ernst??

  • 3 Raphael 02.11.2021, 20:14 Uhr

    Sehr geehrte Damen und Herren des Redaktionsteams, ist es nicht so, dass ohne Musks Spende weitere 6 Milliarden bitter fehlen würden? Und wird nicht immer wieder darauf hingewiesen, dass jedermann und jedefrau auch mit kleinen Spenden einen wichtigen Beitrag zur Hungerbekämpfung leisten können? Als wir Ihren Radiobeitrag hörten, waren wir doch erschüttert ob der Geringschätzigkeit, mit der diese Spende abgetan wurde. Es ist eine üble und es ist eine billige Unterstellung, hier gleich von einem Marketingschachzug zu sprechen. Ebenso zeugt auch die Formulierung, die Summe sei für Musk "leicht zu verschmerzen" von mangelndem Respekt und hinterlässt den Nachgeschmack der Missgunst. Es wäre doch schön, wenn wir dazu übergehen könnten, die positiven Dinge zu sehen, statt die Negativen zu suchen. Ihr Beitrag trägt leider nicht dazu bei. Mit freundlichen Grüßen

  • 2 Carsten Mohr 02.11.2021, 15:33 Uhr

    Ich finde das eine großartige Geste. Egal, ob das jetzt 6 Mrd. über mehrere Jahre oder für ein Jahr sind. Und ebenfalls egal, ob Musk immer noch ein Vermögen von 300 Mrd. besitzt. Das sind Aktien, und deren Wert kann auch gen Null fallen. Aber die 6 Mrd. sind da und wirken. Wenn im gleichen Maße andere folgen würden, 2% ihres Vermögens spenden, wäre laut Bericht der Welthunger ein Thema der Vergangenheit. Bravo.

  • 1 Rolf Egging 02.11.2021, 15:30 Uhr

    Es ist schon sehr verstörend, wie auf ein angekündigte Geldspende in dieser Größenordnung reagiert wird. Statt es positiv zu vermarkten, um andere Großspender zu motivieren, wird wieder alles mögliche in Frage gestellt. Wenn alle, auch der Kommentator/in, ebenfalls 2 % ihres Vermögens spenden würden, bräuchten wir uns um das Thema Hunger in der Welt keine Sorgen mehr machen.

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