Bischofskonferenz: Missbrauchsopfer bekommen Geld

Bischofskonferenz: Missbrauchsopfer bekommen Geld

Die Opfer von sexuellem Missbrauch in der Kirche sind einen Schritt weiter: Die Bischofskonferenz hat sich heute darauf geeinigt, wie die Einmalzahlungen verteilt werden sollen. Über die Höhe gibt es aber weiter Streit.

Montage mit Halspartie, weißem Kragen und Schulter eines Priesters, an dessen Revers ein nach unten weisendes kleines Kruzifix befestigt ist

Jahrzehntelang wurden Kinder und Jugendliche von katholischen Klerikern missbraucht. Insgesamt sollen mindestens fast 4.000 Minderjährige, meistens Jungen, Opfer geworden sein - allein im Bistum Essen waren es 99. Erst vor gut zehn Jahren wurde das ganze Ausmaß bekannt, seitdem versucht die Kirche, das Geschehen aufzuarbeiten. Ein wesentlicher Punkt: Das Leid der Opfer sollte anerkannt werden. Über das Wie gab es lange Streit, aber jetzt scheint es auf der Bischofskonferenz in Fulda einen Durchbruch zu geben.

Ein System, ein unabhängiges Gremium

Dass die Betroffenen eine Einmalzahlung bekommen sollten, die sich an den Schmerzensgeldern der staatlichen Gerichte orientieren, haben die Bischöfe schon im Frühjahr entschieden. Die Rede war von Summen zwischen 5.000 und 50.000 Euro. Bisher bekamen Opfer im Schnitt 5.000 Euro.

In Fulda wurde jetzt beschlossen, dass das Geld nach einem einheitlichen System gezahlt werden soll, das in allen 27 Bistümern gilt. Dafür zuständig ist ein Gremium, in dem Experten wie Psychologen oder Pädagogen sitzen. Sie entscheiden auf Antrag über die Höhe der Zahlung und dürfen, das ist den Bischöfen wichtig, nicht bei einem Bistum angestellt sein. Start ist der 1. Januar 2021.

"Eckiger Tisch" ist nicht zufrieden

Die Betroffenen-Initiative "Eckiger Tisch" kritisierte diese Entscheidung aber als "irreführend". Denn es gehe nicht um aktuelle Taten, die per Schmerzensgeld abgedeckt werden könnten, sondern um die systematische Vertuschung und Verdunkelung über Jahrzehnte hinweg durch die Institution Kirche.

Folgerichtig erneuerte der "Eckige Tisch" seine Forderung von 2019: Zwischen 40.000 und 400.000 Euro sollten gezahlt werden, auch, weil viele Betroffene berufsunfähig sind. Für besonders heikel hält der Vorsitzende der Opferinitiative, Matthias Katsch, dass Betroffene den Missbrauch noch mal durchleben müssten, wenn sie in einem Entschädigungs-Verfahren ihre Geschichte erzählen.

Stand: 24.09.2020, 16:58

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