Missbrauchsfall Bergisch Gladbach: So arbeiten die Ermittler

Kindesmissbrauch in der Familie: Der Schatten von einem Mann und einem schaukelnden Kind fallen auf den Sand auf einem Spielplatz.

Missbrauchsfall Bergisch Gladbach: So arbeiten die Ermittler

  • Urteil gegen 27-Jährigen: Zehn Jahre Haft und Psychiatrie
  • Für 36 Taten angeklagt
  • 70 weitere Tatverdächtige ermittelt
  • Auch sexuelle Gewalt an Babys

Der Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach ist das größte Verfahren wegen sexueller Gewalt an Kindern in der Geschichte der nordrhein-westfälischen Polizei. Das Landgericht Kleve hat den 27-jährigen Soldaten zu zehn Jahren Haft verurteilt, außerdem muss er in die geschlossene Psychiatrie. Er hatte teils schweren sexuellen Missbrauch an Kleinkindern gestanden.

Das Urteil vom Dienstag (26.05.2020) ist wahrscheinlich nur das erste von vielen. Zurzeit arbeiten unter Führung der Kölner Polizei 120 Beamte in der "Ermittlungsgruppe Berg".

Mehr als 80 Terabyte Daten haben die Beamten bei Durchsuchungen in Wohnungen von Verdächtigen gesichert: Videodateien, Fotos und Verläufe von Internetchats. '"Was auf diesem Material zu sehen, zu hören und zu lesen ist, können selbst erfahrene Kripobeamte nur schwer ertragen", sagt Michael Esser, Leiter der Ermittlungsgruppe.

Neun Männer aus NRW in Untersuchungshaft

Die Beamten haben seit dem Beginn der Ermittlungen im vergangenen Oktober bundesweit 71 Tatverdächtige ermittelt, davon 31 in Nordrhein-Westfalen. Neun Männer sitzen allein in NRW in Untersuchungshaft. 

In vier Fällen haben Staatsanwälte inzwischen Anklage gegen die mutmaßlichen Täter erhoben – darunter der Fall, in dem an der Außenstelle des Landgerichts Kleve in Moers das erste Urteil in dem ganzen Komplex fallen soll. Dem 27-Jährigen wird 36-facher Kindesmissbrauchs vorgeworfen.

Die Täterprofile von Lügde und Bergisch Gladbach

WDR 5 Morgenecho - Interview 09.12.2019 06:44 Min. Verfügbar bis 08.12.2020 WDR 5

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Ermittlungen begannen in Bergisch Gladbach

Angeklagt ist auch der Mann aus Bergisch Gladbach, dessen Einfamilienhaus Ausgangspunkt für die Ermittlungen der Kölner Kriminalpolizei war. 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 43-Jährigen 79 einzelne Taten von sexuellem Missbrauch, Vergewaltigung und Verabredung zu einem Verbrechen vor. Der gelernte Koch soll seine Tochter seit dem Alter von drei Monaten immer wieder missbraucht haben.

Kinder aus den Händen von Tätern befreit

Die Ermittlungen gegen den 43-Jährigen aus Bergisch Gladbach brachten die Polizisten im Oktober vergangenen Jahres auf die Spur von zahlreichen weiteren mutmaßlichen Sexualstraftätern. Einige von ihnen hatten in Chatrooms mit bis zu 1.800 Teilnehmern Videos und Fotos ihrer Taten ausgetauscht.  ''Wir haben immer zuerst mit Hochdruck an den Fällen gearbeitet, in den wir den Verdacht hatten, dass Kinder Tätern ausgeliefert sind", sagt der Ermittler Michael Esser.

Cybergrooming: "Es gibt zu wenig Polizisten im Internet"

WDR 5 Morgenecho - Interview 17.01.2020 04:44 Min. Verfügbar bis 16.01.2021 WDR 5

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Mehrmals hat die Kölner Polizei Beweismaterial per Hubschrauber in andere Bundesländer geschickt. Damit dort Haftbefehle gegen Männer erlassen werden konnten, die ihre eigenen Kinder oder Kinder von Verwandten missbrauchen.

Ermittlungen wie ein Schneeballsystem

Die Kölner Ermittler stehen in engem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen in den anderen Bundesländern. Auch von den dort kommen immer neue Hinweise auf weitere Verdächtige in Nordrhein-Westfalen. 

"Es ist wie ein Schneeballsystem. Jeder neue Fall bringt neue Spuren, die zu weiteren Verdächtigen führen", sagt Kriminalist Esser. "Ein Ende unserer Arbeit ist nicht in Sicht."

Stand: 26.05.2020, 15:26

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