Missbrauch: Sport gerät in den Fokus

Geräteturnen mit Hilfestellung

Missbrauch: Sport gerät in den Fokus

  • Missbrauch im Sport wird untersucht
  • Kommission will Betroffene hören
  • Thema noch oft tabuisiert

In Deutschland sollen sexuelle Belästigung und sexueller Missbrauch im Sport systematisch aufgearbeitet werden. Die Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch appellierte am Montag (06.05.2019) an Betroffene, die in Sportvereinen, im Sportunterricht oder im Leistungssport solche Erfahrungen machen mussten, sich zu melden und ihre Geschichte zu erzählen.

Dieser Bereich sei besonders stark tabuisiert, hieß es zur Begründung. Es fehle an Wissen, welche Bedingungen und Strukturen Missbrauch ermöglicht und begünstigt hätten. Zuletzt hatte die Kommission mit ihren Untersuchungen im familiären Umfeld, in der Kirche und in der DDR für Aufsehen gesorgt.

Machtlose Opfer - Sexuelle Gewalt in Sportvereinen

1LIVE Reportage 16.04.2019 34:48 Min. Verfügbar bis 15.04.2020 1LIVE

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Kindesmissbrauch: Schwierige Aufarbeitung

WDR 5 Morgenecho - Interview 03.04.2019 06:43 Min. Verfügbar bis 02.04.2020 WDR 5

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Alarmierende Befunde

Prof.Dr. Sabine Andresen

Sabine Andresen

Es gebe bisher nicht viele Untersuchungen zum Thema, sagte die Vorsitzende der Kommission, Sabine Andresen, dem WDR. Allerdings hatte das Projekt "Safe Sport" unter Beteiligung der Sporthochschule Köln im Jahr 2018 bereits einige alarmierende Befunde veröffentlicht.

Bei einer Online-Befragung von rund 1.800 Kader-Athleten hatten rund ein Drittel angegeben, Opfer von sexualisierter Gewalt geworden zu sein. Einer von neun Sportlern hatte von lang andauerndem oder besonders schwerem Missbrauch berichtet.

"Wir befürchten, dass der Missbrauch im Sport ähnliche Ausmaße haben könnte, wie in der Kirche", sagte Andresen. Sie hoffe, dass viele Betroffene ihre Erfahrungen teilen. Hierzu biete die Kommission vertrauliche Gespräche oder schriftliche Berichte an. Auf der Homepage gebe es nähere Erläuterungen.

"Wir haben keinen Forschungsauftrag. Wir hören Menschen an, die sich von sich aus bei uns melden", betonte Andresen. Dennoch könne die Analyse der Berichte viel zu einer heilsamen gesellschaftlichen Diskussion beitragen. Denn der Sport biete vielfältige Gelegenheiten für sexuelle Übergriffe. Dies sei auch durch die körperliche Nähe, zum Beispiel bei Hilfestellungen oder beim Umziehen, bedingt.

Verbände wurden informiert

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) möchte den Aufruf unterstützen, indem er darüber in seinen Medien informiert. "Die Bereitschaft zur Aufarbeitung ist eine wichtige Voraussetzung", sagte Andresen, "denn ohne dieses Wissen ist auch keine effektive Prävention möglich".

Ob die Untersuchung auch zur strafrechtlichen Verfolgung von Tätern beitragen kann, sei noch nicht sicher, meint Andresen. "Aber wenn die Taten noch nicht verjährt sind, dann werden sich solche Fragen stellen." Der Sport sei auf jeden Fall ein Thema, "das uns noch lange begleiten wird".

Stand: 06.05.2019, 15:18

Kommentare zum Thema

5 Kommentare

  • 5 Michael Müller 07.05.2019, 12:00 Uhr

    Ein erweitertes Führungszeugnis dient der Abschreckung(Hier stehen nur rechtskräftige Urteile drin, kein Verdacht, eingestellte Verfahren...), verhindert aber alleine keinen Missbrauch. In Vereinen fehlt häufig eine passende Struktur um Täter zu erkennen, oder durch Organisation die Tatmöglichkeit zu reduzieren. Wir hatten einen Fall, wo wir im Vorfeld starke Bedenken hatten und uns dann entschieden haben , auf die Mitarbeit des Kandidaten zu verzichten. Das hat andere Vereine nicht daran gehindert, ihn zu beschäftigen. Da machen es die Datenschutzauflagen und Vorschriften unmöglich, andere zu warnen. Und zu glauben, es gibt 100% Sicherheit vor Missbrauch, ob im Verein oder Kirche... die gibt es nicht.

  • 4 Roger 07.05.2019, 10:13 Uhr

    Sex sells. Von daher ist allein das Thema Aufreger genug. Gleichwohl ohne Rauch kein Feuer. Gibt es aber wirklich soviele (ungewollte) Übergriffe zwischen Sportler und Betreuer? Ohne Emotionen und Einfühlungsvermögen läuft zwischen Sportler und Trainer gar nichts. Zwichen beiden muss die "Chemie" stimmen. Erfolg und Niederlage tragen beide gemeinsam. Und Sportler brauchen, wie alle anderen auch, Anerkennung. Mich würde es daher nicht überraschen, wenn sich aus Zuwendung mehr entwickelt.

    Antworten (1)
    • Carsten 07.05.2019, 22:01 Uhr

      Roger, einigen wir uns darauf, es gibt zu viele. Außerdem gibt es eine klare ethische Grenze zwischen Anerkennung sowie Zuwendung auf der einen und sexuelle Übergriffe (Belästigung, Missbrauch, Vergewaltigung) auf der anderen Seite. Erfreulicherweise gibt es vorbildliche Initiativen von Verbänden (DTTB) und Gemeinden (Köniz, Schweiz), die nicht wegsehen.

  • 3 Marcel Koch 06.05.2019, 21:59 Uhr

    Na dann haben ja Unternehmensberater/ Personalabteilungen wieder eine neue Spielwiese unkündbare unliebsame Mitarbeiter versuchen loszuwerden.

  • 2 Maike 06.05.2019, 20:10 Uhr

    Überall dort, wo Täter auf vermeintliche Opfer treffen können, werden sich genau solche Täter auch tummeln. Ob Sportverein, Behörde, zielbezogene Institution oder sonstwas. ist wie mit Süchtigen, die ziehts immer zum Stoff hin.

  • 1 Atze 06.05.2019, 18:46 Uhr

    Es wird in vielen Bereichen unserer Gesellschaft Dunkelfelder geben Interessant wäre auch mal, wenn sich alle Betroffenen melden würden, die bei Medien, TV, Radio, oder Werbebereich Opfer von sexuellen Übergriffen zum Wohle der Karriere wurden. Nicht nur beim Sport wird es übergriffiges Verhalten gegeben haben.

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