Missbrauchsstudie: Hunderte Opfer in NRW-Bistümern

Missbrauchsstudie: Hunderte Opfer in NRW-Bistümern

  • Katholische Kirche stellt Missbrauchsstudie vor
  • NRW-Bistümer geben eigene Fallzahlen bekannt
  • Bistum Köln plant tiefergehende Untersuchung

Am Dienstag (25.09.2018) hat die Deutsche Bischofskonferenz eine Studie zum Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch vorgestellt. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Missbrauch in der Kirche über Jahrzehnte hinweg weit verbreitet war, teilweise vertuscht wurde und immer noch vorkommt. Die Studie erfasst insgesamt 3.677 Missbrauchsfälle, beschuldigt wurden insgesamt 1.670 Kleriker.

Am Nachmittag äußerten sich Vertreter der Bistümer Paderborn, Münster, Essen, Köln und Aachen.

Missbrauch in der Kirche: "Transparenz ist das A und O"

WDR 5 Mittagsecho | 24.09.2018 | 05:00 Min.

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Missbrauch über Jahrzehnte

Im Deutschlands größtem Bistum, dem Erzbistum Köln, hat es demnach innerhalb von 70 Jahren 135 Fälle sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen gegeben. Von den 87 Beschuldigten sind bereits 40 gestorben. Kardinal Rainer Maria Woelki kündigte an, einen Betroffenenbeirat zu gründen und sich mit Opfern persönlich treffen zu wollen.

Woelki hatte bereits im Vorfeld eine "tiefer gehende" Untersuchung angekündigt. Der Umgang mit sexuellem Missbrauch soll in einer eigenen Studie durch eine externe Einrichtung untersucht werden. Sie solle noch tiefer gehen als die der Bischofskonferenz, sagte Woelki. Er rechne mit "sehr schmerzhaften" Ergebnissen.

Das Erzbistum Paderborn zählte mindestens 197 Betroffene und 111 beschuldigte Kleriker in den Jahren 1946 bis 2014. In älteren Aktenbeständen fänden sich zahlreiche Lücken, teilte das Bistum mit. Eine systematische Bereinigung bestimmter Kategorien von Personen sei aber nicht erkennbar.

Generalvikar fordert härtere Strafen

Im Bistum Münster fanden sich bei 138 Klerikern Hinweise. Insgesamt 450 Betroffene wurden identifiziert. Ab 2016 bis heute gab es demnach vier weitere aktuelle Beschuldigungen von Klerikern. Der Generalvikar des Bistums, Norbert Köster, forderte: "Wir brauchen kirchlicher- wie staatlicherseits härtere Strafen und brauchen ein Ende der Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch."

Im Bistum Essen fanden sich Hinweise zu insgesamt 85 Opfern und 60 mutmaßlichen Tätern, im Bistum Aachen 86 Missbrauchsfälle und 55 Beschuldigte.

Kirchenkritiker für Abschaffung des Zölibats

Die katholische Laienorganisation "Wir sind Kirche" im Erzbistum Paderborn fordert angesichts der Missbrauchsfälle grundlegende Änderungen in der katholischen Kirche. Dazu zähle vor allem, den Zölibat für Pfarrer abzuschaffen, sagte ihr Sprecher Martin von Erdmann dem WDR.

Von Erdmann betonte, dass die Täter laut Studie zum größten Teil Priester seien: "Jetzt kann man gucken und hinterfragen: Warum sind gerade Priester dafür anfällig? Ein Grund könnte der Zölibat sein." Er geht davon aus, dass es noch viel mehr Missbrauchsfälle gab, als bis jetzt bekannt ist: "Die Studie zeigt ja, dass Akten manipuliert und vernichtet worden sind."

Weißer Ring fordert Konsequenzen

Zudem müsse man von einer "hohen Dunkelziffer" ausgehen, sagte die Geschäftsführerin des Opferschutzverbandes Weißer Ring, Bianca Biwer. Die Bemühungen der katholischen Kirche um eine Aufarbeitung sieht sie kritisch. "Was Betroffenen wirklich helfen würde, wären sichtbare Konsequenzen für die Täter."

Stand: 26.09.2018, 07:51

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