NRW-Hilfe für Moria: "Wir können die Menschen nicht verrotten lassen"

Geflüchtete campieren in der Nähe des Flüchtlingslagers Moria auf Lesbos, 10.09.2020

NRW-Hilfe für Moria: "Wir können die Menschen nicht verrotten lassen"

Zahlreiche Städte aus NRW haben angeboten, Flüchtlinge aus dem zerstörten Flüchtlingslager Moria auf Lesbos aufzunehmen. Doch bislang erlaubt das die Bundesregierung nicht.

Zwei Tage nachdem das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos abgebrannt ist, sind die ersten Hilfskonvois aus Deutschland in Richtung Griechenland gestartet. Bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus dem zerstörten Camp hält sich die Bundesregierung jedoch zurück - obwohl zahlreiche Kommunen, auch aus NRW, angeboten haben, Geflüchtete aufzunehmen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat am Freitag angekündigt: Bis zu 150 unbegleitete Minderjährige wolle die Bundesregierung aus dem zuletzt von 12.600 Menschen bewohnten Flüchtlingslager auf Lesbos aufnehmen.

Der Vorschlag, die Kinder aus Lesbos abzuholen, sei "sinnvoll und wichtig", sagte der Soziologe und Migrationsforscher Gerald Knaus am Abend dem WDR. Das Gesamtproblem werde aber nicht gelöst: Rund 6.000 Kinder unter zwölf Jahren seien teils seit zwölf Monaten auf den griechischen Inseln und von den unmenschlichen Bedingungen dort traumatisiert, so Knaus weiter.

Auch die Opposition kritisierte Seehofer. Grüne, Linke und FDP werfen ihm vor, der Unterbringung von Flüchtlingen durch aufnahmebereite Kommunen und Bundesländer im Weg zu stehen. Selbst der Koalitionspartner SPD sprach sich für diese Lösung aus.

NRW-Städte wollen Flüchtlinge aufnehmen

Den Kommunen in NRW reicht Seehofers Vorgehen nicht. "Wenn der Bundesinnenminister sagt 150, dann kann das nur ein Anfang sein", sagt die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) dem WDR am Freitag. 150 Menschen könne Köln allein schon aufnehmen. "Ich bin der Meinung, dass wir uns jetzt mal um die Menschen kümmern müssen, dass wir die nicht verrotten lassen können", findet Reker.

Bereits am Donnerstag hatte Reker gemeinsam mit den Oberbürgermeistern aus Düsseldorf, Bielefeld, Krefeld und sechs weiteren deutschen Städten einen Brief an den Bundesinnenminister unterschrieben, in dem diese erneut ihre Bereitschaft signalisierten, Flüchtlinge aufzunehmen. "Es muss endlich gehandelt werden", heißt es darin. "Wir bitten Sie als Bundesregierung darum, hier voranzugehen und nicht weiter auf eine gesamteuropäische Lösung zu warten."

Der Solinger Jugendstadtrat und der Verein "Solingen hilft" stellten am Freitagnachmittag 100 Stühle vor dem Rathaus auf. Damit wollten sie zeigen, dass in Solingen Platz für Flüchtlinge ist.

In Solingen wurden mehr als 100 Stühle vor dem Rathaus aufgestellt.

Denn Kommunen, die bereit sind, Menschen aus Moria aufzunehmen, gibt es viele. Allein in NRW haben 40 Städte ihre Hilfe angeboten - und verstehen teilweise nicht, warum die Bundesregierung ihre Unterstützung nicht annimmt. Unter anderem stellte der Solinger Jugendstadtrat und der Verein "Solingen hilft" am Freitagnachmittag 100 Stühle vor dem Rathaus auf. Damit wollten sie symbolisieren, dass in Solingen Platz für Flüchtlinge ist.

THW übergibt Hilfsgüter an griechische Regierung

Seehofer betonte hingegen, dass das Wichtigste gerade die Hilfe vor Ort sei. Dafür hat die Bundesregierung das Technische Hilfswerk (THW) beauftragt, Hilfsgüter nach Griechenland zu bringen. Am Freitagmittag ist ein Konvoi vom THW-Logistikzentrum in Heiligenhaus (Kreis Mettmann) in Richtung Athen gestartet.

Gemeinsam mit weiteren Lastwagen aus Bremen, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sollen die Einsatzkräfte je 400 Schlafsäcke und Isomatten sowie 80 Zelte in die griechische Hauptstadt bringen. Die örtliche Regierung will sie dann an die Flüchtlinge auf Lesbos verteilen.

Drei Männer stehen vor einem Paket mit Hilfsgütern, auf dem Paket liegt eine Maske mit der Aufschrift "Hilfe für Moria"

Am Samstag ist in Essen ein Transport mit Hilfsgütern auf die Insel Lesbos gestartet. Freiwillige bringen COVID-Schutzkleidung und Medikamente im Wert von rund 100.000 Euro nach Moria. Am Sonntag soll auch noch eine Hilfslieferung per Flugzeug starten. Hinter der Aktion stehen die Caritas und die Essener Initiative "Ein Herz für Moria".

Stand: 12.09.2020, 16:31

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