Solidaritäts-Demos in NRW für Geflüchtete aus Moria

Solidaritäts-Demos in NRW für Geflüchtete aus Moria

Auch Menschen in NRW solidarisieren sich mit dem Schicksal der Geflüchteten im griechischen Flüchtlingslager Moria. Ein Feuer hat große Teile des Camps vernichtet.

Die Zustände im griechischen Flüchtlingslager Moria auf Lesbos waren schon vor dem Großbrand verheerend. Nun sind große Teile des Lagers abgebrannt. Etwa 13.000 Geflüchtete lebten dort zuletzt, konzipiert war das Camp für knapp 3.000. Die humanitäre Katastrophe berührte auch Menschen in Nordrhein-Westfalen. Auf spontanen Demonstrationen und Mahnwachen bekundeten am Mittwochabend jeweils Hunderte ihre Solidarität.

"Remscheid hat Platz"

So wie zum Beispiel in Remscheid vor dem Rathaus. Der Verein "Tolerant" hatte am Mittwochabend zur Mahnwache aufgerufen und sieht in der Katastrophe "die Folge politischen Versagens. Europa muss endlich handeln, Deutschland muss endlich handeln. Wir fordern die sofortige Evakuierung des Lagers, damit die Menschen dieser Hölle entkommen. Wir haben schon lange ein Aufnahmeprogramm gefordert und wir sagen euch heute: Remscheid hat Platz."

13.000 Stühle vor dem Reichstagsgebäude in Berlin

13.000 Stühle vor dem Reichstagsgebäude in Berlin

Eine Kundgebung der zivilen Hilfsorganisation "Seebrücke" in Wuppertal wurde unter dem Motto "Moria hat gebrannt! Europa hat versagt! Evakuierung sofort!" stehen. Die Katastrophe sei "ein trauriges, aber erwartbares 'Ergebnis' von fünf Jahren katastrophaler unmenschlicher EU-Asyl- und Migrationspolitik". Die Teilnehmer wurden zudem aufgefordert, Stühle mitzubringen, um zu zeigen, dass auch Wuppertal Platz für Geflüchtete hat. Eine solche Aktion mit 13.000 Stühlen hatte es schon vor dem Bundestag in Berlin gegeben.

NRW-Städte wollen Geflüchtete aufnehmen

Solidaritäts-Demo in Münster für die Geflüchteten in Moria

Demo in Münster

Weitere Solidaritäts-Demos fanden unter anderem in Köln, Bonn, Krefeld, Bochum und Münster statt. Münster und auch Bielefeld sind bereit, sofort Geflüchtete aufzunehmen. Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) sagte dazu dem WDR: "Wir haben genügend Kapazitäten, um von heute auf morgen auch 100 Menschen aus Not aufzunehmen, vernünftig unterzubringen und zu versorgen."

Auch die Stadt Düsseldorf, wo für Donnerstag eine Kundgebung vor dem Landtag geplant ist, will helfen. "Wir stehen bereit und halten das auch für unsere humanitäre Verpflichtung", sagte Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) dem WDR. Im Hinblick auf die Kapazitäten denkt er an eine Aufnahme von 100 bis 150 Geflüchteten.

Die Landesregierung ist laut Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) jetzt sogar zur Aufnahme von "bis zu 1.000 Flüchtlingen bereit - in einem europäischen Gesamtkonzept". Vorgesehen waren ursprünglich 220. Darüber hinaus hat Laschet Soforthilfe in Form von Zelten, Medikamenten, Verpflegung und Betreuung von Kindern angeboten.

Appell der Evangelischen Kirche

Mit einem gemeinsamen Appell haben die Bischöfinnen und Bischöfe der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) auf Moria reagiert. "Wir sind erschüttert über das Leid, das erneut über die schutzsuchenden Menschen gekommen ist und entsetzt, dass es der Europäischen Union trotz vielfacher Warnungen nicht gelungen ist, diese Eskalation der menschenunwürdigen Situation in dem Lager zu verhindern", heißt es in der an die deutsche EU-Ratspräsidentschaft und den Bundesinnenminister gerichteten Erklärung.

Stand: 09.09.2020, 20:36

Aktuelle TV-Sendungen