"Das macht Menschen krank": Positive Reaktionen von Kirchen-Vetretern auf Queer-Kampagne

Stand: 25.01.2022, 20:33 Uhr

In einer bisher beispiellosen Aktion haben sich 125 Priester und andere Beschäftigte der katholischen Kirche als queer geoutet. Nun reagieren Kirchen-Vertreter auf die Queer-Kampagne.

Das gemeinschaftliche Outing von 125 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der katholischen Kirche ist auf viel positive Resonanz gestoßen - auch innerhalb der Kirche. Zuspruch gab es etwa vom Essener Generalvikar Klaus Pfeffer. Verschiedene sexuelle Orientierungen seien Teil der Schöpfung Gottes, sagte er dem Onlineportal domradio.de. "Und das stellt die kirchliche Lehre radikal in Frage."

Pfeffer räumte ein: "Ich glaube, das müssen wir überwinden um der Menschen willen, weil es unmenschlich ist, wie wir mit diesen Menschen umgegangen sind." Es dürfe in der katholischen Kirche nicht länger zugelassen werden, "dass wir Menschen dazu zwingen, sich selbst zu verbergen, sich selbst nicht geben zu können, wie sie sind. Das macht Menschen krank."

Queere Kirchenmitarbeiter outen sich

Im Rahmen der Initiative #OutInChurch sowie einer ARD-Dokumentation hatten am Montag 125 Menschen in der katholischen Kirche ihre sexuelle Orientierung öffentlich gemacht. Viele von ihnen sind haupt- oder ehrenamtlich in der Kirche tätig und zugleich Teil der queeren Community. Die Initiative fordert unter anderem, das kirchliche Arbeitsrecht so zu ändern, "dass ein Leben entsprechend der eigenen sexuellen Orientierung und der geschlechtlichen Identität" nicht zur Kündigung führe.

Der Paderborner Generalvikar Alfons Hardt bedauerte den bisherigen Umgang der katholischen Kirche mit Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung. Queere Menschen hätten nicht "die bedingungslose Wertschätzung gespürt, die jedem Menschen als Geschöpf Gottes zusteht", erklärte er. "Kirche hat an der Seite aller Menschen zu stehen und dazu beizutragen, dass erfahrenes Unrecht und Leid überwunden werden."

Bischofskonferenz will Klima der "Angstfreiheit"

Auch die Deutsche Bischofskonferenz äußerte sich in überraschend deutlichen Worten. "Ich möchte das im Namen der Deutschen Bischofskonferenz begrüßen als ein Zeichen dafür, dass wir daran arbeiten, dass ein solches Klima der Angstfreiheit in unserer Kirche herrschen muss und entstehen muss", sagte der Aachener Bischof Helmut Dieser. Niemand dürfe wegen seiner sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität diskriminiert, abgewertet oder kriminalisiert werden. "Wir haben ein Menschenbild, das uns sagt, dass die Person unbedingt von Gott geliebt ist."

Arbeitsrecht soll geändert werden

Der Bochumer Kirchenrechtsexperte Jacob Joussen forderte eine Änderung der arbeitsrechtlichen Bestimmungen. "Dass alle 27 Bistümer ihre Grundordnung ändern, ist unrealistisch. Aber das sollte kluge Köpfe wie den Aachener Bischof Dieser oder den Essener Bischof Overbeck, nicht daran hindern voranzugehen", sagte Joussen. Die Kirche müsse erkennen, dass sie nicht mehr so hohe und undifferenzierte Forderungen an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen könne. Eine Änderung werde von der Rechtsprechung der staatlichen Arbeitsgerichte ohnehin verlangt.

Bis heute werden homosexuelle Handlungen kirchenrechtlich geahndet. So kann beispielsweise das Eingehen einer gleichgeschlechtlichen Ehe zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses führen.

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