Missbrauchsgipfel im Vatikan: Opfer und Täter in NRW

Missbrauchsgipfel im Vatikan: Opfer und Täter in NRW

Von Nina Giaramita

  • Vatikan-Konferenz über sexuellen Missbrauch
  • Studie der Deutschen Bischofskonferenz dokumentiert Fälle
  • Kaum Strafverfahren in NRW

Im Vatikan berät die Katholische Kirche ab Donnerstag (21.02.2019) über sexuellen Missbrauch durch Würdenträger und das Vertuschen der Taten. Zu dem Treffen kommen die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aus aller Welt. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte im September 2018 eine Studie vorgestellt.

Das Ergebnis: Missbrauch in der Kirche war über Jahrzehnte hinweg weit verbreitet, auch in den NRW-Bistümern Paderborn, Münster, Essen, Köln und Aachen. Dort sind 935 Opfer dokumentiert und 451 Geistliche, die des Missbrauchs beschuldigt wurden. Die Zahlen beziehen sich auf die Zeit von 1938 bis 2018. Ein Großteil der Opfer war den Angaben zufolge männlich.

Die meisten Missbrauchsfälle wurden von Seiten des Bistums Münster gemeldet: Insgesamt 450 Betroffene gab es dort. Das Erzbistum Köln, das größte Bistum, meldete 135 Fälle sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen.

Nach Angaben von WDR-Religionsexperte Theodor Dierkes lässt sich die überraschend niedrige Zahl aus Köln damit erklären, dass dort weniger Daten angelegt worden seien und "sehr lange wenig getan" worden sei.

Sind die Täter vor Gericht gekommen?

In den wenigsten Fällen ist es zu einer Gerichtsverhandlung gekommen. Das liegt zum einen daran, dass viele Beschuldigte bereits tot sind; zum anderen sind viele Fälle bereits verjährt. In wenigen Fällen gab es vor Bekanntgabe der Zahlen ein Gerichtsurteil.

In Aachen beispielsweise gab es 2010 und 2014 zwei Strafverfahren. Ein Geistlicher wurde wegen des Besitzes von Kinderpornografie zu einer Geldstrafe verurteilt, ein weiterer erhielt eine siebenmonatige Haftstrafe auf Bewährung.

Haben die Opfer Entschädigungszahlungen bekommen?

Die Deutsche Bischofskonferenz hat empfohlen, an die Opfer 5.000 Euro Entschädigung zu zahlen, in schwereren Fällen auch höhere Summen. Darüber hinaus wurde angeraten, zusätzlich die Kosten für Psychotherapien zu übernehmen. Tatsächlich wurden von den Bistümern in NRW rund zweieinhalb Millionen Euro "Anerkennungsleistung" an die Opfer gezahlt.

Eine einheitliche Vorgehensweise gab es bei den Zahlungen nicht. Die Entschädigungssummen schwankten zwischen 1.000 und 8.000 Euro. Vergleichsweise hohe Summen zahlte das Erzbistum Köln. An 100 Betroffene wurden rund 620.000 Euro gezahlt.

Stand: 21.02.2019, 06:00

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 Stefanie 21.02.2019, 15:50 Uhr

    Das Problem ist doch nicht nur die Kirche. Auch wie bei der Polizei und bei Gericht gearbeitet wird ist stümperhaft und fahrlässig. Das habe ich selbst nach meiner Vergewaltigung erledigt. (Nicht durch Kirchenmitglied) Vernehmungsprotokole werden nicht vernünftig angelegt, geschweige denn wird endlich das Videoverhör eingeführt. Opfer werden ohne Respekt behandelt. Die Hälfte von dem, was ich gesagt habe, hat die Polizistin nicht aufgeschrieben! Das hat sie mir ins Gesicht gesagt! Fotos wurden verschludert. Extra Fragen, die der Polizist am Ende gestellt hat, wurden mir von der Staatsanwältin nochmal gestellt, obwohl bereits schriftlich beantwortet und mein Vergewaltiger läuft frei rum, weil es niemanden interessiert hat. Da läuft auf so vielen Ebenen etwas schief......Es gibt nicht nur einen Sündenbock.

  • 3 Atze 21.02.2019, 14:22 Uhr

    Sind es Vermutungen, die im Kommentar um 10:30 Uhr geäußert werden oder liegen gar Kenntnisse vor, die belastbar und nachvollziehbar sind? Da werden nebulöse Vermutungen geäußert ohne konkret zu werden. Das hilft nicht weiter und ähnelt dem frommen Wunsch, dass Morgen besseres Wetter ist. Wer sich schuldig gemacht hat, und gegen geltende Gesetze verstoßen hat, gehört nach rechtsstaatlichen Prinzipien vor Gericht gestellt. Das Ganze ohne Ansehen der Person und fertig. Dazu gehört Klarheit und Ehrlichkeit durch alle Ebenen.

    Antworten (1)
    • G. Müller 21.02.2019, 15:10 Uhr

      Seit Jahren verweigert doch die Katholische Kirche die Aufklärung, blockiert die eigenen Ermittler und legt die Akten nicht offen. Offensichtlich ist eine intensive staatliche Ermittlung nicht gewollt oder die Ermittlungsbehörden bekommen die Nase zu spät dran. Von Aufklärung wird seit Jahren nur gesprochen, warum soll sich dies ändern? Welche Partei will es denn genauer wissen?

  • 2 G. Müller 21.02.2019, 10:30 Uhr

    Es wird sich zunächst gar nichts ändern. Jeder neue Anlauf ist zum Scheitern verurteilt, weil die Vertuscher und viele Täter noch in Amt und Würden sind. Keine Schlange schlägt sich selbst den Kopf ab. Und viele Schäfchen sind immer noch bereit das Opferschaf zu spielen. Vielleicht ist die Initiative „Maria 2.0“ eine erste Gegenbewegung. Ich wünsche ihr Ausdauer und mehr Anhängerinnen.

  • 1 Bileams Esel 21.02.2019, 10:04 Uhr

    Und die Bibel hat es zeitlos aktuell beschrieben: Matthäus 23,27 f. Bischof Heiner Wimmer auch. Die Täterseite bequemt sich zu "Anerkennungsleistungen". Die Funktionärssprache graut einen.

Aktuelle TV-Sendungen